Roger & Schu: "Es war einfach Zeit für was Neues"

Roger & Schu: "Es war einfach Zeit für was Neues"
Roger (links) und Schu © Christoph Neumann

Als vor einigen Wochen die Nachricht vom Ende ihrer Band Blumentopf ("SoLaLa") die deutsche Rap-Welt erschütterte, hatten Florian "Schu" Schuster und Roger Manglus schon längst ihr neues Baby an den Start gebracht: Als Duo Roger & Schu haben sie im September ihr Debüt "Clap Your Fingers" veröffentlicht, das definitiv mehr als nur ein Trostpflaster für trauernde Topf-Fans ist. Danach ging es zusammen mit Keno ("Paradajz Lost") auf die "Rucksackschickeria"-Tournee. Die Nachrichtenagentur spot on news hat sich mit Roger & Schu vor dem Abschlusskonzert im Augsburger Nachtclub Kantine zum Interview getroffen.

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Die Rapper im Interview

 

Sind Sie bisher zufrieden mit Ihrer Tournee?

 

Schu: Bis jetzt lief es viel besser als ich eigentlich erwartet habe - ok, meine Erwartungen waren auch ein bisschen low, muss ich sagen. Wir wussten, wir gehen in kleinere Läden und in manchen Städten war am Anfang der Vorverkauf nicht so stark. Und dann war bis jetzt alles sehr geil, also in manchen Städten war es echt der Oberwahnsinn. Hier zum Abschluss bin ich sehr gespannt, weil Augsburg war die einzige Location, wo es noch ein bisschen geschwächelt hat. Also ich hoffe, dass es heute cool wird. Gestern in Hamburg war es halt krass, und ich hoffe, dass ich heute nicht aus Augsburg gehe und denke "...gestern in Hamburg war's krass!"

(Anmerkung: Die Hoffnungen haben sich erfüllt, auch die Kantine in Augsburg war gut gefüllt und Roger & Schu wurden gebührend abgefeiert.)

 

Warum lösen sich Blumentopf auf?

 

Roger: Weil es irgendwie an der Zeit war. Ich meine, wir machen das jetzt 23 Jahre und wenn wir uns nächstes Jahr auflösen sind es 24 Jahre, und da wird es irgendwann einfach Zeit für was Neues. Und wir haben irgendwie nicht gesehen, dass wir nochmal ein Album miteinander machen, jedenfalls nicht in der nahen Zukunft, wie es für Blumentopf angemessen wäre. Und da haben wir gesagt, lassen wir es bleiben, bevor wir es so langsam runterfahren.

 

Ihre Abschieds-Show am 22. Oktober 2016 im Münchner Zenith war rasend schnell ausverkauft, ebenso einige der danach angekündigten Zusatzkonzerte. Haben Sie mit einer so großen Nachfrage gerechnet?

 

Schu: Als wir das Statement verfasst haben, haben wir nicht mal gedacht, dass das in der Geschwindigkeit so viele Leute erreicht, dass wir das so schnell ausverkaufen können. Als wir das Zenith gebucht haben war uns klar, das ist ein Riesending, ein bisschen über unserem normalen Maßstab. Da hofften wir einfach, dass das eine coole Party wird und dass wir das am Schluss ungefähr vollmachen. Aber dass mich am gleichen Tag noch eine SMS erreicht, "es ist jetzt ausverkauft", war sehr überraschend, und dass mit der zweiten Show das nochmal passiert und dass eigentlich alles so schnell ausverkauft war, das hat mich schon geflasht. Ein bisschen traurig ist man ja trotzdem, aber es hat mich schon stolz gemacht, dass das für viele Leute so wichtig ist.

 

Das Duo Roger & Schu wurde vor der Ankündigung der Blumentopf-Trennung von den meisten Fans vermutlich eher als neues Nebenprojekt angesehen. Ist das jetzt eigentlich Ihre neue Hauptband?

