Sean Connery: Keine Grüße aus dem Ruhestand

Sean Connery: Keine Grüße aus dem Ruhestand
Sean Connery als Tribünengast bei den US Open im Jahr 2012 © ddp images

Sean Connerys letzter "Auftritt" in einem Film ist sieben Jahre her und insgesamt war der Abschied von der Leinwand doch etwas enttäuschend: Sekundenlang fing die Kamera ein Foto von Professor Dr. Henry Jones (Connery) auf einem Schreibtisch ein. In Gedenken an seinen "verstorbenen Vater" hatte es sein Sohn Indiana Jones (Harrison Ford) dort aufgestellt. Eigentlich hätten sie ihn alle gerne als leibhaftigen Vater von "Indy" wiedergesehen. Sowohl George Lucas, Steven Spielberg als auch Ford hatten zuvor auf den heute 84-Jährigen eingeredet, das Rollenangebot anzunehmen - vergeblich.

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Er wollte nicht Bond sein

Schotten, und der in Edinburgh geborene Connery im Speziellen, gelten seit jeher als stur. Einige Jahre vor besagtem "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" hatte er seinen Rückzug aus dem Filmgeschäft angekündigt. "Ich habe die Idioten satt, die inzwischen in Hollywood arbeiten", sagte Connery der englischen Boulevard-Zeitung "The Sun". Nur ein "Angebot, das er nicht ablehnen könne", würde ihn von seinem Vorhaben abbringen. Auf ein solches Angebot warten der Schauspieler und seine Fans bis heute vergeblich.

Connery hatte schon immer seinen eigenen Kopf: Durch seine Rolle als erster James Bond der Filmgeschichte ("007 jagt Dr. No", 1962) wurde er über Nacht zum Superstar und Sexsymbol. Doch der talentierte schottische Schauspieler, der aus den Slums von Edinburgh stammt, wollte eines Tages nur noch eins: Aus der Film-Reihe aussteigen und endlich nicht mehr James Bond sein. Als 1971 sein sechster und vorerst letzter James Bond-Film "Diamantenfieber" in die Kinos kam, vermuteten viele Fans das Karriere-Aus. Beinahe sollten sie recht behalten, denn von den Filmen, die Connery in den folgenden Jahren drehte, konnten sich nur wenige an den Kinokassen durchsetzen, keiner von ihnen erreichte auch nur annähernd James-Bond-Status.

1983 sah er sich deshalb genötigt, in "Sag niemals nie" noch einmal den legendären Agenten zu verkörpern. Für viele Zuschauer ist seine Interpretation der Rolle die bis heute beste 007-Darstellung. Danach gelang es ihm endlich, sich von Bond zu lösen. Es folgten Meilensteine wie "Der Name der Rose", "Die Unbestechlichen" oder "The Rock".

 

Politisch engagiert

 

Seit "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" im Jahr 2003 ist es still um den "Sexiest Man of the Century" geworden. Manche meinen, zu still. 2013 machten Meldungen die Runde, er habe Alzheimer und sei nicht mehr Herr seiner Sinne. Kurze Zeit später dementierten sowohl Freunde als auch die Sprecherin des Schauspielers - alles Unsinn. Tatsächlich zeigte sich der 84-Jährige Oscar-Gewinner wenige Wochen später in ordentlicher Verfassung beim Tennisturnier der US Open in New York. Im September 2014 erschien unter seinem Namen ein Artikel in der politischen Wochenzeitung "New Statesman", in dem er sich kurz vor dem anstehenden Referendum für die Unabhängigkeit Schottlands von Großbritannien aussprach. Seine Landsleute hörten allerdings nicht auf ihren berühmtesten Export, der gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Micheline abwechselnd in Andalusien und auf den Bahamas residiert.

Am 21. Mai huldigt der Sender VOX Connerys Schaffen mit einem eigenen Abend: Zunächst können sich die Zuschauer auf "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" freuen, wenngleich die Comic-Adaption ein etwas unwürdiger Schlusspunkt in seiner Filmografie ist. Danach beschreibt die Doku "Sean Connery - der Mann, der nicht Bond sein wollte" gemeinsam mit Freunden und Weggefährten die einzigartige Karriere des Schauspielers und zeigt den Menschen hinter seinen großen Rollen.

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