Richie Sambora im Exklusiv-Interview mit RTL

Richie Sambora im Exklusiv-Interview mit RTL
© Frank Radtke

„Die Leute merken, wenn du ihnen was vormachst!“

Richie Sambora hat allen Grund, stolz auf sich zu sein. Wenn es jemanden gibt, der von persönlichen Höhen und Tiefen der letzten Jahre ein Lied singen kann, ist es der legendäre Bon Jovi-Gitarrist, Songschreiber und Sänger. Mit „Aftermath Of The Lowdown“, seinem dritten Soloalbum, lässt er die Zuhörer tief in seine eigene Seele blicken und ist mutig genug, selbst heikle Themen wie frühere Alkoholprobleme in beeindruckendes emotionales Songwriting zu verpacken. Was innerhalb der Bon Jovi-Band nicht möglich ist, hat Herr Sambora in seinem bislang persönlichsten Soloalbum in Perfektion geschafft. Schon der Titel des Albums lässt erahnen, dass hier ein Künstler steht, der etwas zu sagen hat: Trauer, Wut, Hoffnung – alle Gefühle, die zu den Folgen der Wahrheit („Aftermath Of The Lowdown“) gehören, hört man heraus. Wir haben einen sympathischen und aufgeräumt wirkenden Richie Sambora kurz vor seinem Konzert in Berlin getroffen und erfahren, wie es ist, wenn man(n) sich zurückgekämpft hat.

- Anzeige -

von Nicole Feybert

Glückwunsch zum neuen Soloalbum nach 14 Jahren, Richie! Wie bist du auf den Titel „Aftermath Of The Lowdown“ („Die Folgen der Wahrheit“) gekommen?

Hey, danke! Nach der letzten Bon Jovi-Tour mit 52 Ländern in 18 Monaten hätte ich eigentlich monatelang urlaubsreif sein müssen. Stattdessen war ich nur eine Woche mit meiner Tochter im Urlaub, kam zurück und fing an, Songs zu schreiben. Einer der ersten war „Seven Years Gone“, ein Rückblick auf die letzten Jahre. Mein Leben ging ja durch viele Höhen und Tiefen in den letzten sieben, acht Jahren. Die Zeit ging einfach so (schnippt mit den Fingern) schnell vorbei. Ich hatte also diesen einen Song und dachte, ich sollte vielleicht über diese ganzen Erfahrungen schreiben. Die Songs kamen aus tiefster Seele, der Titel aber erst viel später, als wir die Hälfte bereits aufgenommen hatten. Ich dachte über meine eigene Verletzlichkeit nach, darüber wie authentisch die Songs sind und stellte sie auch gleichzeitig in Frage, denn diese Songs lassen sehr viel Nähe zu meiner Person zu. Ich erzähle den Leuten die Wahrheit, und darauf wird eine Reaktion folgen. Manchmal ist die Wahrheit gut, manchmal schlecht – aber es gibt immer eine. Das war für mich der perfekte Titel für das Album.

Die Single „Every Road Leads Home To You“ hast du für deine Tochter Ava geschrieben …

Ja, in erster Linie ist der Song für meine Tochter. Ein Liebesbeweis. Neben ihr ist da aber auch ein Teil von mir, der sich wünscht, zu einer Partnerin heimkommen zu können, denn ich bin zur Zeit Single. Weißt du, jeder von uns hat seine eigene Definition davon, was „heimkommen" heißt. Das kann der Ehepartner sein, Freund oder Freundin, die Kinder, das Haus, der Hund, irgendetwas, was dich nach Hause zieht. Jeder kann sich daher mit dem Song identifizieren. Bei den ersten beiden Songzeilen (singt a capella) „I got your picture on my phone / Your voice in my head“, da schaut man auf sein Handybild und sieht das, was einem am meisten bedeutet.

Dann hast du also Avas Bild auf deinem Handy?

Ja! Willst du mal sehen? (Richie holt sein Handy und zeigt stolz das Hintergrundbild: Ein Foto seiner 15-Jährigen Tochter und ihm.)

„Ich bin kein Rockstar“

Richie Sambora im Exklusiv-Interview mit RTL
© Frank Radtke

Ist deine Tochter ein Fan von Richie Sambora, der Musiker?

Ja, sie mag meine Musik. Ava mag fast alle Musikrichtungen,von Taylor Swift bis Gangsta-Rap. Sie ist da sehr offen, genau wie ich. Durch sie komme ich auch auf viele neue Bands. Ich bin jemand, der sich ca. vier neue Alben pro Woche kauft. Beim Sport höre ich mir die gerne an, damit ich vergesse, dass ich laufe (lacht). Ja, Ava und ich haben eine sehr innige Beziehung, sie hat mich durch meine ganzen Höhen und Tiefen begleitet, sie kennt das ständige Medieninteresse, den Hype um ihre Mutter (Heather Locklear) und mich. Aber für sie bin ich bloß ihr Daddy. Sie schert sich nicht um diese ganze „Rockstar“-Geschichte, wie auch immer man mich bezeichnen möchte. Ich selbst halte nicht viel vom Begriff „Rockstar“, manche mögen mich so sehen. Für mich selbst bin ich einfach ein arbeitender Musiker und Vater.

Wie notwendig sind persönliche Tiefen für die Arbeit eines Songwriters?

Die sind wichtig, aber nicht nur für Songwriter, sondern für jeden da draußen. Keiner hat ein perfektes Leben, und besonders wir Männer lernen ja, indem wir leiden. Ich weiß nicht, wie das für euch Mädels so ist, aber wir Jungs brauchen Dinge, die uns herausfordern. Es liegt in unserer Natur, Probleme „lösen“ zu wollen. Bevor du nicht durch eine Problemlösung gegangen bist, weißt du nicht, wie es auf der anderen Seite aussieht. Also sind Probleme und Lebenskrisen notwendig für jeden. Als Songwriter bringt es dich zur Selbstreflexion, das ist bei mir jetzt offensichtlich. Das wird vor allem im Song „Weathering The Storm“ („Den Sturm überstehen“) beschrieben. Für mich heißt es, meinen eigenen persönlichen Sturm überstanden zu haben, die Welt zu bereisen, zahllose Länder zu besuchen, wie ich das die vergangenen dreißig Jahre getan habe. Wenn ich auf Tour bin, lerne ich verschiedene Kulturen verstehen und das, was die Menschen dort durchmachen: Wirtschaftliche, politische Stürme, Kriege, ihre eigenen persönlichen Stürme. So persönlich diese Songs für mich sind, so persönlich sind sie für jeden anderen. Die Leute können sich damit identifizieren, sie hören die Texte und können etwas aus ihrem eigenen Leben damit assoziieren.

— ANZEIGE —