Redwood Forest als Modell: Miniatur-Wald belebt Brooklyn

Miniatur-Wald in New York
Grüne Kunst: Redwood-Bäumen im Miniaturformat in New York. Foto: Johannes Schmitt-Tegge © deutsche presse agentur
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Den Baum Hyperion muss man sich ungefähr so vorstellen: 115 Meter hoch, damit etwa doppelt so groß wie die Freiheitsstatue ohne Sockel und komplett ungeeignet für Fotografen.

Wer den gewaltigen Redwood-Baum im US-Staat Kalifornien auf ein Bild bekommen will, müsste ihn eigentlich dutzendfach fotografieren und die Fotos dann zusammenkleben wie Puzzleteile.

Während man im "Redwood Forest" den Kopf nach oben reckt, muss man in New York nun nach unten schauen. Mitten in einem belebten Einkaufs-, Wohn- und Büroviertel in Brooklyn hat der Künstler Spencer Finch einen Teil des berühmten Waldes in Miniaturform nachgebaut - im Maßstab 1:100. Rund 4000 kleine Setzlinge hat Finch gepflanzt und den New Yorkern damit ein - wenn auch überschaubares - Stück Grünfläche geschenkt.

"Es gibt einem Sauerstoff", sagt Sabrina Jones, die um die Ecke aufgewachsen ist und in der Nähe des Anfang Oktober eröffneten Projekts arbeitet. "Es ist cool. Erst dachte ich, es sei ein Spiel." Jones steht auf einer Holzplattform, von der aus sie die 30 bis 120 Zentimeter hohen Bäumchen überblicken kann. Die Mini-Redwoods sollen noch bis Anfang März 2018 zu sehen sein.

"Wissenschaftliche Beobachtung gepaart mit poetischer Sensibilität", wolle der 1962 in New Haven (Connecticut) geborene Finch mit dem Werk ausdrücken, schreibet Kuratorin Emma Enderby. Das Projekt namens "Lost Man Creek" mache den nicht greifbaren Maßstab der Mammut-Bäume in Downtown Brooklyn fassbar. Von der Miniatur könnten Besucher im Kopf zum Mega-Wald, vom Stadtzentrum an der Ostküste der Staaten bis in die Natur der Westküste springen. Besonderer Boden und ein passendes Bewässerungs-System helfen den kleinen Riesen zu wachsen.

Der eigentlich hoffnungslos zugebauten Metropole New York gelingt es an immer neuen Plätzen, den eng auf eng lebenden Bürgern Grünflächen und Raum sowie frische Luft zum Atmen zu verschaffen. Der Central Park, der Prospect Park, die Parks Pelham Bay und Van Cortland in der Bronx und Flushing Meadows in Queens sind nur einige der bekanntesten Beispiele. 2014 hatte Finch mit "There Is Another Sky" in Seattle schon eine dunkle Gasse in einen bunten Wald aus Glas verwandelt.

Daniel Sherwood, der um die Ecke am City Tech-College Soziologie unterrichtet, freut sich über die neue Grünfläche. "Es wäre schön, wenn man durchgehen könnte", merkt der 37-Jährige an. Ein kleines Mädchen, das mit einem Roller um die Installation saust, sagt: "Ich würde gern meinen Hund darin laufen lassen." Neben ihr ragt der Turm des Metrotech Center über 20 Stockwerke in die Höhe - ein ausgewachsener Redwood-Baum würde dieses Gebäude noch überragen.

Vielleicht animiert der Mini-Wald die Bewohner des urbanen Zentrums auch zum Nachdenken über den Klimawandel, hofft Kuratorin Enderby. Oder verdeutlicht, was der amerikanische Dichter Bill Yake schrieb: "Bäume sind unsere auf links gedrehten Lungen / Und inhalieren unseren sichtbaren gekühlten Atem / Unsere Lungen sind auf links gedrehte Bäume / Und atmen ihre klaren Ausatmungen ein".


Quelle: DPA
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