 

Schu: Wir wussten das da eigentlich schon, das war ein relativ langer Plan. Es war eher schwer zu sagen, an welchem Zeitpunkt gehst du jetzt mit der Ankündigung raus. Da hatte immer noch jemand ein Projekt, die TNT-Platte (Anmerkung: Projekt von Blumentopf und Texta) zum Beispiel. Eigentlich wollten wir schon davor den Topf auflösen. Das hat nie gut gepasst und jetzt hat es eigentlich auch nicht gut gepasst, weil wir mitten in der Tour sind. Es war für uns einfach komisch zu sagen, ok, jetzt machen wir wahrscheinlich die meisten Interviews darüber, warum es den Topf nicht mehr gibt. Dabei liegt es an den beiden, die jetzt dasitzen am wenigsten, weil die machen ja weiter. Wir machen jetzt erst mal als Duo weiter, haben aber auch keinen festen Plan, dass wir das die nächsten zehn Jahre machen oder so.

 

Unterscheidet sich die Arbeit als Roger & Schu in irgendeiner Weise von der mit Blumentopf?

 

Roger: Eigentlich machen wir die Sachen, wie wir es bei Blumentopf gemacht hätten, aber in einer anderen Konstellation. Der andere Sound ergibt sich eher daher, dass jetzt nur der Schu und ich am Mikro sind und dass wir die Produktion größtenteils in die Hände von Maniac gelegt haben. Es gibt schon klare Unterschiede, aber wir haben jetzt keinen Imagewechsel gemacht. Blumentopf hat ja auch nicht von Anfang bis Ende immer das Gleiche gemacht, da war auch jede Platte sehr verschieden in sich. Es war nicht unser Plan zu sagen, "wir wollen jetzt endlich aus dem Blumentopf-Gerüst ausbrechen und zeigen, was wir wirklich machen wollen", sondern wir machen das jetzt so, wie wir es geil finden, und wir haben es mit Blumentopf auch so gemacht, wie wir es geil fanden.

Schu: Von der Arbeitsweise war es schon so, dass jetzt zum Beispiel im letzten Monat der Albumproduktion fünf, sechs Songs in einem Monat durchgezogen haben, und das wäre schon logistisch in dieser großen Gruppe einfach nicht möglich gewesen. Das war bei Blumentopf immer ein bisschen problematisch, alles zu koordinieren. Jetzt hatten wir die Beats, dann haben sich nur wir zwei uns im Studio treffen "müssen" und dann die Songs fertigmachen, das geht natürlich sehr viel schneller und das war auch sehr cool und entspannend.

 

In "Deine Jungs / Meine Jungs" beschäftigen Sie sich mit dem Thema Älterwerden im Rap. Wie wird man als Rapper erwachsen und bleibt trotzdem cool?

 

Schu: Wir gehen einfach mit Humor damit um, wie wir es auch mit vielen anderen Sachen machen. Was auf jeden Fall ganz weit weg von uns ist, ist dieses "früher war alles besser"-Geschwätz, das auch echt extrem langweilt bei manchen Leuten, die aus unserer Generation kommen. Und sonst solltest du nicht mehr denken, du machst hier die totalen Party-Tracks für die ganzen 18-Jährigen im Club mit Trap-Musik und so. Klar darf es auch ums Feiern gehen und alles, aber die Musik muss sich auch ein bisschen den Lebensumständen anpassen, finde ich.

 

Hatten Sie je Zweifel, ob die Musikkarriere die richtige Entscheidung war?

 

Roger: Natürlich zweifelt man immer an dem Ding. Du gehst diesen einen Weg und denkst manchmal schon, was wäre passiert, wenn ich das andere gemacht hätte? Ich bin da damals so reingerutscht, am Anfang hat man halt so ein bisschen dahergerappt und dann bin ich irgendwie mit der Zeit echt zum Rapper geworden. Gerade am Ende dieser großen Phase von Blumentopf denkst du schon, was jetzt? Dieses große Ding, das eigentlich immer fast von selber lief, das kappen wir jetzt. Ich bin selber gespannt, was da passiert, aber wenn ich jetzt Bankangestellter wäre, wäre ich nicht glücklicher und vielleicht noch viel gespannter, was momentan mit meinem Job passiert (lacht). Wir haben schon echt Glück, wir leben jetzt nicht in Saus und Braus aber müssen uns über viele Sachen keine Gedanken machen. Es wäre jetzt dumm zu sagen, das war ein Fehler.

spot on news

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