'Robocop' mit Joel Kinnaman: Sexy Schauspieler mit lahmem Auftritt

'Robocop' neu verfilmt
Kult-Film tappt in die Remake-Falle © dpa, StudioCanal

2,5 von 5 Punkten

Ein Science-Fiction-Klassiker kehrt auf die Kino-Leinwand zurück. Nach 27 Jahren traut sich erstmals ein Regisseur an ein Remake des Kult-Films ‚Robocop‘. Doch während Paul Verhoeven 1987 noch auf schwarzen Humor und Trash setzte, hat Hollywood-Neuling José Padilha aus Brasilien der Geschichte rund um Cyborg Alex Murphy erst einmal ein Popcorn-Makeover verpasst. Aber ist ihm das gelungen? Oder hat sich Padilha an ‚Robocop‘ die Zähne ausgebissen?

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Von Ann-Christin Gebhardt

Die Story zumindest mutet altbekannt an: Im Detroit des Jahres 2028 setzt der Megakonzern ‚OmniCorp‘ anstelle von Soldaten fast weltweit Roboter als automatisierte Waffen ein. Nur in den USA hat ein Gesetz dies bislang verhindert. Um der amerikanischen Bevölkerung die Roboter dennoch schmackhaft zu machen, wollen die Unternehmer einen Menschen in die High-Tech-Rüstung stecken und der Maschine so, zumindest optisch, eine Persönlichkeit geben. Als der engagierte Polizist Alex Murphy (Joel Kinnaman, aufmerksamen Zuschauern vielleicht bekannt aus der TV-Serie ‚The Killing‘ oder durch seine Nebenrolle in ,Verblendung‘) schließlich im Dienst durch einen Bombenanschlag schwer verletzt wird und zu sterben droht, ist dies für ‚OmniCorp‘ die perfekte Gelegenheit. Die Rüstungsingenieure schaffen einen Gesetzeshüter, der halb Mensch und halb Roboter ist. Doch eines haben sie dabei nicht bedacht: In ‚Robocop‘ steckt zu Teilen immer noch ein eigenständig denkender Mensch, und mit Alex Murphy haben sie dabei auf das falsche Versuchskaninchen gesetzt …

In ‚Robocop‘ geht es um mehr als nur um sinnloses Rumgeballere. Schon 1987 machte Regisseur Paul Verhoeven mit einer großen Portion Zynismus und stets erhobenem Zeigfinger deutlich, was er von den großen Rüstungskonzernen hielt. Diese Gesellschaftskritik ist auch 2014 zentrales Thema in ‚Robocop‘. Doch was vor knapp dreißig Jahren noch als Science Fiction galt, scheint heute greifbar nah. José Padilha zeichnet in seinem Remake ein Bild davon, was dem modernen Drohnenkrieg alles folgen wird und ist damit immer nur ein paar Schritte von der Realität entfernt. Der Film gewinnt dadurch zwar an Aktualität, der fast schon trashige und überzogene Charakter des Original-Films aber, der ihm einst zu seinem Kult-Status verhalf, geht gänzlich verloren.

Der neue 'Robocop' kommt nicht in Fahrt

'Robocop' kehrt auf die Kino-Leinwand zurück
'Robocop' überzeugt nur dank seiner Nebendarsteller © Columbia/Splash News

Auch wenn man die grenzenlose Brutalität, wie sie Paul Verhoeven zur Schau stellte, nicht unbedingt vermisst, will der neue ‚Robocop‘ einfach nicht so richtig Fahrt aufnehmen. Es vergeht über eine Stunde, bis wir den Titelhelden endlich mal in Action erleben, im Original hat er da schon einige Verbrecher erledigt. Glattgebügelt bis zum geht nicht mehr hat der Film enorm an Spannung verloren und plätschert fast zwei Stunden lang vor sich hin. Die eine oder andere Materialschlacht ist mit netten Effekten schön anzusehen, doch nie gelingt es Padilha, das Original in den Schatten zu stellen.

So richtig in Fahrt kommt auch ‚Robocop‘-Darsteller Joel Kinnaman nicht. Dank seines immer gleichen Gesichtsausdrucks weiß man manchmal wirklich nicht, ob in dem Stahlanzug noch ein Mensch steckt oder ob er schon vollkommen zum Roboter geworden ist. Auch wenn dies zwischendurch sicherlich so gewollt ist, so hätte man sich besonders in den emotionalen Momenten mit seiner Familie ein paar mehr Gefühlsregungen gewünscht. Überzeugen können hingegen die zahlreichen Nebendarsteller. Besonders Samuel L. Jackson (‚Django Unchained‘, ‚Iron Man‘) scheint mit seiner Rolle als Fernsehmoderator Pat Novak voll in seinem Element zu sein. Mit seiner einseitigen Berichterstattung holt er die Zuschauer immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und zeigt auf, worum es in dem Film wirklich geht. Seine Auftritte ziehen sich wie ein roter Faden durch den Film und machen ihn so zur heimlichen Schlüsselfigur. Auch Gary Oldman (‚Harry Potter‘, ‚Batman‘) alias Dr. Robert Norton macht seine Sache wirklich gut und bringt seine innere Zerrissenheit als ‚Robocop‘-Erfinder überzeugend auf die Leinwand.

So wird die ‚Robocop‘-Neuauflage vor allem durch die schauspielerische Leistung seiner Nebendarsteller vor dem Scheitern auf ganzer Linie bewahrt.

Kinostart 6.2.2014

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