Scorpions-Frontmann Klaus Meine im Interview

Scorpions-Frontmann Klaus Meine im Interview
Erinnerungsfoto: Klaus Meine und unsere Reporterin.

Klaus wäre beinahe ausgestiegen

In den 80er-Jahren hattest du große Probleme mit deiner Stimme, Operationen und warst kurz davor, nie wieder singen zu können! Was hättest du dann getan?

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Klaus: Ich hätte nicht gewusst, was ich konkret gemacht hätte, aber es gab einen ganz bestimmten Moment, wo ich mich innerlich schon von meinem Job verabschiedet hatte. Nämlich als ich zu Rudolf Schenker gegangen bin und gesagt habe: „Für mich ist das das Ende des Weges, ihr müsst euch einen neuen Sänger suchen.“ Nach zwei Stimmband-OPs und nach einer langen Zeit war ich an einem ziemlich depressiven Punkt angekommen, wo ich gedacht habe „diesen Berg wirst du nie mehr erklimmen können“. Ich habe den Jungs freigestellt, sich einen neuen Sänger zu suchen. Rudolf hat gesagt „Wir warten auf dich. Du musst an dir arbeiten und daran glauben!“ Genauso ist es dann auch gekommen. Ich habe am Ende ein neues Album eingesungen und wir sind auf Welttournee gegangen.

Also mehr richtige Freunde als nur Bandkollegen?

Klaus: Das ist sicherlich auch einer der Gründe, dass diese Band schon so lange einen so starken Kern hat, der so fest zusammenhält. Wo Freundschaft immer die Grundphilosophie war und sich gezeigt hat, als man sie wirklich brauchte.

Wie sieht die Zukunft nach der Tour aus?

Klaus: Erstmal tief durchatmen! Wenn das letzte Kapitel zugeschlagen wird, öffnen sich neue Möglichkeiten. Ich werde immer im Herzen Musiker bleiben, insofern wird sich mein Leben von heute auf morgen nicht so sehr ändern. Aber wir werden zurückblicken auf eine Karriere über vier Jahrzehnte, und ich denke, dass der ein oder andere Song in den Herzen unserer Fans nachklingen wird.

Was wirst du vermissen?

Klaus: Den Moment, wo man auf die Bühne rausgeht, und da sind 20.000 Fans. Diese Energie. Weißt du, wir sitzen jetzt hier backstage im Dressing Room, die Klimaanlage rauscht ein bisschen, der Kühlschrank auch, der Luftbefeuchter sprudelt vor sich hin und ansonsten ist es ganz still. Dieser Moment, wenn man DANN rausgeht, die Spannung, die sich aufbaut, das ist ein unglaublicher Moment. Das ist auch nach all den Jahren noch so! Wenn wir auf die Bühne gehen und die Energie, die sich zwischen Bühne und Publikum aufbaut, einen den ganzen Abend lang trägt, das ist besonders. Kann man auch nicht wirklich beschreiben, es gibt nichts Vergleichbares! Das werde ich ganz sicher vermissen.

Welchem Teil des Rock 'n' Roll Lebens wird man weniger nachtrauern?

Klaus: Dem Teil des Reisens. Ich reise eigentlich sehr gerne - was wir bis heute „Tournee“ nennen, wird dann nachher „Städtereise“ genannt (lacht) - aber es ist auch der anstrengende Teil. Gerade, wenn man auf der ganzen Welt unterwegs ist, durch viele Zeitzonen und durch viele Klimaunterschiede geht. Heute bei 5°C auf der Bühne, morgen bei 38°C. Man muss topfit sein, um das zu machen. Auch monatelang mit dem Bus durch die Vereinigten Staaten zu fahren, verliert irgendwann seinen Reiz … Auf Tour ist man jeden Tag woanders, sitzt jeden Tag im Flugzeug, man rast durch die Welt, es gibt kaum Zeit, Luft zu holen. Wenn man unterwegs ist, wird man sich in Zukunft mehr Zeit nehmen können! …

Und man muss auch weniger Interviews geben!

Klaus Meine lacht.

Vielen Dank für das Interview!

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