Rock it - High School Musical für Arme

Rock it - das rockt nicht

Rock it - High School Musical für Arme
© Bernd Spauke

High School Musical auf Deutsch - kann das funktionieren? Warum nicht? Schließlich ist deutschsprachiger Rock seit ‚Wir sind Helden’ und ‚Juli’ populär wie seit der ‚Neuen deutschen Welle’ nicht mehr. Also schnell eine Musik-Internats-Handlung ersonnen, um dem Ganzen noch ein bisschen ,Fame’-Feeling zu verpassen, ein paar Jungschauspieler auf Zac Efron gebürstet und los.

Die Handlung: Die 15-jährige Musterschülerin Julia (niedlich, aber von der Kostümbildnerin schlecht beraten: Emilia Schüle aus ‚Freche Mädchen’) wechselt auf ein Musikgymnasium, damit sie Konzertpianistin werden kann. Doch im stockkonservativen Internat bekommt die Tochter aus gutem Haus plötzlich einen ganz leichten Anflug von Pubertät und verknallt sich – Skandal! – in den Rockmusiker Nick (Daniel Axt, der original die gleiche Frisur trägt wie Zac Efron, aber nicht ganz so geleckt aussieht). Doch damit nicht genug: Der Mädchenschwarm ist auch noch der wenig standesgemäße Sohn des Hausmeisters.

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Damit Julia trotzdem in Nicks Band mitmachen und sein Herz erobern kann, vernachlässigt sie das Üben und verkleidet sie sich als coole Skaterin aus Berlin – eine Lüge, die natürlich auffliegen muss. Vor allem, weil Julia in ihrer ehrgeizigen Duettpartnerin Betty auch eine Erzfeindin (Ashley Tisdales Part des pinkfarbenen Paris-Hilton-Verschnitts übernimmt hier Vivien Wulf) gefunden hat. Zum Glück findet sie in der unsicheren, aber sehr kreativen Francesca (Maria Ehrich) eine beste Freundin.

Sie merken schon, die Story ist noch weiter hergeholt und transportiert noch mehr Heile-Welt-Flair als Zac Efrons und Vanessa Hudgens’ harmlose ‚Alltagssorgen’ in den HSM-Filmen. Und da es sich ebenfalls um eine Disney-Produktion handelt, geht’s auch genau so keimfrei zu. Schmachtende Blicke und ein Küsschen sind das Äußerste, schließlich ist die Zielgruppe wie bei Miley-Cyrus-Filmen deutlich vor der Pubertät angesiedelt.

Die Kids wird die arg konstruierte Handlung nicht unbedingt stören, kann „Sommer“-Macher Mike Marzuk doch mit meist frisch und natürlich aufspielenden Jungdarstellern aufwarten. Sie machen manche klischeebeladene Figur lebendig, während die Erwachsenen in den Lehrerrollen oft alberne Karikaturen geben, allen voran Petra Nadolny als Frau Bock.

Damit die Gesangseinlagen nicht peinlich wirken, holte Mike Marzuk Selatin Kara für die Choreografien. Der hat beim Meister des Genres, Kenny Ortega („Dirty Dancing“, „Michael Jackson’s This Is It“) gelernt. Ob die einfach gestrickten deutschsprachigen Popsongs zum Kinder-Ohrwurm taugen, soll das sehr jugendliche Publikum selbst entscheiden. Dem erwachsenen Zuschauer jedenfalls gibt das harmlose Musical jedenfalls vor allem das ungute Gefühl, mindestens drei Mal so alt zu sein wie die Zielgruppe. Und wer weiß, ob die sich an der hölzernen Inszenierung überhaupt stört.

Von Mireilla Zirpins

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