Schnoddrig bis elegant: Angelica Domröse wird 75

Angelica Domröse
Angelica Domröse feiert ihren 75. Geburtstag. Foto: Stephanie Pilick © DPA

Für viele ist sie einfach nur "die Paula". Als leidenschaftlich Liebende im DEFA-Kultfilm "Die Legende von Paul und Paula" wurde Angelica Domröse weit über die Grenzen der DDR bekannt.

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Im Lieblingsfilm von Kanzlerin Angela Merkel spielte sich Domröse an der Seite von Winfried Glatzeder in die Herzen der Zuschauer. Am Montag (4. April) feiert die gebürtige Berlinerin ihren 75. Geburtstag.

Nur knapp zwei Wochen später wird Domröses Ehemann, der Schauspieler Hilmar Thate, 85 Jahre alt. Seit 40 Jahren sind die beiden verheiratet. Zuletzt ist es um das in Berlin und auf dem Land in Brandenburg lebende "glamouröseste DDR-Filmpaar" still geworden, eine Interview-Anfrage der Deutschen Presse-Agentur blieb unbeantwortet.

Heiner Carows Drama "Die Legende von Paul und Paula" über die Liebe zwischen dem aufstrebenden Außenhandelsreferenten Paul und der alleinerziehenden Mutter Paula machte Domröse 1972 auf einen Schlag berühmt. Die Liebesgeschichte vor realsozialistischem Hintergrund war in Ost und West gleichermaßen ein Erfolg.

Die schnoddrige Direktheit und Ehrlichkeit, mit der Domröse die hübsche Kassiererin Paula spielte, berührt die Zuschauer bis heute. "Es muss doch noch was anderes geben - als schlafen, arbeiten und wieder schlafen und arbeiten", fragt sich die lebenshungrige Paula.

Domröse, eine "echte Berliner Pflanze", wie sie sich selbst nennt, stand mit 17 Jahren in der Liebeskomödie "Verwirrung der Liebe" erstmals vor der Kamera. Unter 1500 Bewerberinnen gefiel sie Regisseur Slatan Dudow am besten. Nach dem Abschluss der Babelsberger Filmhochschule ging sie ans Berliner Ensemble, wo ihr "jeden Abend gezeigt wurde, was ich nicht kann". Später wechselte sie an die Volksbühne, um mit Benno Besson, Matthias Langhoff und Manfred Karge zu arbeiten. Eleganz und gleichzeitig eine zupackende Energie strahlt "die Domröse" aus.

Mehr als 50 Kino- und Fernsehfilme drehte Domröse allein bis zu ihrer Ausreise aus der DDR im Jahr 1980. Äußerlich zart, doch stark und kraftvoll auftretend war sie Theodor Fontanes "Effi Briest" in der DEFA-Verfilmung von Wolfgang Luderer. In der Serie "Krupp und Krause" gab sie die Proletarierin, in dem TV-Mehrteiler "Wege übers Land" eine arrogante Gräfin. Es falle ihr immer sehr schwer, sich selbst auf der Leinwand oder im Fernsehen zu sehen, sagte die sehr selbstkritische Schauspielerin einmal.

Als prominente DDR-Künstler setzten sich Domröse und Thate wie viele andere Schauspieler und Schriftsteller für Liedermacher Wolf Biermann ein, der 1976 aus der DDR ausgebürgert wurde. Wegen seiner Proteste wurde das Paar vom SED-Regime beruflich kaltgestellt. Nach der Übersiedlung nach West-Berlin fanden die Schauspieler am Schillertheater eine neue Heimat.

Domröse trat dort in Hauptmanns "Ratten" und in Goethes "Faust" auf, am Schlossparktheater spielte sie in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?". An der Komödie am Kurfürstendamm feierte Domröse mit Thate einen Triumph als gealterte Diva Maria Callas in "Josef und Maria" nach Peter Turrini.

1985 drehte sie mit Michael Haneke "Fraulein. Ein deutsches Melodram". In den 90er Jahren nahm Domröse weitere Fernsehrollen an, unter anderem spielte sie die Hauptkommissarin Vera Bilewski in der Krimireihe "Polizeiruf 110". Ab 2005 sah man Domröse am Potsdamer Hans-Otto-Theater. In der Spielzeit 2007/2008 gab es dort für das DEFA-Traumpaar Domröse/Glatzeder eine Bühnen-Auferstehung in einer Komödie von Eduardo De Filippo über ein altes Ehepaar. Auf der Kinoleinwand war Domröse zuletzt in der Komödie "Bis zum Horizont, dann links!" (2012) zu sehen - als elegante Dame, die an der Seite von Otto Sander aus dem Altenheim ausbüxt.


dpa
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