'Real Steel' mit Hugh Jackman

'Real Steel' mit Hugh Jackman

3 von 5 Punkten

Wenn Hugh Jackman einen neuen Film dreht, steht die Frauenwelt meistens Kopf. Solange der australische Superstar irgendwann sein T-Shirt fallen lässt, schauen sich auch Frauen gern einen Actionfilm an. Doch anders als in den 'X-Men'-Filmen lässt der ehemalige 'Sexiest Man Alive' in 'Real Steel' andere für sich prügeln – und zwar überdimensionale Kampfroboter.

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In Shawn Levys (‚Nachts im Museum’, ‚Date Night’) neuem Film gibt Jackman ein starrsinniges Raubein mit weichem Kern, das an seinen kratzbürstigen Mutanten aus den 'X-Men'-Filmen erinnert. Doch in 'Real Steel', dessen Handlung in der nahen Zukunft angesiedelt ist, ist Jackman kein Superheld, sondern ein Mensch inmitten von Maschinen: Ein normaler Boxkampf reißt niemanden mehr vom Hocker. Die Technik hat die Menschen aus dem Boxring vertrieben. Inzwischen treten riesige und technisch ausgefeilte Roboter gegeneinander an. Der abgehalfterte Ex-Boxer Charlie Kenton (Hugh Jackman) schlägt sich als kleiner Promoter von Untergrundkämpfen mit selbstgebauten Robotern vom Schrottplatz mehr schlecht als recht durchs Leben, unterstützt durch Bailey (‚Lost’-Star Evangeline Lilly), die attraktive Tochter seines ehemaligen Trainers.

'Real Steel' mit Hugh Jackman
© Photo Credit: Melissa Moseley

Gerade als er ganz unten angekommen ist und nichts mehr zu gehen scheint, taucht Charlies zehnjähriger Sohn Max (Dakota Goyo, ‚Thor’) unerwartet und unfreiwillig bei ihm auf. Nach dem Tod der Mutter muss Max den Sommer mit seinem Vater verbringen. Zu dumm nur, dass dieser sich nie für ihn interessiert hat. Aber das Schicksal gibt Charlie und Max eine neue Chance: Es spielt ihnen mit dem schrottreifen Roboter namens ‚Atom’ eine Maschine mit einzigartigen Fähigkeiten in die Hände: ‚Atom’ könnte der neue Star der Roboterboxszene werden.

Gemeinsam bauen und trainieren sie den perfekten Kämpfer für den neuen Hightech-Sport. Aber nicht nur das: Der Zuschauer ahnt schon, dass dabei auch Vater und Sohn zu einem unschlagbaren Team zusammen wachsen werden. Als Charlie endlich eine letzte Chance für ein Comeback bekommt, stellt sich die bange Frage: Wird ‚Atom’ es wirklich schaffen, sich gegen die viel moderneren High-Tech-Roboter zu behaupten?

Zugegeben: Die Handlung von ‚Real Steel’ ist so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Kein Zuschauer wird überrascht sein, wenn sich der vom Schicksal arg gebeutelte und abgewrackte Charlie durch den kindlichen Eifer seines Sohnes, den er kaum kennt, zu einem geläuterten Menschen entwickelt. Aber das ist nicht schlimm. Die schrittweise Annäherung der beiden inmitten der stählernen Brutalität boxender Kampfroboter ist trotz ihrer Klischeehaftigkeit rührend. Und genau das macht ‚Real Steel’ zu einem Film für die ganze Familie. Die Mütter dürfen Jackmans gut trainierte Muckis bewundern, die Väter fiebern bei den Boxszenen mit, und die Kinder schließen den auf Vordermann getrimmten Retro-Roboter ‚Atom’ ins Herz.

Die boxenden Kampfmaschinen setzt Regisseur Levy mit der noch relativ neuen ‚Motion Capture’-Technik dabei so gekonnt in Szene, dass man kein ausgewiesener Boxfan sein muss, um sich von den aufeinander eindreschenden Robotern mitreißen zu lassen. Trotzdem ist das Vater-Sohn-Drama mit futuristischen Sportfilm-Einlagen eher schablonenhaft geraten. Aber obwohl das Prinzip ‚vom Underdog zum Sieger’ nicht besonders innovativ ist, funktioniert es immer wieder. Hartgesottene Science-Fiction-Fans werden von dieser weichgespülten Zukunftsvision zwar wahrscheinlich enttäuscht sein. Wer sich aber zwei Stunden lang von gut gemachtem und familientauglichen Blockbuster-Kino unterhalten lassen möchte, für den ist ‚Real Steel’ eine optimale Wahl.

Von Norbert Dickten

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