Rob Zombie schließt die Hölle auf

Rob Zombie
Höchst lebendig: Rob Zombie. Foto: Universal Music/Rob Fenn © DPA

Rob Zombie schmeißt gerne alles in einen großen Topf: Comics, Pop-Art, Monster-Movies, Bela Lugosi und Lon Chaney, Engel und Teufel, Aliens und Vampire, Splatter und Punk, Horror und Bikini-Mädchen.

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Und daraus wurde: "The Electric Warlock Acid Witch Satanic Orgy Celebration Dispenser" - sein inzwischen sechstes Soloalbum, bei dem - was die Titel-Poesie angeht - Tom Wolfe ("Das bonbonfarbene tangerinrot gespritzte Stromlinienbaby") auf die Rolling Stones ("Their Satanic Majesties Request") trifft.

Bei Rob Zombie braucht man starke Nerven: Seine Konzerte und Videos inszeniert der gern finster dreinblickende US-Musiker als Höllenritt und Horrortrip - harte Rock- und Metal-Klänge liefern den Soundtrack zu diesem Hokuspokus-Wahnsinn.

Eine große finstere Monster-Show und ein gekonntes Spiel mit Horror-Versatzstücken und Trash-Zitaten: Der Mann betont immer wieder, wie wichtig das Image im Rock'n'Roll sei - und da macht Zombie mit seinen verfilzten Zottelhaaren und dem wirren Blick als "Ausgeburt der Hölle" eine prima Figur.

Zombie, der eigentlich Robert Bartleh Cummings heißt, ist ein Gesamtkunstwerk. Neben seiner Musikerkarriere hat er sich auch als Comic-Autor und Filmemacher einen Namen gemacht. Im September kommt sein neuer Film "31" - mit Malcolm McDowell ("Clockwork Orange") und sadistischen Clowns - in die US-Kinos.

Clowns toben sich auf "The Electric Warlock Acid Witch Satanic Orgy Celebration Dispenser" nicht aus, dafür aber fährt der Teufel mit, wimmelt es von Dämonen, geht es um Sex mit Außerirdischen und tauchen alte Gruselhelden wie Boris Karloff und Vincent Price auf.

Die Furcht davor, zu langweilen, treibt Rob Zombie nach eigenem Bekunden um. Aber bei dem Berserker passt nicht nur das Drumherum, auch die angeworfene Musikmaschine macht auf seinem neuen Album mächtig viel Dampf.

Druckvolle Gitarren treffen auf hämmernde Drums, Mickey Mouse passt gut zu gregorianischen Gesängen ("Satanic Cyanide"), Electronica-Einsätze beißen sich nicht mit Akustikgitarren, Moshpit auf dem Dancefloor und immer wieder lockern lyrische Passagen das Rock-Gewitter auf.

Auch das Booklet, vielfach eher nur liebloses zusammengestoppeltes Beiwerk, ist bei Rob Zombie quietschbunte Pop-Art und Collagen-Kunst mit Totenschädeln, Vampiren, knallig aufbereiteten Texten, Stummfilm-Zitaten und reichlich Alien-Sex. Ist das trashig? Sicher - aber auch ziemlich gut gemacht und ein gekonnter Tritt geht die Hochglanz-Ästhetik. Schließlich ist Rob Zombie als Gore-Fan ein Mann mit absolut zielgerichtetem Geschmack.


dpa
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