Scorpions exklusiv: Rudolf Schenker und Klaus Meine im Interview

Rudolf Schenker und Klaus Meine im Interview
Am Veröffentlichungs-Tag ihres aktuellen "MTV Unplugged"-Albums waren Rudolf Schenker und Klaus Meine bei RTL in Köln zu Gast. Das Album wurde übrigens in 50 Ländern parallel veröffentlicht.

Wenn Klaus Meine und Rudolf Schenker einmal ins Erzählen kommen, dann hören sie so schnell nicht wieder auf. Kein Wunder, schließlich haben die beiden mit ihrer Rockband Scorpions selbst Musik-Geschichte geschrieben und eben auch jede Menge Storys auf Lager. Einige davon haben sie uns exklusiv im Interview verraten.

- Anzeige -

Von Anja Blanuscha

Scorpions rocken "MTV Unplugged" – Warum erst jetzt?

Rudolf Schenker: Wir hatten vorher einfach keine Zeit. Das klingt seltsam, aber es ist so. Als MTV Unplugged in den späten 80ern aufkam, wurden wir zwar gefragt, aber leider standen wir nie zur Verfügung. Wenn ein neues Album rauskam, war meist schon die ganze Welttournee gebucht. Insofern war es ein Wink des Schicksals, dass wir jetzt diese Möglichkeit bekommen haben. Zu einem Zeitpunkt, zu dem wir eigentlich dachten: 2013 können wir mal richtig schön entspannen! Ganz und gar nicht. Aber als das Angebot kam, haben wir nicht lang überlegen müssen.

Klaus Meine: MTV Unplugged - da kann man gar nicht Nein sagen. Dass das so spät in unserer Karriere noch auf den Tisch gekommen ist, ist fantastisch und ich denke, dass wir alle an diesem Projekt gewachsen sind. Da geht es ja nicht um die große Rock-Show und Pose, sondern es geht nur um die Musik. Der Schwerpunkt lag darauf, Songs zu spielen, die wir weitestgehend noch nie live performt haben – das war für uns auch spannend. Von unserer Seite hätten wir sogar gesagt: Lasst uns die ganz großen Hits außenvorlassen, und ein komplett neues Programm spielen. Natürlich hat sich unser Label durchgesetzt und gesagt: Freunde, ihr könnt doch nicht „Still Loving You“ oder „Wind of Change“ weglassen.

Unter anderem hattet ihr Morten Harket als Gaststar an eurer Seite. Wer hatte die Idee den a-ha-Mann ins Boot zu holen?

Klaus: Morten hat uns letztes Jahr in Ekaterinenburg in Russland gesehen. Er war zufällig in der Stadt und war auf unserem Konzert. Ihn haben offenbar die Emotionen der russischen Fans als wir "Wind of Change" gespielt haben, sehr berührt. Er war der Erste, der für dieses Projekt zugesagt hat, und meinte: Klaus, ich möchte "Wind of Change" mit dir singen. Das hat viel Spaß gemacht und er hat auch seine ganz eigene Stilistik miteingebracht. Man muss dazu sagen, dass wir bei den Gästen mehr an die Hard- und Heavy-Fraktion gedacht hatten, aber MTV Berlin uns dann Namen wie Cäthe oder Johannes Strate von Revolverheld vorgeschlagen, auf die wir vielleicht gar nicht so gekommen wären. Aber es war spannend, diesen jungen Künstlern mit diesem Projekt auch eine internationale Plattform zu geben.

Über 40 Jahre Scorpions. Da kennt ihr euch sicher in und auswendig. Geht ihr euch zwischendurch auf den Wecker?

Klaus: Absolut.

Rudolf: Wenn man überzeugt ist von einer Idee, je nach Blickwinkel sieht die natürlich unterschiedlich aus, muss man auch schon mal auf den Nerv gehen. Wenn es funktioniert, war es eine Idee, die gut für den nächsten Schritt war, den wir gemacht haben. Wenn man merkt, das ist ‘ne scheiß Idee, dann muss man auch sagen „Okay, vergiss es!“ So ist es immer bei uns gewesen. Man kann nicht durchs Leben gehen, indem man sich nur gegenseitig lobt, nach dem Motto: Du machst alles geil. Dann geht es nämlich geil nach unten. Spannung erzeugt Energie, und die muss man ins richtige Gleichgewicht bringen.

