Robert Pattinson schläft sich hoch: 'Bel Ami' - Filmkritik

Robert Pattinson schläft sich hoch: 'Bel Ami' - Filmkritik

2,5 von 5 Punkten

Der hübsche Vampir Edward Cullen aus der 'Twilight'-Saga ist momentan der Mädchenschwarm schlechthin – kein Wunder, dass da Produzenten und Regisseure beim blutjungen Darsteller Robert Pattinson Schlange stehen, um ebenfalls ein paar Dollars mit dessen hübschem Gesicht zu verdienen. Nur leider ist Pattinson so ein schlechter Schauspieler, dass er neben Christina Ricci und Uma Thurman, die sich als betrogene Frauen selbst übertreffen, auch in diesem Kostümfilm extrem blass aussieht. Und das, obwohl er in einer der zahlreichen Sexszenen schon mehr nackte Haut zeigt als in der ganzen 'Twilight'-Serie.

- Anzeige -

‚Bel Ami‘ – schöner Freund: Der Spitzname der Titelfigur aus dem gleichnamigen Romanklassiker von Guy de Maupassant von 1885 passt perfekt auf Robert Pattinson. Bei Georges Duroy, wie der Antiheld im Film mit bürgerlichen Namen heißt, beschreibt der Kosename seine größte Qualität: Er ist vor allem schön – und ein Freund und Liebhaber ebenso schöner Frauen. Der ansonsten talentfreie Jüngling Duroy versucht sich im Paris des späten 19. Jahrhunderts erfolglos als Journalist, bis er auf den Trichter kommt, dass hinter jedem reichen Mann eine einflussreiche Frau steckt. Und so schläft er sich bei den gelangweilten Gattinnen hoch, bis er zum Leiter des Klatschressorts aufsteigt.

Ausstattung prachtvoll, Hauptdarsteller blass

Robert Pattinson schläft sich hoch: 'Bel Ami' - Filmkritik

Eine ironischere Besetzung als Robert Pattinson, der mit seiner mehr schlecht als recht verheimlichten Beziehung zu 'Twilight'-Kollegin Kristen Stewart seit Jahren ganz oben in den Klatschspalten steht, hätte man für diese Rolle kaum finden können. Nur spielt der Mann so hundsmiserabel, dass es zum Weinen ist. Seine Rolle ist dazu eine schwierige: Duroy ist als Figur nicht wirklich sympathisch, denn er ist berechnend, benutzt die Frauen eiskalt für seinen Aufstieg und betrügt sie alle miteinander.

In der literarischen Vorlage erläutert die Innensicht des Protagonisten seine Motivation, im Film müsste das Pattinsons Spiel transportieren. Doch er zieht immer das gleiche Gesicht, das er wohl für eine Mischung aus verführerisch und rebellisch hält. Ein erfahrener Regisseur hätte den Jungmimen coachen lassen, die beiden Theatermänner Declan Donnellan und Nick Ormerod sind jedoch zu sehr damit beschäftigt, sich bei ihrem ersten Kinofilm auf das neue Medium einzustellen und zeigen sich auch nicht gerade inspiriert bei der dramaturgischen Aufbereitung der Geschichte.

Zum Glück ist die Ausstattung prachtvoll und Pattinson mal ohne weiße Schminke eine Augenweide, sonst würde man überhaupt nicht glauben, dass Duroy schöne und intelligente Frauen verfallen wie die vernachlässigt verheiratete Clothilde (klasse als freizügige und generöse Geliebte: Christina Ricci), die intellektuelle Journalisten-Gattin Madeleine (so emotional haben Sie Uma Thurman noch nie gesehen wie hier als verzweifelte Verliebte) und die einflussreiche Madame Rousset (etwas spröde: Kristin Scott Thomas). Pattinson darf seinen blanken Hintern in ein paar ordentlich freizügigen Bettszenen und bei einem eher derben Besuch bei einer Prostituierten zur Schau stellen – für die eher jungen Fans der prüden 'Twilight'-Saga ein Anblick mit Seltenheitswert, für alle anderen verzichtbar. Das einzige, was den Film wirklich sehenswert macht, ist das wunderbar intensive und verletzliche Spiel von Uma Thurman und Christina Ricci, die Pattinson so blass aussehen lassen wie seinen kleinen Vampir.

Von Mireilla Zirpins

— ANZEIGE —