Samuel Koch: So erobert er die Bühne

Samuel Koch: So erobert er die Bühne
Spielt nicht die "naheliegenden Opferrollen": Samuel Koch © ddp images

Seine Geschichte kennt wohl ganz Deutschland: Seit seinem Unfall während einer "Wetten, dass..?"-Sendung sitzt Samuel Koch (27) im Rollstuhl. Von seinem Wunsch, Schauspieler zu werden, ist er dennoch nicht abgerückt. Er beendete seine Schauspielausbildung und ist ab jetzt festes Ensemble-Mitglied am Staatstheater Darmstadt.

- Anzeige -

Im Rollstuhl zur Karriere

Selbstverständlich war die Entscheidung, seine Ausbildung an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover fortzusetzen, dabei allerdings nicht, wie Koch in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" erzählt. "Die Körperlichkeit war für mich ein großer Reiz an dem Job", sagt Koch. Nachdem diese plötzlich stark eingeschränkt war, sei er selbst sein größter Zweifler gewesen. Doch er sei "dankbar, dass die in Hannover es mit mir versucht haben und es geklappt hat".

Dass er auch auf seiner Bühne stets an den Rollstuhl gebunden sein soll, ist keine Option für Koch. "Auch, weil wir hier am Staatstheater Darmstadt entschieden haben, dass ich, genauso wie die anderen Schauspieler, mal den Hamlet spiele, mal Peter oder Erwin. Nicht die naheliegenden Opferrollen."

In dem Kafka-Stück "Ein Bericht für eine Akademie" ist Koch beispielsweise mit Armen und Beinen an einen Kollegen gebunden und lässt sich durch ihn bewegen. Generell habe er keine Abneigung gegen Hilfestellung. "Durch den Unfall und den Rollstuhl ist jetzt eine andere Form von Hilfe nötig, auf die ich zwar gerne verzichten würde, aber die ich nun mal brauche, allein schon, um am Leben zu bleiben, und für die ich im Grunde auch dankbar bin. Eine ambivalente Haltung", erklärt Koch.

Bei den Zuschauern gebe es unterschiedliche Reaktionen auf seine Bühnenpräsenz. "Bei 'Hiob' sind ein paar Zuschauer während der Premiere rausgegangen und haben sich noch an der Garderobe beschwert: So könne man doch nicht mit Behinderten umgehen", erzählt Koch. "Wenn ich es überspitzt formuliere, haben sie mich nicht als Schauspieler wahrgenommen, sondern als Rollstuhlfahrer. Damit waren sie im Grunde die Diskriminierenden."

— ANZEIGE —