'Ruhet in Frieden' mit Liam Neeson und Dan Stevens: Sehenswerter 'Noir'-Thriller

von
Ruhet in Frieden
Matt Scudder (Liam Neeson) freundet sich mit dem Obdachlosen TJ (Brian „Astro“ Bradley) an.

3,5 von 5 Punkten

Ob als hassgetriebener Geheimagent in der ‘96 Hours‘-Reihe oder als abgewrackter Air Marshall im explosiven Flugzeugthriller ‘Non-Stop‘: Oscar-Gewinner Liam Neeson (‘Schindlers Liste‘) hat sich mit seiner rauen, kantigen Art in den vergangenen Jahren an die Spitze des Hollywood-Action-Olymps geballert. Doch wer in ’Ruhet in Frieden – A Walk Among The Tombstones’ den nächsten Bad-Ass-Auftritt erwartet, der ist schief gewickelt. Regisseur und Drehbuchschreiber Scott Frank (‘Minority Report‘) setzt in seinem ‘Film-Noir-Thriller‘ weniger auf Action und Rätselraten als auf Atmosphäre und Figurenzeichnung. Der irische Charakterdarsteller ist wie gemacht für die Rolle des abgehalfterten Ex-Polizisten Matthew Scudder.

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Von Thomas Ziemann

Frank entführt den Zuschauer mit ‘Ruhet in Frieden‘ in das New York der 1990er Jahre. Nach einer fatalen Schießerei unter Alkoholeinfluss schwört Scudder nicht nur dem Job als Polizist, sondern auch dem Alkohol ab. Seitdem schlägt er sich eher mäßig als Privatdetektiv ohne Lizenz durch. Von seinen Meetings bei den Anonymen Alkoholikern kennt er den Junkie Peter (Boyd Holbrook), der ihn bittet, seinem Bruder Kenny (Dan Stevens) zu helfen. Dessen Frau wurde entführt und brutal ermordet, nachdem er zuvor 400.000 Dollar als Lösegeld gezahlt hatte. Scudder zögert zunächst, nimmt den Auftrag aber dann doch an. Bald muss er feststellen, dass er einer Gruppe von perversen Serientätern auf der Spur ist, die immer nach dem gleichen Muster vorgehen und eine sadistische Freude am Töten entwickelt haben.

Vom ersten Moment an bekommt man das Gefühl, dass man es mit einem Thriller der alten Schule zu tun hat. Die Stimmung ist düster, fast schon bedrohlich. Der Streifen schafft es auf beeindruckende Art und Weise, dem Publikum ein rohes New York zu servieren. Immer wieder regnet es in Strömen, die meisten Szenen spielen bei Nacht und ihr bevorzugter Schauplatz sind die dunkelsten und schmuddeligsten Ecken der Stadt. Auch die Morde sind teils so grausam inszeniert, dass es dem Zuschauer kalt den Rücken runterläuft.

Ruhet in Frieden
Scudder (Liam Neeson, r.), Kenny (Dan Stevens, M.) und Peter (Boyd Holbrook, l.) treffen die Kidnapper auf dem Friedhof.

Mit fast schon stoischer Ruhe erzählt der Plot von bestialischen Killern, gescheiterten Existenzen und solchen, die sich doch ändern können. Doch genau da liegt die große Schwäche des Streifens: Egal ob David Harbour (‘Ray‘) und Adam David Thompson (‘Albert‘) als Serienkiller oder auch Rapper Brian 'Astro' Bradley als Scudders nerdiger Sidekick ‘TJ‘ (ein Charakter, den es per se nicht gebraucht hätte), sie alle können ihre teils famos geschriebenen Rollen nicht wirklich mit Charisma ausfüllen - geschweige denn, sich mit der darstellerischen Klasse eines Liam Neeson messen.

Seit Mitte der 70er Jahre schickt Lawrence Block seinen Romanhelden Matt Scudder auf Missionen, die ihn immer wieder in tiefste menschliche Abgründe führen. Nachdem der erste Versuch, die Figur auf die große Kinoleinwand zu hieven, mit Jeff Bridges in der Hauptrolle (‘8 Millionen Wege zu sterben‘ – 1986) fast unbeachtet blieb, dürfte sich das nun ändern. Das Potential, nach ‘Jack Reacher‘ (Tom Cruise) eine weitere Ikone der ‘Hard Boiled‘-Literatur als Franchise zu etablieren, ist definitiv vorhanden.

Mehr als zehn Jahre lang hat sich Scott Frank (Oscar-Nominierung für ‘Out of Sight‘) an dem Stoff für das Drehbuch abgearbeitet. Und es hat sich durchaus gelohnt. Seine eigene, ruhige Art des Erzählens, die charismatische Leistung von Liam Neeson und die atmosphärische Kamera-Arbeit heben ‘Ruhet in Frieden‘ über solides Mittelmaß hinaus und machen ihn zu einem sehenswerten ‘Noir‘-Thriller.

Kinostart: 13.11.2014

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