'Roller Girl': Barrymores Regie-Debüt

3 von 5 Punkten

Mit ihren gerade einmal 36 Jahren hat Drew Barrymore schon 30 Jahre als erfolgreiche Schauspielerin im Haifischbecken Hollywood auf dem Buckel. Das scheint ihr nun nicht mehr zu reichen, weshalb sie den Sprung hinter die Kamera gewagt hat und uns jetzt mit ‚Roller Girl’ ihr Regiedebüt präsentiert. Zwar macht sie ihre Sache nicht schlecht, aber dem Film fehlt es leider ein wenig an innovativen Ideen.

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Bliss Cavender (Ellen Page, ‚Inception’, ‚Juno’) ist süße Siebzehn, lebt in einem ländlichen Kaff und wenn es nach ihrer Mutter (Marcia Gay Harden, ‚Der Nebel’) ginge, wäre der aufsässige Teeny schon auf dem besten Weg ‚Miss America’ zu werden. Und so muss Bliss unfreiwillig ihre ausgelatschten Stiefel und die ausgewaschenen Punkrockband-Shirts gegen biedere rosa Kleidchen eintauschen, um bei lokalen Schönheitswettbewerben ‚Ich-wünsche-mir-Weltfrieden’- Parolen zum Besten zu geben. Doch Bliss hat andere Pläne: Durch einen Flyer wird sie auf ein Rollerderby in Austin aufmerksam – und macht sich gleich auf den Weg. Sofort ist sie Feuer und Flamme für die Rollergirls und beschließt, ihre alten Rollschuhe wieder auszupacken und heimlich am Training der skatenden ‚Hurl Scouts’ teilzunehmen.

Tolle Besetzung: Zoe Bell und Juliette Lewis

Rollerderbys mögen uns hierzulande etwas fremd erscheinen, feierten in den Staaten aber schon in den 30ern erste Erfolge. Der Sport, bei dem sich meist ein paar beinharte Powerfrauen Rollen unter die Füße schnallen, um so schnell und so lange wie möglich im Kreis zu fahren, hat seit dem Millennium wieder Kultstatus erreicht. Kein Wunder also, dass Drew Barrymore für ihr Regiedebüt Shauna Cross’ Buch ‚Derby Girl’ als Vorlage verwendet hat. Der vermeintlich heilen Welt der Kleinstadt werden das Rollerderby und seine wilden Mädels als krasser Gegenpol gegenüber gestellt. Dazu gibt’s das ganze Brett jugendlicher Probleme: Identitätsfindung, das Streben nach der Akzeptanz der Eltern, ohne dabei seine Ideale zu verraten, und die Suche nach der Möglichkeit über sich selbst hinauszuwachsen.

Erzählerisch bringt ‚Roller Girl’ also nicht wirklich viel Neues. Darüber hinaus inszeniert Drew Barrymore ihre kleine Komödie ein bisschen zu genretypisch. So lässt sie ihre Girls – die sich wie beim Wrestling herrlich verballhornte Namen wie ‚Smashley Simpson’ (Drew Barrymore) oder ‚Iron Maven’ (Juliett Lewis) verpassen – zu netter Gitarrenmusik von ‚Kings of Leon’, ‚MGMT’ oder ‚The Ramones’ über die Bahnen rasen. Und weil eine kleine Lovestory nicht fehlen sollte, verbringt Bliss ein paar romantische Stunden mit einem zotteligen Bandleader. Die Sequenzen während der Spiele sind etwas zu schnell geschnitten, was zwar die Härte des Sports unterstreicht, aber den Zuschauer ein bisschen orientierungslos hinterlässt. Hier hätten ein bisschen mutigere Einstellung und längere Kamerafahrten den actionreichen Szenen sicher gut getan.

Dennoch gehört ‚Roller Girl’ sicherlich nicht zu den Filmen, bei denen man das Kino unbefriedigt verlässt. Nicht zuletzt liegt das an den hervorragenden Darstellerinnen: Barrymore hat sich nämlich ein fantastisches Team gecastet, das mit Stuntfrau Zoe Bell (‚Death Proof’), Juliette Lewis (‚From Dusk Till Dawn’, ‚Stichtag’) Ellen Page (‚Juno’, ‚Inception’) und ihr selbst aufwarten kann.

Von Mihaela Gladovic

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