RTL trifft Michael Kiwanuka

Michael Kiwanuka ist im Norden von London aufgewachsen.
Michael Kiwanuka: Sein Debüt-Album 'Home Again' erschien im März 2012. © dpa, Sebastian Kahnert

Michael Kiwanuka: "Meine Musik bekommt vor meinem Produzenten niemand zu hören!"

Newcomer Michael Kiwanuka wurde von 'BBC' zum 'Sound of 2012' gekrönt - dabei klingt sein Debüt-Album 'Home Again' alles andere als nach 2012. Mit ruhigen Soul-Balladen im Stil der 70er-Jahre ist der Londoner mit ugandischen Wurzeln derzeit auf Europa-Tour und gab bei der Gelegenheit auch im Kölner 'Club Bahnhof Ehrenfeld' ein kleines Konzert. Wir haben den 24-Jährigen zum Interview getroffen und festgestellt, dass Kiwanuka trotz des großen Hypes um seine Person immer noch erstaunlich bescheiden geblieben ist.

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von Mariana Jang

Du warst letzte Woche noch in Berlin, um ein Konzert zu geben. Warst du vorher schon mal in Deutschland?

Michael Kiwanuka: Ja, ein paar Mal, aber immer nur für Auftritte. Hier in Köln war ich ein Ma als Support für Laura Marling. Leider konnten wir uns nicht viel anschauen, weil wir direkt zum nächsten Gig mussten. Doch heute Morgen haben wir schon ein bisschen Fußball gespielt und draußen Mittag gegessen. Da haben wir uns Einiges ansehen können.

Spielst du lieber vor ganz vielen Zuschauern oder bevorzugst du kleine Clubs wie den Club Bahnhof Ehrenfeld?

Michael Kiwanuka: Eher die Clubs. Bei ganz vielen Zuschauern ist der Applaus natürlich lauter (lacht), aber mir sind die kleinen Clubs lieber.

Wie bist du mit Musik zum ersten Mal in Berührung gekommen?

Michael Kiwanuka: In der Schule haben die Leute entweder Sport gemacht oder ein Instrument gespielt. Ich habe mich für das Instrument entschieden. Musik war einfach mein Ding. Ich erinnere mich, dass mein Bruder sich das Jamiroquai-Album geholt hatte ... Bei mir war es das Weihnachtsalbum von Travis oder irgendeine andere Indie-Band.

Welcher Künstler hatte den größten musikalischen Einfluss auf dich?

Michael Kiwanuka: Ich würde sagen Bob Dylan, Jimi Hendrix, Miles Davis und Otis Redding hatten den größten Einfluss. Sie haben Musik gemacht, die deine Vorstellungskraft erweitert. Ich finde die Red Hot Chili Peppers auch inspirierend, aber zeitgenössische Bands hatten nie so einen großen Einfluss auf mich wie frühere Musiker.

Wenn du einen Song fertig hast, wer bekommt ihn als Erstes zu hören? Gibt es da eine bestimmte Person?

Michael Kiwanuka: Eigentlich nicht. Musik zu machen, ist für mich etwas sehr Persönliches. Ich zeige meine Stücke niemandem. Darum wäre der Erste wohl mein Produzent Paul Butler, der meine Lieder aufnimmt.

Dann fragst du also keinen um Rat?

Michael Kiwanuka: Nein, ich glaube, das bringt dich von dem Weg ab, den du gehen willst. Irgendjemand findet immer einen Grund, warum etwas nicht gut ist oder hört sich das Lied an, ohne das ganze Konzept zu verstehen. Als ich zum ersten Mal 'Tell Me A Tale' vorgespielt habe, waren die Leute nicht interessiert. Doch als ich es aufgenommen hatte, mochten es die Leute. Wenn ich also auf die Leute hören würde, hätte ich das Lied nie aufgenommen und vielleicht nie diesen Erfolg gehabt, also lass ich es.

"Ich weiß nicht, warum meine Musik den Fans gefällt - sie tut es einfach!"

Du bist letztes Jahr mit Adele auf Tour gewesen. Wie war das?

Michael Kiwanuka: Ja, das war toll. Sie ist eine sehr liebenswerte Person und ich liebe ihre Musik.

Warum glaubst du, dass der Retro Sound wie von dir, Adele oder auch Lana del Rey derzeit so beliebt ist?

Michael Kiwanuka: Ich weiß es nicht. Es hört sich einfach sehr schön an und drückt Emotionen aus. Ich finde diese Musik einfach toll und ich bin glücklich, dass andere Leute sie auch mögen. Ich weiß nicht, warum meine Musik den Fans gefällt - sie tut es einfach!

Du hattest mal gesagt, dass Musik für dich wie eine Therapie ist. In welchen Situationen hast du das Bedürfnis zu schreiben?

Michael Kiwanuka: Wenn ich mich genervt fühle, glücklich bin oder mich etwas sehr beschäftigt.

Dein Album trägt den Name 'Home Again'. Was bedeutet Heimat für dich? Wo fühlst du dich zu Hause?

Michael Kiwanuka: Heimat bedeutet für mich, da zu sein, wo ich mich am wohlsten fühle. Auf jeden Fall in London und überall, wo es viel Musik gibt und Leute mit ähnlichen Interessen. Ich brauche viele Gitarren um mich herum, dann fühle ich mich zu Hause.

Wie sehr hat sich dein Leben nach dem Erfolg verändert?

Michael Kiwanuka: Ich habe jetzt eine CD draußen, was ziemlich cool ist (grinst). Ich habe schönere Gitarren, reise viel und lerne neue Leute kennen. Manchmal sind die Leute netter zu dir als sie es vorher waren, aber das ist okay. Außer diesen Dingen haben sich mein Leben und meine Person nicht verändert.

Was sollen die Menschen von deiner Musik mitnehmen?

Michael Kiwanuka: Entspannung und inneren Frieden.

Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Interview.

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