Rote Laterne für 'Green Lantern'

1 von 5 Punkten

"Wer finsteren Mächten sich verspricht, der hüte sich vor Green Lanterns Licht!" – klingt erst einmal imposant, ist es im Ergebnis aber nicht: Obwohl Superstars wie Ryan Reynolds, Peter Sarsgaard oder Blake Lively die Hauptrollen besetzen, ist die gleichnamige Verfilmung des Comics 'Green Lantern' nicht mehr als der klägliche Versuch, Science-Fiction, Humor und eine stringente Erzählung unter einen Hut zu bekommen – da helfen auch keine aufwendigen Spezialeffekte.

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In den Weiten des Universums tobt ein Krieg zwischen denen, die Angst und Schrecken verbreiten, und jener inter-galaktischen Einheit, die sich für Gerechtigkeit einsetzt: das 'Green Lantern Corps'. Als der beste Krieger stirbt und sein Raumschiff unfreiwillig auf der Erde parkt, verleiht der grün schimmernde Ring erstmals einem Menschen schier grenzenlose Superkräfte – ganz zum Ärger der Green Lanterns, schließlich gelten die Menschen als jüngste und schwächste Rasse in der Unendlichkeit.

Hal Jordan, gespielt von Ryan Reynolds ('Party Animals', 'Selbst ist die Braut'), ist ein selbstverliebter Testpilot, in dessen Händen fortan das Schicksal des Universums liegt. Der smarte Superheld muss allerdings erst noch in seinen Anzug wachsen – genau wie Reynolds in seine Rolle. Bis auf die Physis des Kanadiers, die zweifelsohne den weiblichen Zuschauern gefallen dürfte, wirkt Reynolds wegen des schwachen Drehbuchs nicht wie der typische Superheld, sondern einfältig: Verantwortungslosigkeit oder etwa den Hang zum Größenwahn machen ihn menschlich.

3D-Animation kann inhaltliche Schwächen nicht retten

Im grünen Jersey fliegt Reynolds über die Bildfläche – mal auf der Erde, mal im Universum; was es für den Zuschauer nicht gerade einfach macht: Sprünge zwischen dem Planenten Oa, auf dem Hal Jordan von computeranimierten Außerirdischen das Superhelden-Handswerkszeug vermittelt bekommt, und seinem Leben auf der Erde, erzählen zwei Geschichten, die zusammenhanglos wirken. Die drögen Dialoge mit Jordans Sandkastenliebe Carol Ferris alias Blake Lively ('The Town', 'Pippa Lee'), die die Story nicht wirklich nach vorne bringen, ziehen sich zudem wie Kaugummi.

Was hier zu lang, kommt dort zu kurz: Peter Sarsgaard ('Flightplan', 'Jarhead'), der in Amerika zu den besten, weil authentischsten Schauspielern zählt, verkörpert Hector Hammond, den Widersacher von Hal Jordan. Obwohl Bösewicht, bekommt er schlichtweg zu wenig Zeit, um sein schauspielerisches Können zu beweisen. Die Autoren versuchen dagegen zwanghaft, die lahme Geschichte und inhaltliche Schwächen mit Humor zu kompensieren – ein Schuss, der ebenso nach hinten losgeht. Wo war hier der Superheld, der uns vor einem derart schlechten Drehbuch bewahrt?

Wenn etwas den Film halbwegs herausreißen kann, sind es die Spezialeffekte. Regisseur Martin Campbell, der sich mit den James-Bond-Filmen "Golden Eye" und "Casino Royale" einen Namen gemacht hat, weiß, wie man es knallen lässt: Die 3D-Animation des Universums, fremder Planeten oder grün leuchtender Waffenarsenale, die die Green Lanters allein durch ihren Willen erzeugen, lassen erkennen, wo das millionenschwere Budget für die Produktion geblieben ist.

Nichtsdestotrotz ist das Ergebnis der fast zweistündigen Comic-Verfilmung eine Geschichte, die viel Unnützes hat, das wohl wichtigste aber vermissen lässt: eine durchgezogene Handlung. All jene, die gerne Achterbahn fahren, könnte der Streifen dank der aufwendigen Spezialeffekte so gerade noch ansprechen. Aber: Wer großes Kino sich verspricht, der gehe in 'Green Lantern' – nicht.

Von Daniel Grochow

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