'Rubbeldiekatz': Schweighöfer mit Brüsten

'Rubbeldiekatz': Schweighöfer mit Brüsten

3 von 5 Sternen

Wer hätte gedacht, dass Matthias Schweighöfer so ein prima Mädchen abgibt? In Detlev Bucks Komödie ‘Rubbeldiekatz‘ mimt er einen arbeitslosen Schauspieler, der erst eine Hauptrolle in einem Hollywoodfilm ergattert, als er sich als Mädchen verkleidet und sich dann dummerweise in die andere Hauptdarstellerin verknallt. Als blondbusige Walküre auf sündhaft hohen Hacken ist er so überzeugend, dass der Zuschauer zweimal hinschauen muss – und dabei zum Glück ein paar der Schwächen des Films übersehen kann.

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Denn natürlich kommt einem die Geschichte nicht umsonst bekannt vor. Geschlechtertauschkomödien von ‚Manche mögen’s heiß‘ über ‚Charly’s Tante‘ bis zu ‚Tootsie‘ haben dieses Thema seit Jahrzehnten immer wieder variiert – oft auch gekonnter. ‚Rubbeldiekatz‘ hebt sich von seinen Vorgängern und Vorbildern ab, weil hier einmal der Mann im Fummel nicht gleich auf den ersten Blick wie ein schlecht rasierter Kerl im Karnevalskostüm wirkt. Matthias Schweighöfer (‚What a man‘, ‚Friendship‘) versprüht als erfolgloser Drittliga-Mime Alex Honk so viel weiblichen Charme, dass man sofort auf seiner Seite ist. Und Detlev Buck (‚Männerpension‘) und seine Drehbuchautorin Anika Decker (‚Keinohrhasen‘) bemühen sich zumindest, den alten Hut mit zeitgemäßen Ideen aufzupeppen.

So landet Alex beim Berliner Casting für die Rolle als BDM-Führerin im Hollywood-Movie ‚Naziland‘, weil er gerade in einem kleinen Theater als ‚Charly’s Tante‘ auf der Bühne steht und sein bester Freund (Dennis Moschitto, ‚Gegengerade‘) nur Fotos in Frauenkleidern auf seine Webseite gestellt hat – ein moderner Marketingfehler. Alex zwängt sich in Strumpfhose, Perücke und silikongefüllten BH und sticht beim Casting glatt Topmodel Eva Padberg (spielt sich selbst) aus.

'Rubbeldiekatz': Schweighöfer mit Brüsten

Vor Freude betrinkt sich seine ganze WG (mit dabei Regisseur Buck und Maximilian Brückner als weitere durchgeknallte Honk-Brüder) im Tiergarten, und Alex schleppt beim Pinkeln am Baum ein Mädchen ab. Dass er mit der in Hollywood sehr erfolgreichen, aber gerade von ihrem Kerl betrogenen Filmdiva Sarah Voss (erfrischend und natürlich: Alexandra Maria Lara, ‚Der Untergang‘) geschlafen hat und am Morgen danach eiskalt von ihr abserviert wurde, wird ihm erst am ersten Drehtag klar: Da ist sie plötzlich als Jüdin Rahel seine Filmpartnerin in einer lesbischen Liebesgeschichte.

Natürlich verknallt sich Alex noch mehr in sie, doch nun muss er Alexandra sein. Und in der Rolle kommt er bei Sarah ungleich besser an als als One-Night-Stand. Sie überschüttet ihn mit Zuneigung und Vertraulichkeiten, denn sie glaubt, im Haifischbecken Filmbiz endlich eine Freundin gefunden zu haben, die nicht mit Neid darauf reagiert, dass Sarah schön, dünn und erfolgreich ist.

Während sich die Liebesgeschichte ganz nett entfaltet und die Chemie zwischen Lara und Schweighöfer stimmt, sind die Gags um die Jungs-WG und die am Set Latte Macchiato schlürfende Waffen-SS oft ein wenig abgestanden. Max Giermann (bekannt aus der Sketch-TV-Serie ‚Switch reloaded‘) bringt als Hitler-Darsteller, der unter seinem Bärtchen leidet und Alex(andra) plump-vertraulich nachstellt, zu viel Klamauk ins Spiel. Das passt nicht zu dem eher sanften Humor, den die beiden Hauptdarsteller anschlagen. Da hilft es auch nichts, dass Buck den gefühlvolleren Momenten mit einem emotionalen Soundtrack nachhilft und er Designer Guido Maria Kretschmer für die Kostüme gewinnen konnte. So bleibt am Ende der vorhersehbaren Komödie ein schaler Nachgeschmack, auch wenn Matthias Schweighöfer als Mädchen offensichtlich den Spaß seines Lebens hatte und in positiver Erinnerung bleibt.

Von Mireilla Zirpins

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