'Russendisko': Charmante Komödie mit Matthias Schweighöfer

3,5 von 5 Punkten

Drei junge Russen kommen kurz nach dem Mauerfall nach Ostberlin, um ihr Glück zu finden. Sie haben erstmal nichts Besseres zu tun, als zu Singen und zu Saufen und den Mitbewohnern des Ausländerwohnheims die Zigaretten zu klauen. Die neue Freiheit hat ihren Preis. Mischa, Wladimir und Andrej müssen sehen, wie sie an Geld kommen. Das klingt ziemlich flach und nach ganz vielen Vorurteilen. Doch in der Komödie ‚Russendisko‘ nach dem gleichnamigen Bestseller von Wladimir Kaminer geht es um mehr…

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Die Freunde Wladimir (Matthias Schweighöfer, 'What a Man'), Mischa (Friedrich Mücke, ‚Friendship!‘) und Andrej (Christian Friedel, ‚Das weiße Band‘), kommen wenige Monate nach dem Fall der Mauer nach Ostberlin. Raus aus der grauen Trostlosigkeit der Sowjetunion, - rein ins bunte, pulsierende Leben. Die Stadt ist im Aufbruch - und die Köpfe der Jungs voller Träume. Mischa möchte Sänger werden, Andrej das große Geld verdienen, und Wladimir sucht die große Liebe.

Andrej und Wladimir haben als jüdische Russen eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung – im Gegensatz zu Mischa. Der darf als Nichtjude lediglich drei Monate in Deutschland bleiben. Doch erst mal haben die Jungs andere Dinge zu tun. Sie müssen Geld verdienen, denn das neue Leben ist teuer. Andrej zieht einen florierenden Handel mit Dosenbier, Schnaps und geklauten Zigaretten auf. Auch bei Mischa läuft es gut, denn nach einigen Wochen als Straßenmusiker bekommt er erste Auftritte. Und Waldimir begegnet der Liebe seines Lebens: Tänzerin Olga (Peri Baumeister, ‚Der Baader Meinhof Komplex‘).

Alles läuft wunderbar, bis zu dem Tag, an dem Mischa abgeschoben werden soll. Die Freunde flüchten aus dem Ausländerheim und leben ab sofort an der Spree in ihrem alten Mercedes. Es gibt nur einen Ausweg: Mischa muss ein deutsches Mädchen heiraten! Und die ist auch schnell gefunden, denn Olgas Freundin Hanna (Susanne Borman, ‚Fleisch ist mein Gemüse‘, eine tolle, junge Schauspielerin mit einem herausragenden Minenspiel) mag den gutaussehenden Russen. Doch als sie herausfindet, dass der sie nur heiraten will, um in Deutschland bleiben zu können, gibt es richtig Zoff. Hanna verlässt Mischa, Olga ihren Wladimir und die Freunde kriegen sich über die Geschichte auch noch in die Haare. Aller Optimismus scheint dahin, die Lebensfreude der Depression gewichen und die Liebe und Freundschaft auf immer zerstört.

‚Russendisko‘ von Regisseur Oliver Ziegenbalg ('Friendship!) ist eine kleine, warmherzige Geschichte über Freundschaft, die Liebe und das Leben. Auch wenn am Anfang der unerschütterliche Optimismus und die scheinbare Oberflächlichkeit der tanzenden, singenden, ewig gutgelaunten Russen leicht nerven, so kann sich doch auf Dauer niemand dem Charme des Films entziehen. Die Lebensfreude der Freunde steckt einfach an.

Die Komödie als eine Art Berliner Variante von ‚Die Fabelhafte Welt der Amelie‘ zu verfilmen ist nicht ganz gelungen. ‚Russendisko‘ ist kein Märchen. Olgas Kindheit als Zeichentrick-Comic in den Film einzuflechten, wirkt deplaziert und wenig originell. Bärentapete, Häkelkissen und Lichtstimmungen in Grau-Braun bringen dagegen die Trostlosigkeit der Sowjetunion in den Kinosaal. Leuchtende Farben, Sonnenschein und fröhliche, laute Musik stehen für Berlin und das pulsierende Leben. Das Konzept geht auf, und die Auswahl der Musik soll die russische Mentalität und die Energie des Films verstärken. Ob russische Emigranten auch russische Musik hören, sei mal dahingestellt…

Leider hat Matthias Schweighöfer optisch nicht viel von einem Russen, und sein ewiges Grinsen in immer gleichen Rollen langweilt. Doch als Trio harmonieren die charmanten Hauptdarsteller gut miteinander.

Von Britta Ploetner

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