Sebastian Schipper: Kein Reichtum mit 'Victoria'

Sebastian Schipper: Kein Reichtum mit 'Victoria'
Sebastian Schipper © Cover Media

Sebastian Schipper (47) erklärt kommenden Filmschaffenden, dass man auch mit einem großen Erfolg wie 'Victoria' nicht automatisch reich wird.

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Keine große Gage

Der Regisseur ('Absolute Giganten') gab sich da ganz offen im Interview mit der 'Süddeutschen Zeitung': "Meine Gage waren 10 000 Euro fürs Drehen und 20 000 Euro für die Regie." Nicht gerade üppig, wenn man bedenkt, dass man als Regisseur jahrelang mit so einem Projekt beschäftigt ist. Da muss das Geld also woanders her, zum Beispiel als 'Tatort'-Ermittler Jan Katz an der Seite von Wotan Wilke Möhring - die Rolle habe er nur des Geldes wegen angenommen.

Auch wenn er mit 'Victoria' nicht ganz so viel verdienen konnte, hat sich die Mühe gelohnt. Der Film, der in einer einzigen Kameraeinstellung über 140 Minuten gedreht wurde, hat sämtliche Preise abgeräumt - allein sechs Mal die Lola beim Deutschen Filmpreis. Die Produktion wird mittlerweile auch international gezeigt, was bei einem deutschen Film äußerst selten passiert. Und schon sind Agenten aus den USA an dem talentierten Regisseur interessiert, der damals bei der ungewöhnlichen Konzeption von 'Victoria' nur einen Gedanken hatte: "Ich hatte Sehnsucht, etwas zu machen, was nur geil, verwirrend oder scheiße werden konnte."

Bei 'Victoria' musste wegen der Vorgabe einer einzigen Kameraeinstellung viel improvisiert werden, was dem Film noch zusätzlich gut getan hat. Schipper wollte somit ein Moment von Unruhe in einer digitalisierten Welt schaffen: "Unsere digitale Welt macht es möglich, alle Fehler und alle Lücken spurenlos zum Verschwinden zu bringen. Wir warten nicht mehr auf den Bus, sondern checken unsere Mails, bis der Bus kommt. Es gibt keine Lücke der Langeweile mehr. Es gibt auch keine Lücken mehr in den Präsentationen: keine Fehldrucke, keinen Slack, keinen Dreck. Aber wir brauchen dieses weiße Rauschen, um nicht verrückt zu werden. Wir brauchen, dass es ruckelt und wackelt. Wir haben immer gedacht, wir bräuchten Perfektion, weil die Natur ein so überwältigender Gegner im Überlebenskampf war. Aber jetzt haben wir die Natur ganz irre lieb und die digitale Welt wird zu unserem eigentlichen Gegner, weil sie uns so kirre macht", philosophierte Sebastian Schipper unlängst in einem Interview mit der 'Zeit'.

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