Schämen im Viervierteltakt: Die "Stadlshow" wird zum Desaster

Schämen im Viervierteltakt: Die "Stadlshow" wird zum Desaster
Francine Jordi (38) und Alexander Mazza (42), die Moderatoren der "Stadlshow" © ddp images

Was haben die Moderatoren Alexander Mazza (42) und Francine Jordi (38) vor der ersten Sendung der "Stadlshow" um die Wette gestrahlt. Wie die ultimative Generalprobe für "Auf heile Welt machen" muteten ihre Gastauftritte in TV-Shows an, in denen sie die jugendverträgliche Neuerfindung einer urkonservativen Show-Instanz wie dem "Musikantenstadl" anpriesen. Die Frischzellenkur à la Helene Fischer (31, "Farbenspiel") hat doch immerhin bewiesen, dass neben Alt und Sehr-Alt auch Jung etwas für Schlager übrig haben kann. Warum sollte ein ähnliches Kunststück also nicht auch in der Volksmusik-Szene möglich sein? Nur ist Deutschlands Lieblings-Helene nun mal eine Klasse für sich und ihr immenser Erfolg nicht einfach auf dem Reißbrett nachzukonstruieren. Versucht hat man es im Ersten aber trotzdem.

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Sendung auf Identitätssuche

 

Für wen ist das eigentlich?

 

Das ist die erste Frage, die sich Neugierige und Bummsfallera-Fans stellten, als sie Mazza und Jordi von der Show-Treppe schunkeln sahen. Als habe man die potenzielle Zuschauerschaft genau sondiert und sich dann für die geringstmögliche Schnittmenge entschieden, so mutete die fast 160-minütige Sendung an. Denn die Mischung aus frischem Wind und Tradition hatte zumindest in der ersten Episode den exakt gegenteiligen Effekt: Genug lautes "Dorfdisse"-Feeling, dass auch der letzte alteingesessene Fan ins Bett ging und von Kark Moik träumte, aber ausreichend "Heile Welt"-Kitsch, dass die Jugend ebenfalls keinen Bock auf die Sendung hatte. Die Folge: Mit 2,5 Millionen Zuschauern eine katastrophale Quote und beinahe zwei Millionen weniger, als bei Andy Borgs (54) letztem "Musikantenstadl".

 

Zu gewollt

 

Gute Laune mit der Brechstange, das war die erste Folge der "Stadlshow". Moderatorin Jordi hätte wohl auch eine Live-Zahnwurzelbehandlung euphorisch angekündigt, so ungemein motiviert war sie bei der Premiere, alles fantastisch zu finden. Das irgendwie alles etwas zu gewollt war, schlug sich auch im Bühnenbild nieder. Das "neue Zuhause", wie die beiden Moderatoren die drapierte Mehrzweckhalle in Offenbach stolz nannten, wirkte trotz bunter Möbel aus dem "Ikeastadl" in etwa so steril wie ein Arztbesteck.

 

Moderator ohne Bezug

 

Anders als Mazza hat die Schweizerin Jordi aber zumindest etwas mit der Volksmusik- und Schlager-Szene zu tun, trotz ihrer erst 38 Jahre sogar schon verdammt lange. 1998 kam ihr erstes Album "Das Feuer der Sehnsucht" heraus. Ihr deutscher Kollege hingegen moderierte zwar schon Sendungen wie "Herzblatt" oder "Brisant", den Mister-Volksmusik kauft man ihm aber schlichtweg nicht ab. Und warum sollte man das auch? Es gibt einen Grund, warum es "Germany's next Topmodel by Heidi Klum" und nicht "by Reiner Calmund" heißt - und der schimpft sich Authentizität.

 

Der arme Tontechniker

 

Bei der "Stadlshow" traf am Wochenende ein zugegeben ambitioniertes Projekt auf die knallharte Realität. Nach jahrzehntelanger Vollplayback-Konditionierung fiel es den Volksmusikern nämlich sichtlich schwer, beim Lippenbewegen auch Töne zu produzieren. Einzig in ganz schweren Fällen gab es dann doch das rettende Playback. Als Jürgen Drews (70) etwa dem Publikum eher unmotiviert weißmachen wollte, dass er gerade wirklich an seinem Banjo zupft. Ein Mitarbeiter tat einem dabei ehrlich Leid: Dem Tontechniker konnte das alles wahrlich keine Freude bereitet haben. Mit gewalt- und vor allem tonlosen Protest schien er daher immer wieder aufzubegehren.

 

Après-Ski fürs Wohnzimmer

 

Generell wirkte die "Stadlshow" wie eine von Gebührengeldern finanzierte Aprés-Ski-Sause. Sind die auf der Berghütte und mit einem halben Duzend Jagertee in der Birne durchaus launig, will man sich im heimischen Wohnzimmer eher ungern die Musik schön trinken. Auf einen anderen Kanal schalten ist immerhin nicht nur einfach, Katerstimmung am nächsten Tag vermeidet man so auch noch.

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