Schlagzeuger, Jedi-Ritter und ein wütender Max: Die besten Filme 2015

Schlagzeuger, Jedi-Ritter und ein wütender Max: Die besten Filme 2015
Speziell Daisy Ridley als Rey konnte in "Star Wars: Das Erwachen der Macht" überzeugen © Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved

Ein ereignisreiches Kino-Jahr geht zu Ende. Und unabhängig davon, ob man mehr auf Action, auf Gefühl oder auf Spannung steht: Die vergangenen zwölf Monate brachten in allen Genres Filme hervor, die Kult-Potenzial besitzen. Welche Streifen in den jeweiligen Filmgattungen besonders für Aufsehen sorgten und welche mitunter gleichwertigen Alternativen es gab, lesen Sie hier.

- Anzeige -

Star Wars, Mad Max, Frank ...

 

Der beste Action-Film: "Mad Max: Fury Road"

 

Die Handlung und Anziehungskraft von "Mad Max: Fury Road" sind am einfachsten erklärt, indem man beide Arme in die Luft reißt und Explosions-Geräusche von sich gibt. Selbst die opulentesten Action-Streifen lassen den Zuschauern in aller Regel zumindest zu Beginn kurz Luft zum Durchatmen. Nicht so "Mad Max: Fury Road": Schnell das Auto geschrottet, in Gefangenschaft geraten und einen schicken Haarschnitt bekommen - und schon geht es für Protagonist Max (Tom Hardy) in das gefühlt zweistündige Finale des Films. Und wer sich darauf einließ, wurde selten besser unterhalten und mit einem infantilen Grinsen auf den Lippen aus dem Kino entlassen - und mit dem Wissen, dem Gehirn mal den wohlverdienten Urlaub gegeben zu haben.

Alternative: "Spectre"

Die Psychologisierung und Entmystifizierung des Agenten mit der Lizenz zum Töten erreicht im nunmehr 24. Film ihren vorläufigen Höhepunkt. Mehr noch als bei allen bisherigen Craig-Filmen dreht sich in "Spectre" wirklich die ganze Welt um Bond. Bezeichnenderweise ist der hier gar nicht als Doppelnull-Agent im Einsatz, sondern auf seiner ganz privaten Mission. Sogar seinen Aston Martin muss er sich klauen. Dass diese auf die Spitze getriebene Neuausrichtung von Bond Fans der Reihe nicht vergrault, liegt an den zahlreichen Verweisen auf die älteren Filme. Alles in allem konnte "Spectre" seinen direkten Vorgänger "Skyfall" vielleicht nicht überbieten, doch er war 2015 nichtsdestotrotz einer der besten Action-Streifen.

 

Der beste Fantasy-Film: "Star Wars: Das Erwachen der Macht"

 

Was haben die Teaser von Hype-Profi J.J. Abrams die Lust auf "Star Wars: Das Erwachen der Macht" geschürt. Schmerzlich vermisste Recken aus der Original-Trilogie, dazu eine frische Heldentruppe und ein komplexer Bösewicht - all das versprachen die Trailer. Und der neue Teil des Weltraum-Märchens wurde den beinahe lächerlich hohen Erwartungen der Fans größtenteils gerecht. Der Druck auf Abrams war gewaltig, und auch wenn er es stellenweise mit den Story-Ähnlichkeiten speziell auf "Eine neue Hoffnung" übertrieb, lieferte er einen Streifen ab, der sich endlich wieder wie ein "Star Wars"-Film anfühlt. Statt ellenlang über intergalaktische Handelsabkommen zu grübeln, konnte man bei "Das Erwachen der Macht" attestieren: "Chewie, wir sind zuhause!"

Alternative: "Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 2"

"Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 1" erwies sich 2014 noch als ähnlich spannend wie ein überlanger Werbeblock. Etwas Gutes hatte er aber: Die gefühlt zweistündige Exposition darin sorgte dafür, dass sich "Mockingjay Teil 2" voll und ganz auf das große Finale konzentrieren konnte, welches die Buch-Adaption auch verdiente.

 

Der beste Sci-Fi-Film: "Der Marsianer"

 

Den Überraschungsroman der letzten Jahre als Vorlage, dazu Ridley Scott auf dem Regie-Stuhl und Everybody's Darling Matt Damon in seiner neuen Parade-Disziplin als gestrandeter Astronaut: Mit "Der Marsianer" war alles für den Herbst-Blockbuster 2015 angerichtet. Die Verfilmung ist abwechslungsreich, unterhaltsam, spannend und ergreifend. Ob Damons quasi One-Man-Show oscarreif ist, muss die Academy demnächst entscheiden, gelungen ist sie allemal. Wer bei seinem zweieinhalbstündigen Kampf ums Überleben nicht sämtliche Gefühlslagen durchläuft und mit dem Todgeweihten hofft und bangt, jubelt und trauert, für den scheint es keinen Film mehr auf Erden zu geben. Vielleicht sollte er es auf dem Mars probieren.

