Rehäugiges Opfer, aber keine Spannung: 'Gone' - Filmkritik

Rehäugiges Opfer, aber keine Spannung: 'Gone' - Filmkritik

2 von 5 Punkten

Amanda Seyfried hat nach ihrem Riesenerfolg mit ‚Mamma Mia‘ einen Film nach dem andere gedreht, aber nicht das beste Händchen bei der Rollenauswahl bewiesen – denken wir nur an fragwürdige Machwerke wie ‚Jennifer’s Body‘ oder ‚Red Riding Hood‘. Ob’s an ihrem kulleräugigen Opferblick liegt, dass sie so oft in schlechten Thrillern und Horrorfilmen besetzt wird?

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Diesmal spielt sie die etwas verhuschte Kellnerin Jill, die schon einmal das Opfer war. Einst wurde sie entführt und konnte mit knapper Not dem Tod in einem Erdloch im Wald entrinnen, nun fehlt morgens ihre Schwester Molly (Emily Wickersham, 'Ich bin Nummer Vier') in ihrem Bett, und Jill ist sicher: Der nach wie vor flüchtige Täter ist zurück und hatte es eigentlich auf sie selbst abgesehen. Ihre Schwester schwebt in Lebensgefahr.

Doch bei der Polizei rollen die Beamten nur mit den Augen. Schließlich gab es bei Jills Verschwinden seinerzeit keinerlei Hinweise auf ein Verbrechen, Jill landete in einer psychiatrischen Anstalt. Also glauben die Polizisten ihr auch diesmal nicht. Wie das in simpel gestrickten Filmen so ist, macht sich die Protagonistin natürlich selbst und allein auf die Suche nach dem Täter – und begibt sich dabei so dämlich in Gefahr, dass der Zuschauer sich weniger um die Heldin sorgt, als sich Gedanken darüber macht, mit was man als Drehbuchautor (Allison Burnett, 'Underworld Awakening') und Regisseur (Heitor Dhalia, 'Nina') so durchkommen kann.

Unlogisch und unglaubwürdig

Rehäugiges Opfer, aber keine Spannung: 'Gone' - Filmkritik

Da reiht sich ein dämlicher Zufall an den nächsten. Ein zwielichtiger Nachbar hat nachts um zwei vor Jills Haus einen Klempnerlaster gesehen – grau und mit der Aufschrift ‚24-Stunden-Service‘ (was auf jedem zweiten Dienstfahrzeug dieser Berufssparte zu lesen ist). Ein Klick bei der Google-Bildersuche, und Jill hat ein Foto von dem Laster auf dem Bildschirm, und es ist auch noch der Richtige. Erstaunlicherweise ist die Ladeklappe offen, und im Auto liegt Klebeband von der Sorte, mit der einst auch Jill gefesselt wurde – natürlich mit der Quittung vom Vortag daneben. Und der Mann im Eisenwarenladen erinnert sich nicht nur an den Käufer, sondern weiß gleich auch noch, wo er wohnt. So geht das in einer Tour weiter. Das Presseheft berichtet begeistert, zwei Stunden nach Einsendung des Skripts habe die Autorin schon eine Zusage gehabt. Eine zweite Lektüre wäre da vielleicht doch ratsam gewesen.

Auch die zum großen Teil recht stimmungsvoll gefilmten Bilder werden gegen alle Regeln der Kunst zu willkürlich wirkenden Schnittfolgen zusammenmontiert. Das ist dem Aufbau von Spannung nicht zuträglich. Schade eigentlich, denn schließlich ist die Handlung so abstrus, dass man sie nicht voraussehen kann. Allerdings ist platte Auflösung nach einer zumindest im Ansatz hübsch ausgelegten falschen Fährte dann auch wieder eine Unverschämtheit. Das Potenzial der Hauptfigur, an deren geistiger Zurechnungsfähigkeit man als Zuschauer eigentlich zweifeln müsste, wird ebenfalls nicht ausgereizt. Da hilft es auch nichts, dass Amanda Seyfried tapfer und rehäugig gegen das dämliche Skript anspielt. Vielleicht sollte sie beim nächsten Angebot einer Opferrolle doch einfach mal nein sagen.

Von Mireilla Zirpins

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