Richie Sambora im Exklusiv-Interview mit RTL

Richie Sambora im Exklusiv-Interview mit RTL
© Frank Radtke

"Überall stehen Geschichten über mich geschrieben. Jetzt erzähle ich sie selbst!"

Die meisten deiner neuen Songs sind sehr persönlich. „You Can Only Get So High“ handelt z. B. von deiner früheren Alkoholabhängigkeit. Wie schwierig ist es, sich live auf der Bühne einem Publikum so weit zu öffnen?

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Es ist nicht schwierig für mich. Ich finde es gut. Und weißt du warum? Die ganzen Geschichten über mich waren ja schon da draußen! Jeder kennt sie, jeder konnte die Stories über mich in den Zeitungen lesen. Das hier ist meine Chance, alles aus meiner Sicht zu erzählen und vieles richtig zu stellen. Es ist kein Problem für mich auf der Bühne, sondern das Gegenteil: es ist befreiend. Viele Leute haben auch das erlebt, was ich erleben musste. Dieses Album macht mich daher nur menschlicher und entmystifiziert diesen ganzen Rockstar-Quatsch. Ich bin bloß ein langhaariger Musiker, der einen ganz coolen Job hat (lacht)!

Du sagst, du nimmst auch heute noch Gitarrenunterricht. Wie kann einem der weltbesten Gitarristen noch etwas beigebracht werden?

Ich habe mir mein Leben lang alles selbst beigebracht, aber vor einem Jahr bin ich in einen Gitarrenshop bei mir um die Ecke gegangen, und da spielte jemand Gitarre. Er saß mit dem Rücken zu mir. Es klang, als spielten zwei Gitarren gleichzeitig. Ich fragte mich, wie dieser Kerl das macht, habe ihm zugesehen und konnte nicht herausfinden, wie er das anstellt. Er spielte diese Alternative Tunings, die ich mir bislang selbst beigebracht hatte. Offenbar gab es Dinge, die ich übersehen hatte. Ich fragte ihn „Würdest du mir das beibringen, wenn ich von meiner Tour zurück bin?“ Also habe ich ihn nach der Tour angerufen, und wir fingen an, daran zu arbeiten. Man darf nie aufhören, Neues zu lernen. Und damit werde ich weiter machen, bis ich tot umfalle.

Du hast also nie daran gedacht, irgendwann einmal kürzer zu treten?

Das Musikmachen ist eines der wenigen Dinge, die man tun kann, bis man stirbt. Ich schaue mir meine eigenen Helden wie Buddy Guy, B.B.King oder auch die Rolling Stones an. Die machen das immer noch großartig, lernen immer noch dazu und veröffentlichen immer noch gute Sachen. Ich will nicht aufhören! Ich höre manchmal „Du könntest doch jetzt in Ruhe die Füße hochlegen“. Was für ein Leben wäre das? Das einzige Problem, das ich habe: Ich bin auf Tour weit weg von meiner Tochter. Aber da gibt es auch immer wieder Kompromisse: „Aftermath Of The Lowdown“ habe ich in der Nähe meines Hauses in L.A. aufgenommen. So konnte ich meine Tochter morgens zur Schule bringen, arbeiten und wieder heim fahren, mit meiner Tochter zu Abend essen und ihr bei den Hausaufgaben helfen. So konnte ich ein normaler Typ sein.

„Man muss dem Publikum gegenüber ehrlich sein“

Richie Sambora im Exklusiv-Interview mit RTL
© Frank Radtke

Wie wichtig ist es für dich, Soloprojekte außerhalb von Bon Jovi zu machen?

Sehr wichtig. Wir alle von Bon Jovi ermutigen uns gegenseitig, eigene Projekte zu verfolgen. Es ist wichtig, deine eigene Identität zu haben. Egal ob in einer Band, oder in einer Beziehung. Viele Beziehungen scheitern, sobald eine Person sich selbst darin verliert. Man sollte immer sein eigenes Leben leben. Genauso ist es auch in einer Band.

Ist das das Geheimnis, warum sich Bon Jovi auch nach so langer Zeit nie getrennt hat?

Einerseits das, ja. Aber wir haben auch so viel gemeinsam durchgemacht: Geburten, Tode, Scheidungen, Hochzeiten, alles! Nimm all das, was Familien gemeinsam erleben mal zehn. Wir haben uns gegenseitig da durch geholfen. Das schweißt zusammen!

Bist du vor Auftritten noch nervös?

Nein. Ich werde nur dann nervös, wenn ich mich körperlich nicht gut fühle und krank bin, weil ich denke, dass ich dann meinen Job nicht richtig machen kann. Ich gehe nicht auf eine Bühne und will ganz gut sein. Ich MUSS großartig sein.

Bei deiner Tour spielst du vor ein paar tausend Leuten, also „Wohnzimmergröße“ für jemanden wie dich. Normalerweise ist dein Publikum zehnmal so groß! Welchen Unterschied macht das für dich?

Es macht keinen Unterschied in meiner Performance, denn ich gebe immer alles, egal wie viele Leute da sind. Aber es macht einen Unterschied, wie die Leute mich wahr nehmen. Sie sind sehr nah dran und nehmen mich daher völlig anders wahr. Wenn man auf einer Stadionbühne steht, ist man einfach …(überlegt) ... „big“. Jetzt stehe ich direkt vor ihnen, sie können den Arm ausstrecken und mich anfassen, wenn sie wollen. Der Grund, warum ich immer noch da bin, ist nicht, weil ich gute Songs schreibe und gelernt habe, wie die Leute sich damit identifizieren können. Es ist die Aufrichtigkeit, mit der ich das mache. Wenn ich nur eine Nummer abziehen würde, merken die Leute das. Ganz besonders dann, wenn man so nah vor ihnen steht. Man muss dem Publikum gegenüber ehrlich sein.

Deine Solo-Tour ist leider nur kurz. Können wir deine Songs auch während der nächsten Bon Jovi-Tour hören?

Ja, ganz sicher! Jon überlässt mir die Bühne immer für ein paar Songs. Ich denke, ich werde ein paar Nummern während der Tour spielen. Ich wünschte sehr, ich könnte länger solo touren, aber ich muss mich ebenfalls um die Bon Jovi-Maschine kümmern.

Wir freuen uns darauf. Vielen Dank für das Interview!

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