Alternative: "Ex Machina"

Wer auf "fantastischere" Science-Fiction steht, hatte im Kino dank "Ex Machina" Grund zur Freude. Der Streifen von Alex Garland liefert trotz überschaubarem Budget ebenso eindringliche wie wunderschöne Schauwerte, das liegt nicht zuletzt am neuen Shooting-Star Alicia Vikander. In dem Independent-Kammerspiel mimt sie eine Roboter-Frau, die von Domhnall Gleesons Charakter dem Turing-Test unterzogen wird. Ist sie noch eine Maschine, oder bereits eine eigene Persönlichkeit? Neben dieser stets spannenden Existenz-Frage ist es vor allem Oscar Isaac, der in "Ex Machina" mit seiner immensen Wandelbarkeit begeistert und den Film besonders macht.

 

Die beste Komödie: "Er ist wieder da"

 

Darf man über Hitler lachen? Nun, ob man es nun darf oder nicht - bei der Roman-Verfilmung "Er ist wieder da" tut man es, und zwar oft und lauthals. "Es gibt diesen schönen Spruch", so Produzent Christoph Müller, "wenn man Hitler überwinden will, muss man sich trauen, über ihn zu lachen. Bislang kamen die witzigen, anarchischen und polarisierenden Satiren über Hitler nur aus dem Ausland. Aber unsere Generation ist nun soweit, Europa und der Welt zu zeigen, dass derartige Filme auch in Deutschland entstehen können." Das Besondere an dem Film ist, dass er die Geschichte über den in der Gegenwart erwachten Hitler mit dokumentarischen Einlagen würzt - und diese sind mitunter derart skurril, dass man nicht anders kann, als zu lachen.

Alternative: "Men & Chicken"

Dass Regisseur Thomas Jensen kein Mann für geradlinige Typen ist, bewies er schon in seinen bisherigen Werken wie der Kannibalen-Komödie "Dänische Delikatessen" oder seinem Meisterstück "Adams Äpfel". Die fünf Brüder in "Men & Chicken" kommen besonders rüde daher, allen voran "Hannibal"-Mime Mads Mikkelsen. Wo Jensens bisherigen Filme stets mit der Groteske flirteten, suhlt sich "Men & Chicken" genüsslich darin. Dass der Film dennoch nicht nur ein Spartenpublikum anspricht, hat er seinem leichtfüßigen, mitunter Slapstick-artigen Humor zu verdanken - und dem fantastischen Ensemble.

 

Das beste Drama: "Birdman"

 

Technisch beeindruckend, schauspielerisch überragend und gleichzeitig herrlich bissig und selbstreflexiv. In anderen Worten: vier Oscar-Auszeichnungen, die allesamt verdient sind, darunter "Bester Film". Alejandro González Iñárritus Film "Birdman" mit Michael Keaton in der Hauptrolle traute sich 2015 endlich wieder etwas Neues auf die Leinwand zu bringen und dieser Mut wurde belohnt. Wer keine stundenlangen Action-Sequenzen braucht, um sich bei einem Film unterhalten zu fühlen und stattdessen einen gleichwohl bezaubernden wie selbstreferentiellen Streifen sehen will, sollte dies - falls noch nicht geschehen - mit "Birdman" unbedingt nachholen.

Alternative: "The Imitation Game"

Stolze acht Oscar-Nominierungen sprachen zu Beginn 2015 eine deutliche Sprache. Und das Drama "The Imitation Game" mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle als ebenso genialer wie sozial schwieriger Alan Turing hatte auch jede dieser Nominierungen verdient. Im Laufe der Erzählung zeigt Cumberbatch immer mehr Facetten des tragischen Helden Turing auf und darf dabei seine ganze Bandbreite an schauspielerischem Talent unter Beweis stellen. Zudem ist Regisseur Morten Tyldum etwas Außergewöhnliches gelungen: Er hat ein Kriegs-Drama gedreht, das fernab der Front spielt und dennoch die Schrecken des Zweiten Weltkriegs einfängt.

 

Der beste Animations-Film: "Alles steht Kopf"

 

Dieser nervige Werbe-Jingle will einfach nicht aus dem Kopf, Broccoli führt zu Schüttelfrost und von den vier Jahren Klavierunterricht ist nur noch "Der Flohwalzer" übrig geblieben? Im neuen Pixar-Film "Alles steht Kopf" erfährt der Zuschauer anhand der Gefühlswelt des jungen Mädchens Riley auf ungemein charmante Weise, wie es zu diesen Phänomenen kommen kann. Mehr noch als die Kinder kommen während der rund 95 Minuten so die Eltern auf ihre Kosten. Beeindruckend auch, dass der Film im Grunde ohne Antagonisten auskommt. Es wäre so einfach gewesen, aus Rileys personifizierten Gefühlen "Wut" oder "Kummer" die Bösewichte zu machen, gegen die "Freude" ankämpfen muss. Stattdessen wartet mit "Kummer" sogar der heimliche Held des Films auf.

Alternative: "Baymax"

In den knuddeligen weißen Aufblas-Roboter "Baymax" muss man sich einfach verlieben. Die rührende Freundschaft zwischen der Hauptfigur Hiro und seinem tollpatschigen Roboters war es auch, die Kinogänger zu verzaubern wusste. Kein Wunder also, dass "Baymax" den Oscar als bester Animationsfilm abstauben konnte. Eine Auszeichnung, die im kommenden Jahr wohl "Alles steht Kopf" einheimsen wird.

