Roland Emmerich: Der König der Katastrophen wird 60

Roland Emmerich: Der König der Katastrophen wird 60
Auch mit 60 Jahren noch so zerstörungswütig wie eh und je: Regisseur Roland Emmerich © Chris Pizzello/Invision/AP

Der Präsident der USA steigt in einen Kampfjet, um eine Alien-Invasion zu verhindern. Eine Monster-Kältewelle bricht über die Welt herein und lässt Menschen auf einen Schlag erfrieren. Ein englischer Bösewicht wird im Unabhängigkeitskrieg mit der amerikanischen Flagge zur Strecke gebracht. Wenn ein Film derart wahnwitzig-hirnrissige Szenen beinhaltet, dann stehen die Chancen gut, dass sich ein gewisser Roland Emmerich für besagten Streifen verantwortlich zeichnet. Denn der Regisseur aus Schwaben versteht es wie kein Zweiter, bombastische Actionsequenzen mit gehörig Pathos und Patriotismus anzureichern. Nun feiert der Michael Bay der 90er seinen 60. Geburtstag und besinnt sich nach einem - man höre und staune - Shakespeare-Exkurs wieder auf seine alten Tugenden. Denn Mitte 2016 wird die Erdbevölkerung in "Independence Day 2" mal wieder fleißig ausgedünnt. Den spannenden Karriereweg von Emmerich gibt es hier zum Nachlesen.

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Der "schwäbische Spielberg"

 

Sparsamkeit lag ihm noch nie

 

1955 in Stuttgart geboren und anschließend im schwäbischen Sindelfingen aufgewachsen, begeisterte sich der homosexuelle Regisseur bereits früh für die Filmbranche. Das Jahr 1977, als Emmerich an der Hochschule für Fernsehen und Film in München Szenenbild studierte, fiel genau in die Anfangszeit der Blockbuster-Ära. Filmstudios setzten wieder vermehrt auf teure Produktionen und die Independentfilm-Bewegung der sechziger Jahre fand langsam aber sicher ihr Ende. Ein ganz besonderer Meilenstein der Kinogeschichte hat dabei den Werdegang des Schwaben maßgeblich beeinflusst: "Star Wars". Nachdem er das Weltraum-Märchen gesehen hatte, wechselte Emmerich noch im selben Jahr ins Regiefach.

Der Regisseur hatte schon früh den Hang zu opulenten Filmen. Seine Abschlussarbeit "Das Arche Noah Prinzip" kostete die stolze Summe von einer Million D-Mark. Damit sprengte der Science-Fiction-Streifen jeglichen Rahmen der Filmschule. Das Budget für einen Abschlussfilm lag damals bei gerade einmal 20.000 Mark. Größtenteils fremdfinanziert konnte das ambitionierte Projekt aber gestemmt werden und feierte 1984 auf den Internationalen Filmfestspielen in Berlin eine äußerst erfolgreiche Uraufführung.

 

Übersee wurde früh aufmerksam

 

Mit der Entscheidung, Filme zwar in Deutschland zu produzieren, sie aber in englischer Sprache zu drehen, begann Emmerich schnell Aufmerksamkeit in Hollywood zu erregen. Den Durchbruch in der Traumfabrik hatte er dann spätestens, als er 1992 mit Jean-Claude Van Damme und Dolph Lundgren den Sci-Fi-Actionfilm "Universal Soldier" drehte. Die zu Beginn seiner Karriere sicherlich durch "Star Wars" hervorgerufene Vorliebe für Science Fiction und der Raumfahrt ging auch beim 1994 folgenden "Stargate" mit Kurt Russell klar hervor.

Danach entwickelte Emmerich ein gewisses Faible dafür, die Welt untergehen zu lassen und die Menschheit an den Rand ihrer Auslöschung zu treiben. 1996 kam die Gefahr noch aus dem All, als die Erde in "Independence Day" von zerstörungswütigen Außerirdischen angegriffen wurde. Kurz darauf sorgte er mit seiner Interpretation des japanischen Kultmonsters Godzilla im gleichnamigen Film für Angst und Schrecken. In "The Day After Tomorrow" führten die Folgen der globalen Erwärmung zu einer neuen Eiszeit, welche die Menschheit binnen Sekunden erfrieren ließ.

 

Nichts mehr zu zerstören?

 

"Als Alexander die Größe seines Reiches sah, fing er an zu weinen, denn es gab nichts mehr, das er erobern konnte." Nach seinem Film "2012", in dem die Maya die drohende Apokalypse vorhergesehen haben, erging es Emmerich wie Alexander dem Großen: "Es ist die Mutter aller Zerstörungsfilme, mit Effekten, wie man sie noch nie gesehen hat. Ich wüsste wirklich nicht, was ich danach noch zerstören sollte", so der Regisseur zur Zeitung "Merian". Hat er damals also zum letzten Mal die Welt untergehen lassen?

Bislang hielt Emmerich sein Wort. Mit dem Film "Anonymus", dem Drama über die Urheberschaft der Werke von William Shakespeare, schlug er 2010 ungewohnt ruhige Töne an. Zumindest ein Ort fällt dann aber doch ein, den der Filmemacher zwischenzeitlich noch einmal in Schutt und Asche gelegt hat: das Weiße Haus. Bereits von Aliens in die Luft gesprengt oder von einer gigantischen Welle hinweg gespült, sorgte sein Film "White House Down" wieder für umfangreichen Renovierungsbedarf im Heim des Präsidenten.

 

Gefahr aus dem All

 

Apropos Außerirdische: Die schicken sich an, Emmerichs Versprechen, die Erdbevölkerung von Katastrophen zu verschonen, eindrucksvoll zu pulverisieren. Denn die schleimigen Aliens aus "Independence Day" werden Mitte 2016 in der Fortsetzung zurückkehren. Und nachdem Will Smith und Jeff Goldblum deren Flotte im ersten Teil mit einem Computervirus komplett schrotteten, kommen sie sicherlich nicht in friedlicher Absicht. Auch, weil Smith in "Independence Day 2" nicht mit von der Partie sein wird, um sich ihnen entgegenzustellen, scheinen die Tage der Menschheit gezählt - wieder einmal.

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