Schmerz und Hoffnung: Soul-Veteran Charles Bradley

Charles Bradley
Der Erfolg kam spät: Charles Bradley. Foto: Mark Shaw © DPA

Von all den in Würde gereiften Soul-Veteranen der vergangenen Jahre ist er der erfolgreichste: Charles Bradley spielt auch in Deutschland stets vor ausverkauften Häusern, seine Live-Auftritte und Platten sind wahrhaft authentischer Stoff.

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So auch "Changes" (Daptone), sein drittes Alterswerk nach dem grandiosen Spätstarter-Debüt "No Time for Dreaming" (2011) und dem kaum weniger eindrucksvollen Nachfolger "Victim of Love" (2013). Die Platte fügt dem Retro-Phänomen Charles Bradley zwar nichts wirklich Neues hinzu - was auch gar nicht beabsichtigt ist von einem Künstler, der so klar die glorreiche Vergangenheit des Soul wieder auf- und die alten Helden hochleben lassen möchte.

Die elf aktuellen Songs wissen aber wieder mit tollen Reibeisen-Vocals des Ausnahmesängers, amtlich fetten Sixties-Arrangements mit Gebläse und Chorgesang sowie einigen feinen Songs zu überzeugen. Bradleys Vorbilder - das sind bekanntlich Legenden wie James Brown, Otis Redding oder der erst kürzlich gestorbene Bobby Womack. Also weniger die smoothen, eleganten Sänger der Motown-Ära, sondern die raue Variante der Soul-Shouter.

Bradley war, wie es in seiner Künstlerbiografie heißt, "nach harten Jahren auf der Straße und Gelegenheitsjobs" von Daptone-Labelchef Gabriel Roth entdeckt worden. Diverse Schicksalsschläge eines 67-jährigen Lebens verarbeitet der Mann aus Brooklyn seitdem in seinen von Schmerz und Trotz, aber auch Dankbarkeit und Hoffnung durchtränkten Liedern.

Mit dem Intro "God Bless America" geht es zwar reichlich pathetisch-patriotisch los - auch darin erinnert Bradley an James Brown, und zwar an dessen eher platten Funk-Hit "Living In America" aus den 80ern. Doch danach wird es besser, wobei der Titelsong interessanterweise eine Coverversion ist - von den Hardrockern Black Sabbath. In Bradleys Fassung wird daraus reiner Soul. Zur Hochform läuft der Sänger später mehrfach in seinen Balladen auf, etwa in den glühenden Liebesliedern "Crazy For Love" oder "Slow Love". Eine ehrfurchtgebietende Performance.

Tourdaten April: 8.4. Köln, Live Music Hall, 9.4. Berlin, Astra, 12.4. Hamburg, Grünspan


dpa
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