Satoru Iwata: "In meinem Herzen bin ich ein Gamer"

Satoru Iwata: "In meinem Herzen bin ich ein Gamer"
Satoru Iwata auf einer Pressekonferenz im April 2009 © ddp images

Spätestens seit dem Mitte der 1980er Jahre erschienenen Jump 'n Run "Super Mario Bros." ist Nintendo aus keinem Kinderzimmer mehr wegzudenken. Selbst Menschen, die mit Videospielen nicht sonderlich viel anfangen können, kennen Mario, seinen Bruder Luigi oder eine beliebige andere Figur von Dutzenden, die heute quasi als Repräsentanten für das Unternehmen stehen. Seit Mai 2002 leitete Satoru Iwata als Präsident die Geschicke des japanischen Konzerns und prägte somit einen Teil der Kindheit oder Jugend vieler heutiger Fans.

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Abschied von Nintendo-Chef

Er war Geschäftsmann, Programmierer und Spieler

Dabei war Iwata kein typischer Businessman. "Auf meiner Visitenkarte bin ich ein Firmenpräsident. In meinem Kopf bin ich ein Spieleentwickler. Aber in meinem Herzen bin ich ein Gamer", erklärte er auf der Game Developers Conference 2005. Er war erst der vierte Präsident in der langen Firmengeschichte von Nintendo. Das Unternehmen wurde ursprünglich schon 1889 als Hersteller für Spielkarten gegründet.


Schon alleine dieses Zitat zeigt, dass der in Sapporo geborene Iwata nicht auch der geborene Geschäftsmann war. Seine ersten beruflichen Schritte tätigte er bei HAL Laboratory, einem Partnerstudio von Nintendo, wo er Spiele programmierte. Er arbeitete über die kommenden Jahre hinweg unter anderem an dem besonders in den USA beliebten Rollenspiel-Klassiker "Earthbound" und Teilen der "Kirby"- und "Pokémon"-Serien mit. 2000 wechselte er direkt zu Nintendo, wo er schon knapp zwei Jahre später zum Präsidenten aufsteigen sollte. Eine Rolle, in der er sich besser machte, als es so manch gelernter Geschäftsmann je gekonnt hätte.


Ein Mann mit Ideen

Nintendo tat sich schwer auf dem Spielemarkt als Iwata das Amt übernahm. Besonders Sony war in den vergangenen Jahren zu einem großen Konkurrenten geworden - mit der Playstation und dann der Playstation 2, gegen die der Nintendo Gamecube kein Land sah. Doch folgende Projekte sollten zeigen, dass Iwata ein Mann mit Ideen war.


Mit der Einführung des unglaublich beliebten Handheld-Systems Nintendo DS (über 153 Millionen verkaufte Exemplare) und der knapp zwei Jahre später erschienenen WII (über 101 Millionen verkaufte Einheiten) drehte sich das zuvor düster scheinende Schicksal für den Konzern. Mit Stylus, Bewegungssteuerung und ungewöhnlichen Spielideen - z.B. "Dr. Kawashimas Gehirn Jogging" - brachte er Nintendo zurück auf die Videospiel-Landkarte.


Zwar blieben die Erfolge der später erschienenen WII U und des 3DS lange hinter den Erwartungen zurück, doch im zuletzt abgelaufenen Geschäftsjahr konnte Nintendo in die Gewinnzone zurückkehren. Sein Verhalten in den schwereren Zeiten zeigt ebenfalls, aus welchem Holz Iwata geschnitzt war.


2011, nach den Anfangsschwierigkeiten mit dem 3DS, und 2014, nach weiteren finanziellen Problemen, reduzierte er als Buße für mehrere Monate sein eigenes Gehalt um 50 Prozent. Ein Schritt, den sich zumindest westliche Unternehmenspräsidenten sicherlich nur schwer vorstellen könnten. Gleichzeitig lehnte er es 2013 ab, Angestellte wegen der aktuellen finanziellen Lage des Konzerns auszustellen. Auf Nachfrage von Investoren erklärte Iwata, dass er nicht gewillt sei, für bessere kurzzeitige Finanzresultate die Moral der Arbeiter aufs Spiel zu setzen. Er bezweifelte, dass Menschen die um ihren Job fürchteten, ein eindrucksvolles Produkt herstellen könnten.


Die Branche nimmt Abschied

Solche Sichtweisen und sein generelles Auftreten waren es, die Iwata zu einem der beliebtesten Akteure in der weltweiten Videospielbranche machten. "Nintendo bedauert es zutiefst, mitteilen zu müssen, dass Präsident Satoru Iwata am 11. Juli 2015 aufgrund eines Tumors im Gallengang verstorben ist", musste das Unternehmen nun erklären. Und genau diese - bei vielen mit Sicherheit ehrliche - Trauer teilen auch zahlreiche andere Hersteller, Studios und Entwickler, die auf Twitter und Co. Abschied nahmen.


Mit einem "Danke für alles, Herr Iwata", verabschiedete sich die Playstation-Abteilung von Sony, während Phil Spencer von Microsoft schrieb: "Ein trauriger Tag für die Familie von Herren Iwata, seine Freunde und Gamer auf der ganzen Welt. Seine Leidenschaft, Kreativität und Führung haben unsere Industrie besser gemacht".


"Wir haben eine große Stimme und eine leidenschaftlich lenkende Kraft für die heutige Games-Industrie verloren. Herr Iwata, Ihre Arbeit wird weiter leben. Danke", hieß es von 2K. Zelda Williams, die Tochter des verstorbenen Robin Williams, die nach der Prinzessin aus der "The Legend of Zelda"-Videospielserie benannt wurde, meldete sich auch per Twitter zu Wort: "Es tut mir so leid, von Herren Iwatas Ableben zu hören. Er hatte unglaublichen Geist und Talent. Er war ein leidenschaftlicher und kreativer Einfluss. Möge er in Frieden ruhen."


Auch Fans meldeten sich zu Tausenden. So waren unter anderem viele bewegende Bilder auf Twitter und Co. zu finden, in denen sich Künstler auf ihre Weise von Satoru Iwata verabschiedeten. Da weht die Fahne am Ende von "Level 1-1" aus "Super Mario Bros." auf Halbmast, Mario senkt bedrückt den Kopf und nimmt seinen Hut ab und ein Comic-Iwata wird von zahlreichen weiteren Nintendo-Figuren innig umarmt. Es ist ein einfallsreicher und ehrlicher Abschied, wie er dem Mann aus Sapporo mit Sicherheit gefallen hätte.



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