Sean Connery: Eine Filmlegende in Rente?

Sean Connery: Eine Filmlegende in Rente?
So lernte man ihn lieben: Sean Connery als Superagent James Bond in "Diamantenfieber" © © 1971 Danjaq, LLC and United Artists Corporation. All rights reserved

Wenn Hollywoods berühmtester Schottland-Export die 85 Kerzen auf seinem Geburtstagskuchen auspustet, wird Sean Connery wohl einen Moment innehalten müssen, ehe ihm ein Wunsch einfällt. Zu perfekt erscheint seine jahrzehntelange Karriere als Schauspieler, zu angenehm sein Ruhestand in der Wahlheimat, den Bahamas. Wunschlos glücklich ist man als einer seiner Fans hingegen nur bedingt. Bei all den Film-Perlen, die einem das Geburtstagskind im Laufe seines Schaffens schenkte, kann man nur schwer akzeptieren, dass ausgerechnet "Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman" sein letztes Werk gewesen sein soll. Sir Connery, vielleicht noch ein letztes Mal? Der alten, tollen Zeiten willen...

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Vom Milchmann zum Millionär

"Nein Mister Bond, ich erwarte, dass sie sterben!"

Bevor Thomas Sean Connery 1962 zum ersten und für viele noch immer besten James-Bond-Darsteller reifte, konnte der 1930 in Edinburgh geborene Mime durchaus als beruflicher Wandervogel bezeichnet werden. Ärmlichen Verhältnissen entsprungen, steuerte er zunächst als Milchmann, später als Bademeister der Familienkasse bei. Nach einem kurzen Intermezzo in der Royal Navy, schuftete er unter anderem als Baggerfahrer, Pferdekutscher und Möbelpolierer. Aber auch als Akt-Model fungierte Connery, der sich zu dieser Zeit zunehmend als Bodybuilder in den "Mister Universum"-Wettbewerben einen Namen machte.


Jener Hintergrund war es auch, der Connery letztendlich ins Schauspielfach brachte. In den 50er Jahren lernte er so auch Michael Caine kennen, mit dem ihn noch heute eine enge Freundschaft verbindet. Außer für einige kleinere Rollen reichte es aber zunächst nicht, Connerys Stunde sollte erst 1962 schlagen. Als absolut unbekannter Darsteller ergatterte er die Rolle in der ersten Verfilmung von Ian Flemings "James Bond" namens "Dr. No"- der Rest ist Geschichte. Über Nacht wurde der damals 32-jährige zum Star und sollte in noch sechs weiteren Filmen den Super-Agenten darstellen. Bei "Sag niemals nie" immerhin im stolzen Alter von 53 Jahren.


Spanische Schotten und schottische Russen

Auch wenn er seinen starken Akzent nie so ganz in den Griff bekommen sollte, seine Wandlungsfähigkeit als Schauspieler demonstrierte er vor allem in seinen späteren Jahren nach "Bond". 1985 etwa, als der einzige schottische Hauptdarsteller am Set von "Highlander - Es kann nur einen geben" den Spanier Juan Sánchez Villa-Lobos Ramírez mimte. Ähnlich verhielt es sich 1990, als er einen russischen U-Boot-Kapitän in "Jagd auf Roter Oktober" verkörperte. Nur ein Jahr nach "Highlander" schlüpfte er dagegen in eine Mönchskutte, um in der Verfilmung von Umberto Ecos "Der Name der Rose" einen mysteriösen Mord in einem Kloster aufzuklären.


"Hör auf mich Junior zu nennen!"

1989 dann seine - neben "James Bond" - vielleicht denkwürdigste Rolle: Als Vater des peitschenschwingenden Archäologen mit dem Kult-Hut in "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug". Selten hatte ein cineastisches Vater-Sohn-Gespann eine bessere Chemie, als bei den beiden Superstars Connery und Harrison Ford - und das, obwohl die beiden im echten Leben nie und nimmer Vater und Sohn sein könnten. Ford ist schließlich nur zwölf mickrige Jahre jünger.


Alt, aber oho

Gerade auf seine älteren Tage wollte es Connery dann noch einmal richtig wissen: In "The Rock" ballerte er sich an der Seite von Nicolas Cage durch Terroristen-Horden auf Alcatraz und in "Mit Schirm, Charme und Melone" wurde er zur Abwechslung mal als Bösewicht gecastet. Und auch wenn der bereits erwähnte "Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman" von 2003 so ziemlich alles verkehrt machte, zumindest Sir Connery durfte sich darin noch einmal richtig ausleben. Aber wie wäre es mit einer abschließenden Rolle als "Bond"-Bösewicht?


Leider scheinen die Chancen dafür nicht allzu gut zu stehen. Seit 2003 hat man so gut wie nichts mehr von Connery gesehen und über seinen Gesundheitszustand wird in der Presse nicht gerade Positives spekuliert. Ein Schauspiel-Comeback dürfte daher äußerst unwahrscheinlich sein. Auf der anderen Seite: Wenn sich jemand die Hollywood-Rente verdient hat, dann er, und erst Recht mit nun 85 Jahren. Wie man auf Gälisch sagen würde: Co-latha-breith sona, Sir Connery.



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