 

Der beste Horror-Film: "It Follows"

 

Mit einfachsten Mitteln schafft es der Horror-Streifen "It Follows", die Zuschauer gehörig zu verängstigen und nebenbei über freiwilliges Zölibat nachdenken zu lassen. Denn darin werden Teenager von einem durch Sex übertragbaren Dämon heimgesucht, der die umtriebige Jugend einen nach dem anderen und äußerst bestialisch abmurkst. Der Witz dabei ist, dass das Monstrum die Gestalt von normalen Menschen annimmt und ruhigen, aber steten Schrittes auf seine Opfer zugeht. Durch den psychologischen Horror, der dadurch entsteht, ertappt man sich auch Wochen später noch dabei, jede Person auf der Straße argwöhnisch zu beäugen - vor allem, wenn sie auf einen zuzugehen scheinen.

Alternative: "Horns"

Vom "Harry Potter"-Knäblein zum Fürsten der Finsternis. So düster die letzten Teile der Zauberer-Reihe auch waren, der schauspielerische Paradigmenwechsel von Daniel Radcliffe ist angesichts des Horror-Dramas "Horns" nur allzu deutlich. Die Verwandlung vom einstigen Kinderstar-Engelchen hin zum gehörten Monstrum - einen ähnlichen Lebenslauf hat auch Luzifer höchstpersönlich vorzuweisen. Mit einem feinen Unterschied: Selbst als abscheulicher Dämon schafft es Radcliffe irgendwie, in "Horns" der Gute zu bleiben. Die Suche nach dem Mörder seiner Freundin wird so zu einer spannenden Mischung aus Horror, Drama, Fantasy und Romantik mit einer Prise Humor.

 

Der beste Thriller: "Sicario"

 

Filmemacher Denis Villeneuve weiß, wie er dem Kinogänger einige Euro und Zeit erspart. Für eine Tüte Popcorn muss man sich bei seinen düsteren Filmen in aller Regel nämlich nicht anstellen - es würde einem ohnehin im Halse stecken bleiben. So war es schon beim Psycho-Thriller "Prisoners", und auch der topbesetzte Drogen-Thriller "Sicario" stellt keine Ausnahme dar. Gut gelaunt ist man nach dem Film über das knallharte Drogengeschäft an der Grenze zwischen Mexiko und den USA sicherlich nicht. Nachdenklich wohl eher, gepaart mit einem Gefühl der Leere - darauf muss man schon Lust haben. Wen diese Prämisse abschreckte, verpasste 2015 aber ungemein gute und intensive Darbietungen von Emily Blunt und Benicio del Toro.

Alternative: "Mission: Impossible - Rogue Nation"

Auch in seiner gefühlt hundertsten unmöglichen Leinwand-Mission als Ethan Hunt weiß der ewig junge Tom Cruise zu überzeugen. Das gute Skript von "Mission: Impossible - Rogue Nation" schickt seinen Helden von Land zu Land und von einer spannenden Szene zur nächsten. Gleichzeitig schraubt "Rogue Nation" den Einsatz vieler übertriebener Gadgets aus den Vorgängern deutlich herunter, was ihn wohl zum realistischsten Teil der Reihe macht. Aber keine Sorge: waghalsige Stunts gibt es natürlich trotzdem zur Genüge.

 

Der beste Musik-Film: "Whiplash"

 

Ein Film ausschließlich über die Kunst des Schlagzeugspiels. Doch nicht in einer Rockband, nein, ausgerechnet das Jazz-Schlagzeug steht bei "Whiplash" im Mittelpunkt. Muss das nicht der langweiligste Film der Welt für alle Nicht-Jazz-Drummer sein? Mitnichten, denn Damien Chazelles Film ergründet dank der beiden glänzenden Hauptdarsteller Miles Teller und J.K. Simmons die Tiefen der Musik-Passion, der Obsession, und des Wahnsinns. Nebenbei erschafft er mit "Whiplash" quasi eine neue Filmgattung - die Mischung aus Thriller, Musikfilm und Psycho-Spiel.

Alternative: "Frank"

Michael Fassbender war schon Sklavenhalter, Sex-Süchtiger, Super-Mutant und Androide. Doch so speziell und ungewöhnlich viele seiner Rollen auch gewesen sind, als Musiker "Frank" toppt er sie alle. Die Mischung aus Musikfilm und Groteske ist definitiv nicht jedermanns Sache, nur wer es eher ruhig und schräg mag, wird bei "Frank" auf seine Kosten kommen - dann aber richtig. Trotz seiner überzeichneten Charaktere schafft es "Frank", den schöpferischen Zwist in der Musik-Szene glaubhaft darzustellen. Jeder der Bandmitglieder steht für eine andere Facette des Business: Der Drang nach künstlerischer Freiheit fernab großer Plattenlabels, der Wunsch nach kommerziellen Erfolg, oder die Arroganz, sich selbst als den einzig waren Musiker anzusehen.

spot on news

— ANZEIGE —