Scorpions exklusiv: Rudolf Schenker und Klaus Meine im Interview

Rudolf Schenker und Klaus Meine zu Gast bei RTL
"Auf der Bühne geben wir unser Ganzes. Aber wenn du irgendwann das Gefühl hast, du kannst das nicht mehr bringen, was du den Fans schuldig bist, dann macht es auch keinen Spaß mehr."

"Wir sind nicht fürs Rentnerdasein gemacht"

Ihr seid die erfolgreichste deutsche Rockband. Füllt Stadien rund um den Globus. Wie habt ihr es geschafft, auf dem Boden zu bleiben?

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Klaus: Wir kommen aus Niedersachsen, da ist man sturmfest und erdverwachsen. Ich glaube, es hängt mit unserer Mentalität zusammen, dass wir nicht so schnell abheben. Es ist ja nicht so schlecht. in der Balance zu bleiben und nicht wie andere Bands, die schon beim kleinsten Erfolg denken: Uns gehört die Welt! Wir haben einen längeren Anlauf genommen und uns immer auf der Bühne behauptet, auch international. Das hat uns gut getan. Wir haben viele berühmte Musiker kennen gelernt. Die Guten sind meistens Leute wie Du und Ich. Das sind keine Spinner. Die Spinner triffst du meistens auf einem anderen Level.

Wisst ihr noch, was ihr von eurem ersten Geld, das ihr mit Scorpions eingenommen habt, gekauft habt?

Klaus: Einen neuen Band-Bus, wahrscheinlich.

Rudolf: Wir haben das sofort wieder in die Band investiert. Mir hätte es gar keinen Spaß gemacht, mir was zu kaufen, wo ich wusste, dass uns noch Sachen fehlen. Das Kaufen und Gönnen kam erst später, nachdem wir unsere Schulden bei der Plattenfirma abgezahlt hatten.

Klaus: Als Rockband musst du erst mal Geld mitbringen. Nur wenn man einen langen Atem hat, kommt man Schritt für Schritt irgendwann an.

Rudolf: Wir haben das ja nicht gemacht, weil wir superreich werden wollten. Wir haben es gemacht, weil es Spaß gemacht hat, weil wir Musik über alles lieben und diese Faktoren haben uns dabei geholfen. Erst später dachte man sich: Mensch, jetzt kann ich mir ein schönes Haus oder Auto leisten.

Oder zwei Hotelbetten …

Klaus: Ja, genau. Ne, da muss keiner Angst haben, dass wir heute immer noch in einem Doppelzimmer schlafen.

Ihr befindet euch ja schon seit geraumer Zeit auf großer Abschiedstour. Man könnte meinen ihr könnt euch nicht trennen …

Rudolf: Die Welt ist zu groß …

Klaus: Ja, wir sind unzertrennlich. Die Nachfrage ist einfach so groß und nichts ist süßer als Erfolg. Das ist unser Leben. Es macht keinen Sinn von heute auf morgen die Gitarre in die Ecke zu stellen. Wir sind Musiker. Fürs Rentnerleben taugen wir nicht. Aber es ist mit Sicherheit die richtige Entscheidung zu sagen: Okay, wir bewegen uns allmählich auf den „letzten Vorhang“ zu. Es heißt ja oft: Die Scorpions auf ewiger Abschiedstour. Die Leute können sich nicht vorstellen, wie es ist, wenn man so eine globale Bühne hat. Es dauert eben, überall zu spielen.

Rudolf: In den ersten drei Jahren haben viele Länder nicht in die Tournee-Route gepasst. Und bei über vier Millionen Facebook-Fans bekommt man einen riesen Input von wegen: Leute, könnt ihr nicht machen. Ihr wart noch nicht hier und noch nicht dort!

Wie steht ihr das denn körperlich durch?

Klaus: Rudolf und ich sind in diesem Jahr 65 geworden. Obwohl wir uns einreden, das heißt ja nichts. Ich freue mich immer, wenn Rudolf auf der Bühne an mir vorbeigerast kommt. Ich spare mir mittlerweile die großen Sprünge, auf die legendäre Pyramide verzichten wir auch schon seit langem. Aber für mich als Sänger ist es wichtiger, dass ich die Töne treffe, als dass ich noch drei Meter vom Drumriser springe. Die Energie bekommen wir von den jungen Fans, die einen Riesenalarm vor der Bühne machen. Es ist ein tolles Gefühl, dass unsere Musik auch ins Herz der jungen Rockgeneration trifft.

Rudolf: Das nennt man dann Facelifting – das Publikum wird jünger …

"Die Lederjacken sind unsere zweite Haut"

Immer noch auf Abschiedstour: Die Scorpions.
Die Scorpions haben immer noch eine Riesenfanbase - weltweit! "Wenn man auf die Bühne geht und in die ersten Reihen schaut, sieht man sehr viele vertraute Gesichter."

Was ist denn das verrückteste Gerücht, das ihr über euch gehört habt?

Rudolf: Dass wir, wenn wir von einer Tour nach Hause kommen, unsere Lederjacken abstreifen und in den Garten gehen, Rosen schneiden und Rasen mähen. So was habe ich noch nie gehört. Wir sind doch mit diesen Jacken aufgewachsen.

Klaus: Das ist unsere zweite Haut.

„Wind of Change“ – Fluch oder Segen?

Klaus: Es kann ja kein Fluch sein. Ich glaube, jeder Musiker möchte mit seiner Musik gehört werden. Und mal unabhängig von dem historischen Mantel, den man dem Song umgehängt hat, ist es einfach schön, wenn man Songs schreibt, die Menschen auf der ganzen Welt berühren. Natürlich hat so ein großer Hit auch Schattenseiten. Wenn er überpräsent ist und die Leute sagen: Oh, ich kann’s nicht mehr hören. So ein Titel löst eben starke Emotionen hervor - positive wie auch negative.

Rudolf: Zum Glück stehen wir auf drei Hauptsäulen: Die heißen Love, Peace und Rock ´n` Roll. Sprich "Still Loving You", "Wind of Change" und "Rock You Like A Hurricane". Wir hängen zum Glück nicht an einem Song fest. Was "Wind of Change" hier in Europa/Russland ist, ist "Rock You Like A Hurricane" beispielweise in Nord- und Südamerika. Insofern haben wir das ganz gut verteilt.

Klaus: Jede Band ist happy, wenn sie einen Nummer-1-Hit landet. Aber dass du einen Song hast, der zusätzlich einen zeitgeschichtlichen Bezug hat, der für viele Menschen bis in alle Ewigkeit mit so einem unglaublichen Ereignis wie dem Fall der Mauer verbunden ist, das ist größer als alles, was man sich vorstellen kann in dem Bereich. Das wird auf jeden Fall lange nachklingen. Und das ist wunderschön.

Rudolf: Also, Segen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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