Rudolph Moshammer: Ein Leben zwischen Kunst und Wirklichkeit

Rudolph Moshammer: Ein Leben zwischen Kunst und Wirklichkeit
Rudolph Moshammer, wie man ihn zu Lebzeiten kannte: Mit Lächeln im Gesicht und Daisy auf dem Arm © ddp images

Es ist nicht schwer, sich Rudolph Moshammer mit 75 Jahren vorzustellen. Immer noch würde er seine Hundedame Daisy durch München tragen, die wuchtige Perücke perfekt sitzend, das geschminkte Gesicht zu einem stetigen Lächeln verzogen. Genauso, wie er es immer getan hatte, bis seinem Leben vor zehn Jahren gewaltsam ein Ende gesetzt wurde.

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Heute wäre er 75 geworden

Denn so und nicht anders liebten Öffentlichkeit, Presse und die Münchener Schickeria den Modezaren. Als exzentrische Kunstfigur mit der exakt richtigen Dosis Eleganz und einer gehörigen Portion Kitsch. So opulent wie seine Mode schuf Moshammer sich auch sein eigenes Bild. Wer hinter der Maske steckte, interessierte lange Zeit nur bedingt.

 

Sein Leben

 

Dazu passend gab er nie viel über Kindheit und Jugend preis. Bekannt ist, dass Moshammer wegen seines alkoholkranken Vaters in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, stets in Angst vor der Obdachlosigkeit. Dass er sich später mit seiner Stiftung für Obdachlose einsetzte und auch eine Entzugseinrichtung für Alkoholiker unterstützte, ist da wenig verwunderlich.

Mehr noch als für sein soziales Engagement war Moshammer freilich für seine Arbeit als geschäftstüchtiger Designer bekannt. Seine Boutique in der Maximilianstraße, Münchens Edel-Shoppingmeile, war Anlaufpunkt für Fans luxuriöser Mode mit prallem Geldbeutel. Sein Name wurde zur Marke, unter der sich Merchandising-Produkte ebenso fanden wie - Daisy sei Dank - Hunde-Shampoo.

 

Sein Tod

 

Wie stark nicht nur "Mosi" selbst an seinem selbsterschaffenen Bild festhielt, wurde nach seinem Tod klar. Dass viel Schein und Künstlichkeit an ihm hafteten, wussten die Menschen. Und doch war der Schock in der Bevölkerung groß, als bekannt wurde, unter welchen Umständen Moshammer am 14. Januar 2005 starb: Erdrosselt von einem auf der Straße aufgegabelten Mann, der seinen Körper für Geld verkaufte.

"Ein ganz klassischer Raubmord", war Josef Wilfling ("Abgründe"), dem ehemaligen Chef der Münchener Mordkommission, schnell klar, wie er spot on news erzählte. Diese Gefahr war bei Moshammers nächtlichen Fahrten auf der Suche nach anonymem Sex sicherlich allgegenwärtig. Wilfling gab an, sein Chauffeur habe ihn wiederholt gewarnt, "aber Moshammer hat sich nichts sagen lassen. Wie die meisten Menschen, die sich in diesem Milieu bewegen, war er der Meinung, ihm könne nichts passieren, weil er eine so gute Menschenkenntnis hat."

 

Die Wahrheit

 

Moshammers Ermordung zerstörte innerhalb kürzester Zeit den Mythos, den er sich zu Lebzeiten mühsam aufgebaut hatte. Das Bild des freundlichen Exzentrikers mit dem breiten Lächeln und dem Schoßhündchen auf dem Arm wandelte sich im Blick der Öffentlichkeit zu dem eines Mannes mit Abgründen, der sich nächtlich die Gesellschaft jüngerer Männer erkaufte.

Wie schwer das Bild von "Mosi" aus den Köpfen der Menschen zu kriegen war, zeigt ein kurioses Detail: "Das Einzige, was die Leute immer von mir wissen wollten, einschließlich meiner Ehefrau, war, ob er eine Perücke getragen hat", erzählte Wilfling. Dabei läge die Antwort doch auf der Hand: "Natürlich hatte er eine Perücke aufgehabt. Dass die Haare nicht echt waren, konnte man doch sehen."

Wilfling spricht sogar von einem Doppelleben. Die Kunstfigur, die man in der Öffentlichkeit sehen konnte, habe wenig mit der Realität zu tun gehabt. "Ehrlichgesagt glaube ich, dass gar niemand Moshammer wirklich kannte. Der hat allen etwas vorgespielt - seinem Hausarzt, seinem besten Freund, allen. Jedem etwas anderes", sagte Wilfling zu spot on news. Wer sich wirklich hinter Make-up, Lächeln und Perücke verbarg, nahm Moshammer wohl mit ins Grab.

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