Scotland Yard und FBI fahnden nach Felix Vossen

Scotland Yard und FBI fahnden nach Felix Vossen
Felix Vossen während der Berlinale im Jahr 2012 © ddp images

Wenn das Opfer dem Täter nachweint, muss er wirklich brillant gewesen sein. "Er war charmant, witzig, vertrauenerweckend, schien ein sensibler Mensch zu sein", sagt eine Geschädigte. "Er war einer, den man auf Geburtstage einlud, auf Segeltörns." Wer die Berichte über den deutschen Filmproduzenten Felix Vossen (41) liest, sieht unwillkürlich eine Wiedergeburt des literarischen Hochstaplers Felix vor sich. Der große Unterschied: Felix Krull ist eine wunderbare Romanfigur von Thomas Mann, hinter Felix Vossen sind Scotland Yard und das FBI her. Vermutlich ist er mit 60 Millionen Euro auf der Flucht.

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Filmproduzent auf der Flucht?

Das Schweizer Newsportal "20min.ch" berichtet: "Vossen soll gegen 30 Opfer übers Ohr gehauen haben, darunter auch Geschädigte aus der Schweiz. Er versprach, ihr Geld auf dem Aktienmarkt zu investieren, gab unglaubliche Renditen von 18 bis 20 Prozent an. Doch er nahm das Geld nicht von Fremden - sondern von seinen Freunden."


Wer ist dieser Vossen überhaupt?

Vossen entstammt einer bekannten deutschen Unternehmerfamilie. Die Gütersloher Vossen GmbH & Co.KG produzierte für den Weltmarkt Handtücher und Frottee-Bademäntel. 2004 wurde die Firma nach Österreich verkauft.


Felix Vossen bezog mitten in Zürich ein Luxusappartement und arbeitete als Finanzinvestor und internationaler Filmproduzent. Tatsächlich konnte er in England einige beachtliche Projekte realisieren: 2012 kam der Thriller "Pusher" mit Richard Coyle in die Kinos, 2013 folgte "I, Anna" mit dem Weltstar Charlotte Rampling. Die Komödie "Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit" (2014) mit Eddie Marsan und Joanne Froggatt sowie der Action-Thriller "The Crime" (2015) mit Ray Winstone und Ben Drew waren weitere Vossen-Produktionen.


Am 6. November hat der Film "Miss You Already" mit Drew Barrymore und Toni Collette seine Premiere. Felix Vossen sollte ihn mitproduzieren, wurde aber ausgebootet, weil er angeblich die versprochene Finanzierung nicht aufbringen konnte. Hatte er sich da bereits die Gelder von Investoren unter den Nagel gerissen?


Was wird Vossen genau vorgeworfen?

Die englischen Ermittler glauben, dass Vossen mit seiner Tätigkeit als Filmproduzent den Investoren aus seinem Freundeskreis Seriosität vorgegaukelt habe. Einige seiner Freunde werfen ihm vor, er habe sie zu Investitionen überredet. Ihr Geld habe er zunächst in Aktien von Technologie-Unternehmen, später in seine Filmfirma Embargo gesteckt.


Die englische Zeitung "The Telegraph" berichtet, einige Investoren hätten ihr gesamtes Vermögen verloren. Der Filmunternehmer Ray Stevens (52) ist um über 2,5 Millionen Euro ärmer. Dem "Telegraph" sagt er: "Während all der Jahre unserer Freundschaft habe ich nie an seiner Ehrlichkeit gezweifelt." Ein weiteres Opfer bestätigt: "Niemand glaubte an eine Täuschung. Alle haben ihn geliebt."


Wo ist Vossen?

Inzwischen ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Zürich gegen Felix Vossen, der am 3. März zuletzt gesehen wurde. An diesem Tag bestieg er ein Flugzeug von London nach Zürich. Nach der Landung fuhr er zu seiner Wohnung - und verschwand spurlos. Mit ihm sind auch 45 Millionen britische Pfund weg, die er Investoren abgeknöpft hat. Sein Handy ließ er in der Züricher Wohnung zurück.


Laut "Telegraph" hat er zwei Wochen nach dem Verschwinden seiner Schweizer Freundin, dem Model Sophia Raafat (37), eine SMS geschickt: "Es tut mir so leid. Ich wollte dir nie wehtun und dachte immer, dass ich es zum Schluss hinkriegen würde, aber es wurde immer schlimmer und schlimmer."


Nun suchen ihn nicht nur die Schweizer Behörden, Scotland Yard und das FBI, auch 26 Opfer wollen Felix Vossen in England wegen Veruntreuung vor Gericht bringen und fahnden mit der Homepage felixvossenwanted.wordpress.com weltweit nach dem ehemaligen Freund. Ein Londoner Gericht ließ seine Bankkonten in London, New York und Zürich einfrieren.


Höchstwahrscheinlich ist Felix Vossen längst unter einem (oder mehreren) anderen Namen unterwegs. Einige Geschädigte vermuten sogar, dass er sein Aussehen verändert hat. Er habe einen Film über plastische Chirurgie drehen wollen und verfüge über die erforderlichen Kontakte zu entsprechenden Ärzten.



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