Sexier als die Bardot: Laetitia Casta in 'Gainsbourg'

'Gainsbourg': Laetitia Casta als Brigitte Bardot

Sexier als die Bardot: Laetitia Casta in 'Gainsbourg'

Mit blondierter Wallemähne tanzt Laetitia Casta, nur in ein Bettlaken gewickelt, als Brigitte Bardot durch Gainsbourgs Schlafzimmer und schlägt die Schmollmund-Diva um Längen an Sexappeal. Und sie beweist endgültig, dass sie ihren Kolleginnen Gisele Bündchen und Claudia Schiffer eins voraus hat: Sie dreht nicht nur Filme, sie kann wirklich spielen.

Nach einem Debüt als Falbala in einem „Asterix“-Streifen, bei dem hauptsächlich ihre Kurven gefragt waren, hat sich die mittlerweile dreifache Mutter konsequent für anspruchsvolle Rollen in kleineren Filmen entschieden – und bald auch die letzten Zweifler davon überzeugt, dass sie mehr ist als ein schauspielernder Kleiderständer. In „Gainsbourg“ hat sie zwar nur eine sehr kleine Rolle, doch stiehlt sie allen die Schau, und das nicht nur, weil sie im Ultra-Mini mit Overknee-Stiefeln und zwei Hunden einen ersten Auftritt hat, den man so schnell nicht vergisst.

Dabei geht es in dem Film natürlich vor allem um den Titel gebenden Musiker Serge Gainsbourg (gespielt von Éric Elmosnino) – Sie wissen schon: der, der einst zusammen mit seiner Lebensgefährtin Jane Birkin so anrüchig „Je t’aime“ stöhnte. Um Gainsbourg, seine aufreizend simple und doch provokante Popmusik und seine zahlreichen Affären mit illustren Damen.

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Frau Casta spielt Hauptdarsteller Elmonismo an die Wand

Doch der Comic-Künstler Joann Sfar wagt mit seinem Spielfilmdebüt weitaus mehr als andere in vergleichbaren Film-Biografien. Er stellt dem kleinen Lucien Ginsburg, wie Gainsbourg - Sohn russischer Juden in Paris - mit bürgerlichem Namen hieß, ein Alter Ego namens „Die Fresse“ zur Seite, das den Zuschauer leitmotivisch durch den Film begleitet und für eine kunstvolle Verfremdung und Spiegelung der Hauptfigur sorgt.

„Die Fresse“ trägt einen Pappmaché-Kopf mit riesiger Nase, die auf Gainsbourg eher unattraktives Äußeres anspielt, und ist der mephistophelische Einflüsterer des notorisch schüchternen Jungen, der eigentlich von einer Karriere als Maler oder Konzertmusiker träumt, aber mit leichten Chansons groß rauskommt.

Mit dem Erfolg liegen ihm auf einmal die Frauen zu Füßen: Juliette Gréco (Anna Mouglalis) und Brigitte Bardot lassen sich von ihm Lieder auf den Leib schreiben, die Schauspielerin Jane Birkin („Spider-Man“-Star Lucy Gordon, die sich 2009 das Leben nahm, in ihrem letzten Film) bringt er auch als Sängerin groß raus. Nur Popsternchen France Gall (von Sara Forestier herrlich als halbblöde Lolita karikiert) fasst er nicht an. Auf Kinder steht er nicht und gerät später doch unter Inzestverdacht, als er mit seiner 13-jährigen Tochter Charlotte Gainsbourg lasziv ein Duett säuselt.

Gekonnt, aber leider mit einem kleinen dramaturgischen Durchhänger in der Mitte, fügt Joann Sfar die unterschiedlichen künstlerischen Schaffensphasen und Gainsbourgs prägende Liebschaften zu einem bunten Potpourri zusammen, bei dem man durch „Die Fresse“ auch genug Innensicht auf einen zwiespältigen und komplexen Charakter bekommt. Nur eins bleibt dem Zuschauer bis zum Ende verschlossen: Was all die schönen und erfolgreichen Frauen an dem eher ungepflegt wirkenden, dauerquarzenden und -saufenden kleinen Mann mit den weißen Schuhen fanden. Der erotische Charme, den der Sänger und Komponist zweifelsohne besessen haben muss, schafft es in „Gainsbourg“ nicht bis auf die Leinwand. Deshalb wird Hauptdarsteller Elmosnino von der fröhlich trällernden Laetitia Casta in ihrem Bettlaken glatt an die Wand gespielt.

Von Mireilla Zirpins

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