Selena Gomez als doppeltes Lottchen: 'Plötzlich Star'

2 von 5 Punkten

Oh man, Hollywood! Mehr als das Louvre und den Eiffelturm gibt es in Paris nicht, was? Deswegen nutzen die drei Hauptfiguren in ‚Plötzlich Star’ auch gleich die Chance einer dummen Verwechslung und fliegen anstelle einer anderen mit fünf Koffern voller Schuhe, drei voller Make-Up und mit Kleidern einer ganzen Jahreskollektion weiter nach Monte Carlo. Bloß, weil es in der Weltmetropole regnet!? Klar: So sind wir Mädchen und Frauen eben. Das moderne Märchen ist auch noch mit Disney-Star Selena Gomez in gleich zwei Hauptrollen besetzt. Dabei hat die bloß einen Gesichtsausdruck.

Eigentlich fängt die Geschichte um die süße Grace (Selena Gomez, ‚Another Cinderella Story’) ganz vielversprechend an: Die 18-Jährige spart schon seit Jahren darauf hin, im Sommer nach ihrem Schulabschluss nach Paris zu fliegen, um einen unvergesslichen Urlaub zu erleben. Nach der Ankunft der jungen Texanerin, ihrer besten Freundin Emma (Katie Cassidy, ‚A Nightmare on Elmstreet’) und dem langweiligen Moralapostel von Halbschwester Meg (Leighton Meester, ‚The Roommate’) kommt aber der große – für den Zuschauer noch sehr amüsante – Dämpfer: Die Bruchbude, die sich Hotelzimmer schimpft, sieht gar nicht aus, wie im Katalog und die gestresste Reiseführerin heizt mit ihrem Touri-Bus im 20-Minuten-Takt von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Zu allem Überfluss fängt es am Ende des Tages zu regnen an. So eine Schande!

Selena Gomez in 'Plötzlich Star'
Selena Gomez in 'Plötzlich Star' Kinostart: 04.08.2011 00:02:07
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Da muss man sich ja in Depressionen stürzen. So suchen die drei erst einmal Unterschlupf in der Lobby des nächstbesten Luxushotels. Ausgerechnet da haust das verzogene, britische It-Girl Cordelia Winthrop-Scott (auch Selena Gomez), das verblüffende Ähnlichkeit mit Grace hat. Nachdem sie sich lauthals beim Hotelier beschwert, dass ihre Flugtickets nach Monte Carlo weg sind, haut sie einfach ab, weil sie ohnehin keine Lust auf das anstehende, öde Charity-Event in Monaco hat. Bühne frei für die anderen drei:

Grace, Emma und Meg nutzen im Blitzgewitter der Paparazzi schamlos das Verwechslungsdurcheinander aus, schnappen sich die wiedergefundenen Tickets und fliegen in eine Stadt, in der normalerweise schon der Preis für ein Glas Wasser bei den Mädels für große Augen und ein dünnes Budget sorgen dürfte. Egal. Hauptsache Konsum statt Kultur und Polo statt Paris. Und das Schlimmste daran: Der High-Society-Tamtam ist getarnt als Gutmenschentum der Reichen und Schönen, die mit einer Versteigerungsgala Millionen für arme Kinder in Rumänien sammeln. Alles klar!

Das ist dann auch noch so bieder und unschuldig inszeniert, dass man sich schnell den verfetteten Besitzer der Baracke aus Paris und die Fähnchen wedelnde Touristenführerin zurückwünscht. Hatte doch der Film da noch einen Sinn für Humor. Jetzt finden eben alle auf teeniefilmtypische Art und Weise zu ihrem besseren Wesen. Und spätestens wenn die prüde Meg, die wegen dem Tod ihrer Mutter so introvertiert und risikofeindlich ist, sich in einen heißen, australischen Backpacker verliebt, der ihr beibringt: „Vielleicht musst du einfach mal laut schreien“, denkt sich der Zuschauer: Ahh, vielleicht muss ich das auch.

Die ideenfreie Klischeekeule hat zweifellos ihre guten Momente und bringt den Zuschauer dann doch ab und an mit witzigen Dialogen oder schrillen Figuren zum Schmunzeln. Davon hätte es ruhig ein bisschen mehr sein dürfen, denn Selena Gomez’ traurigen Rehäuglein gehen einem schnell auf die Nerven. Schauspielern können ihre Kolleginnen Katie Cassidy und Leighton Meester um einiges besser. Als Verkaufsgarant eignet sich Justin Biebers Herzblatt aber hervorragend und so werden die sechs bis 13-Jährigen Mädels wohl die Kinos einrennen. Und wenn Sie jetzt denken: „Für die ist der Film ja auch schließlich gemacht.“ Auch Teenies verdienen Filme mit einem liebevollen Drehbuch und guten Schauspielern.

Von Mihaela Gladovic

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