Rekordjäger in Dirndln und Lederhosen

Weltrekordversuch im Tanzboden-Ziehen
Männer in Lederhosen ziehen den Tanzboden. Foto: Uwe Anspach © DPA

Die Anstrengung steht den Rekordjägern ins Gesicht geschrieben. Etwa 200 Männer sind es, die an einem warmen Samstagabend den "Tanzbodenkonvoi" ächzend durch die Innenstadt von Speyer in Rheinland-Pfalz gezogen haben.

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Am Ende, kurz nachdem der mobile Tanzboden den berühmten Kaiserdom passiert hat, sind sich die Organisatoren sicher: Der Weltrekord ist geschafft. In Speyer wurde erstmals mit schierer Muskelkraft ein 120 Tonnen schwerer Tanzboden über die Distanz von 600 Metern durch eine Stadt gezogen.

Schon bevor das Unternehmen um 18.00 Uhr startete, waren Straßen und Gassen von Tausenden Menschen bevölkert. Viele Frauen waren im Dirndl zum traditionellen Brezelfest gekommen. Auch Männer - oftmals in Lederhosen gekleidet - sorgten für ein folkloristisches Ambiente.

"Ich finde, dass es ein Riesenspaß ist, es gibt hier sehr viel zu sehen", sagte der 39 Jahre alte Morgan, der gemeinsam mit seiner Freundin Livia extra aus Prag angereist war, um in Speyer zu feiern. Das Paar - beide arbeiten in der IT-Branche - war ebenfalls in Dirndl und Lederhose gekleidet. "Es ist faszinierend, wie eine kleine Stadt an einem solchen Tag so viel Energie aufbieten kann und alle mitmachen", lobte Morgan. Livia nickte und betonte, es mache Spaß, sich auf traditionelle Weise zu kleiden. Zur Arbeit würde sie im Dirndl allerdings nicht gehen.

Der mobile Tanzboden bestand aus zehn durch Abschleppstangen miteinander verbundene Pritschen-Laster. Auf den 8,5 mal 2,5 Meter großen Ladeflächen tanzten insgesamt etwa 400 Frauen - natürlich im Dirndl.

Moderator Howard Biery sagte, der Weltrekord sei geschafft. Auch ein Anwalt sei anwesend gewesen. 2014 hatte Speyer nach eigenen Angaben mit 2679 Männern und Frauen die weltgrößte Dirndl-Lederhosen-Polonaise gebildet. 2013 gelang der Weltrekord im Dirndltragen mit 1973 Dirndlträgerinnen. Im Jahr darauf brach jedoch das bayerische Straubing den Rekord.

Organisiert werden die Spektakel vom Verkehrsverein der Stadt. Wie Sprecher Frank Scheid sagte, trage man mit den Veranstaltungen, stets durch Trachten gekennzeichnet, dem "Bedürfnis vieler Menschen Rechnung". Die Kombination aus Dirndl, Lederhose und Rekordjagd komme gut an.

Laut dem Psychoanalytiker Hans-Jürgen Wirth aus Gießen stellen solche Rekordversuche auch ein Gefühl des Miteinanders her. "Auch wenn ein solcher Rekordversuch für manche Betrachter abstrus erscheinen mag: Sich für ein gemeinsames Ziel einzusetzen, kann uns durchaus befriedigen."


dpa
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