Sex für den guten Ruf? - Emma Stone in 'Einfach zu haben'

Sex für den guten Ruf? - Emma Stone in 'Einfach zu haben'

Alle Jubeljahre flimmert über die Leinwände tatsächlich ein Teenie-Streifen, bei dem man als Ü18 mal nicht die Augen verdrehen muss über albernen Fäkalhumor oder langweiligen Stereotypen mit pubertären High-School-Problemen. ‚Einfach zu haben‘ ist einer dieser seltenen Filme, obwohl sich auch hier die Gespräche der Kids um nichts anderes drehen als um den schnellstmöglichen Verlust der Jungfräulichkeit. Allerdings besticht die Teenie-Komödie durch bissige Oneliner, cleveren Sarkasmus und vor allem durch eine furchtbar erfrischende und authentische Emma Stone, die (nach kleineren Parts in ‚Superbad‘, ‚Zombieland‘ oder ‚House Bunny‘) mit ihrer ersten Hauptrolle zum Shootingstar Hollywoods avanciert.

Emma Stone spielt Olive Penderghast, ein High-School-Mauerblümchen, das bei Google-Earth nicht mal als zehnstöckiges Haus auffallen würde. Genau deshalb – und weil Olive keine Lust hat, mit ihrer besten Freundin Rhiannon (Aly Michalka) samt verrückter Hippie-Eltern Zelten zu gehen – erfindet sie einfach ein Date und verbringt stattdessen das Wochenende damit, unter der Dusche zu Natasha Bedingfields ‚Pocket Full of Sunshine‘ zu tanzen.

Weil es für einen Teenager viel zu peinlich ist, das zuzugeben, erzählt Olive auf dem Schulklo einfach herum, sie hätte mit ihrem Date gleich das ganze Wochenende verbracht. Da will die Freundin natürlich nicht mehr glauben, dass da wirklich nichts gelaufen ist, und so gesteht Olive unter Druck irgendwann fälschlicherweise, ihre Jungfräulichkeit an einen Collegetypen verloren zu haben.

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Sex für den guten Ruf? - Emma Stone in 'Einfach zu haben'

Blöd dabei ist nur, dass ausgerechnet Marianne (Amanda Bynes), Jesusfanatikerin und die Keuschheit in Person, davon Wind bekommt und sich das Gerücht dank ihr, Handys und Facebook so schnell verbreitet wie die Twitternews von Ashton Kutcher und Demi Moore, womit Olive in ihrem verschlafenen Örtchen nun auch mindestens genauso berühmt wird. Und da alle Versuche, das Missverständnis aufzuklären scheitern, weil einfach niemand zuhören will, nimmt Olive die Rolle Schul-Schlampe einfach an und genießt die neu gewonnene Aufmerksamkeit. Durch übersteigerte Selbstparodie und mit intelligentem Witz will sie ihren Mitschülern nicht nur demonstrieren, wie oberflächlich sie mit dem Thema Sex umgehen, sondern auch, wie egal es ihr ist, in welche Schublade sie durch vorschnelle Urteile gesteckt wird.

Dieses Schubladendenken ist leider aber niemand sonst in der Schule gleichgültig. Und so rennen ihr das Schuldickerchen, der heimliche Schwule und sämtliche anderen Loser die Bude ein in der Hoffnung, dass Olive auch ihren Ruf retten könnte, in dem sie so tut, als haben sie mit den High-School-Underdogs geschlafen. Doch Olives vermeintliches Paarungsverhalten stößt nicht allseits auf solche Begeisterung. Der obermoralischen Puritaner-Clique der Schule ist solche Zügellosigkeit natürlich ein absoluter Dorn im Auge. Deswegen stellen die tugendhaften Teenies plötzlich die ganze Institution auf den Kopf, aus dem Gerücht werden ernsthafte Konflikte, und Olive muss feststellen, dass sie mit ihrer kleinen Lüge doch einigen Menschen weh getan hat.

Das wirklich Witzige an ‚Einfach zu haben‘ sind die vielen Klischees, mit denen ironisch, aber ohne den moralischen Zeigefinger gespielt wird. Erheiternd sind die vielen trockenen und cleveren Wortgefechte, in denen Emma Stone mit natürlichem Charme brilliert. Seit ‚10 Dinge, die ich an dir hasse‘ oder ‚Clueless‘ hat es wohl keine so schlagfertige, kluge und gleichzeitig so unschuldig liebenswürdige weibliche Figur in einem High-School-Film gegeben, in denen es sonst eigentlich die ‚American-Pie‘-Trottel sind, die mit Liebe, Sex und Zärtlichkeit ihre Schwierigkeiten haben. Ein paar flotte Zeilen haben auch die übrigen schrillen Charaktere immer auf den Lippen, wie beispielsweise das Traumduo Stanley Tucci (‚Julie und Julia‘, ‚Der Teufel trägt Prada‘) und Patricia Clarkson (‚Shutter Island‘, ‚Vicky, Christina, Barcelona‘) als Olives liberal-verrückte, absolut warmherzige und aufrichtige Eltern.

Dass der Streifen gegen Ende hin dann doch ein wenig seines Tempos und seines beißenden Sarkasmus einbüßen muss, ist auch nicht weiter schlimm. Denn der Film weiß vor allem durch Selbstironie zu überzeugen und strahlt dabei immer noch die gleiche Herzlichkeit aus wie seine Vorbilder aus den 80ern, ‚Teen Lover‘ oder ‚Can’t Buy Me Love’. Deshalb kann man auch als Erwachsener ruhig ein Ticket für diese wirklich humorvolle Teenie-Komödie lösen.

Von Mihaela Gladovic

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