Klaus: Als Songwriter-Team muss man ehrlich miteinander umgehen. Dieser Prozess ist eine unglaublich intime Geschichte, man kehrt ja sein Innerstes nach außen. Wir haben viele Alben hier in der Nähe von Köln aufgenommen. Wir haben im Studio bis morgens produziert und sind dann im Gästehaus zusammen ins Doppel-Bett gefallen und haben uns nach dem Motto „Gute Nacht, John Boy“ noch in den Schlaf gequatscht und überlegt, was man an den Songs noch besser machen könnte. Diese Zeiten hat man nicht vergessen. Innerhalb einer Band müssen sehr viel Vertrauen und gegenseitiger Respekt da sein, nur so kann das über so viele Jahre funktionieren.

Welche Macken hat denn z.B. Rudolf?

Klaus: Rudolf ist Jungfrau im Sternzeichen, insofern ist er immer sehr genau und penibel. Aber ist das eine Macke? Das ist halt Teil seiner Persönlichkeit …

Rudolf: … und aus welcher Richtung man das sieht. Du brauchst Polaritäten, wenn die richtig ausbalanciert sind, dann ist die Geschichte gut. Du kannst eine Macke als Macke sehen, aber, dass die Macke nachher sogar einen positiven Anteil bringt, ist ein wichtiger Faktor.

"Bin wie ein toter Vogel ins Publikum gestürzt"

Rudolf Schenker und Klaus Meine besuchten RTL.
Respekt! Trotz des jahrzehntelangen, weltweiten Erfolgs sind Rudolf Schenker und Klaus Meine auf dem Teppich geblieben.

Gibt es eine Geschichte über die Scorpions, bei der selbst Die-Hard-Fans sagen: Das habe ich gar nicht gewusst!

Klaus: Es gibt viele Geschichten aus den frühen Jahren. Unter anderem von einem Gig in Bielefeld. Beim letzten Song bin ich von der Bühne gesprungen – und die Bühnendecke war leider ziemlich niedrig – und ich habe mir sozusagen einen Scheitel gezogen und bin wie ein toter Vogel ins Publikum gestürzt.

Rudolf: Beim letzten Akkord …

Klaus: Heute würde man das Stage Diving nennen. Ich bin mitten im Publikum gelandet. Die Band ist schon von der Bühne gegangen, die Fans standen um mich herum und waren begeistert. Was für ein geiler Showact! Aber ich lag dort mit einer klaffenden Kopfwunde.

Rudolf: Ich habe das zwar gesehen, aber hab gedacht: Mensch, warum steht der denn nicht auf? Macht der da auf Show oder was? Nach drei Minuten kam Klaus dann in die Garderobe und meinte: Seid ihr denn verrückt, mich da so liegen zu lassen?

Klaus: Als die sich ihr Bier reingezogen haben, war ich auf dem Weg ins Krankenhaus. Dort wurde ich mit mehreren Stichen genäht. Als ich mit einem riesigen Kopfverband zurückkam, haben die Kollegen gefragt: Was hast du denn gemacht? Die hatten das gar nicht mitbekommen. Unser damaliger Schlagzeuger hat mich dann nach Hause gefahren. Aber er hatte schon das ein oder andere Bier zu viel und fuhr Schlangenlinien. Da habe ich gesagt: Fahr rechts ran. Jetzt fahre ich! Da durfte ich mit fettem Kopfverband noch bis Hannover fahren.

Rudolf: Heutzutage hätte man das gleich getwittert ...

Klaus: Damals hat es länger gedauert, bis es sich zu den Kollegen rumgesprochen hatte, dass der Sänger auf den Weg ins Krankenhaus ist. Naja, war der letzte Song, die Show war gerettet. Früher war ich noch sportlicher unterwegs und beim nächsten Gig …

Rudolf: Ne, das war nicht beim nächsten Gig. Wir mussten ja zwei ohne Klaus spielen.

Klaus: Ach ja? Wer hat denn da gesungen?

Rudolf: Ja, ich. Einfach so. Wir mussten zwei Shows in Hamburg ohne Klaus spielen. Und jetzt kommt’s: Der Roadie hatte beim Beladen unseres Mercedes leider vergessen, die Handbremse anzuziehen. Der Bus rollte – zack – den Berg runter in einen Baum rein.

Klaus: Das habe ich zum Glück verpasst. Aber beim nächsten Gig, bei dem ich wieder dabei war, kam ich bei der Zugabe - zu einem Trommelwirbel - mit einem Radschlag raus. Aber die Bühnen waren damals viel kleiner und ich bin mit einem Bein auf und mit dem anderen neben die Bühne und kopfüber direkt wieder in den Graben geflogen. Die Band dachte nur: Oh Gott, nicht schon wieder! Ich hatte ja keine Sneakers an, sondern Plateau Stiefel mit hohem Absatz. Wie gesagt, es waren sportliche Zeiten!

— ANZEIGE —