Ralph Siegel: Deshalb ist 'Under The Sun We Are One' der richtige Song für den ESC

Ralph Siegel: "Der eine Song entscheidet dein Leben"
Sind Laura Pinski und Ralph Siegel das deutsche ESC-Team für Stockholm? © ddp images

Ralph Siegel (70) galt lange als unangefochtener "Mister Grand Prix", bis irgendwer plötzlich Stefan Raab (49) so nannte. Das wurmte den Star-Komponisten, dessen Schützling Nicole (51) immerhin schon 1982 mit "Ein bisschen Frieden" den Titel holte. Doch viel wichtiger als die Konkurrenz mit dem Entertainer ist Siegel die Liebe. Was sie ihm bedeutet, sagt er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news mit fast schon poetischen Worten. Zuerst erklärt der Münchner aber, warum der Song "Under The Sun We Are One", den Sängerin Laura Pinski (19) beim ESC-Vorentscheid (25.2., 20.15 Uhr, das Erste) performen wird, der Richtige für den ESC ist.

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Erfolg, Liebe und Stefan Raab

 

Der Song passt sehr gut zum ESC...

 

Ralph Siegel: Das finde ich auch. Zum einen kann das Lied in ganz Europa verstanden werden. Für Europa muss man schon in Englisch singen. Das haben in den letzten Jahren sogar die Russen und die Schweden gemacht. Eine Ausnahme ist vielleicht die alte Belcanto-Sprache Italienisch, aber das muss dann schon ein Tenor machen. Noch wichtiger ist mir aber die Message, gerade in der Situation, in der sich Europa und auch Deutschland momentan befinden.

 

Wie lautet die Message?

 

Siegel: Under the Sun we are one - unter der Sonne sind wir eins! Haltet zusammen, Kinder! Oder wie sagt man heute so schön: Rockt diese Welt gemeinsam! Versucht mit Herz an den Nachwuchs, die Jugend, die Kinder zu denken. Und denkt daran, wie gut geht es uns... Das ist die Message des Songs. Mit Musik kann man die Welt nicht verändern, aber man kann Gedanken formulieren, die vielleicht für ein Umdenken sorgen. Völkerverbindend ist sie in jedem Fall. Dazu ist der Eurovision Song Contest ja auch da.

 

Ihre Biografie, Ihre Patchwork-Familie, die ESC-Leidenschaft. Sie machen alles immer sehr liebevoll oder täuscht das?

 

Siegel: Alles was man macht, muss man mit Liebe machen. Wenn du deine Kinder nicht liebst, bist du kein guter Vater. Wenn du deine Frau nicht liebst, bist du kein guter Ehemann. Mit Liebe gemacht ist das Essen. Mit Liebe gemacht ist die Hochzeit. Mit Liebe gemacht ist das Frühstück. Und wenn dir jemand nur einen Kaffee hinknallt, ist es eben nicht mehr mit Liebe gemacht. Das fühlt sich dann auch nicht schön an. Die Liebe ist schon mit das Wichtigste im Leben.

 

Auch die Liebe zur Musik?

 

Siegel: Die Liebe stellt sich manchmal nicht nur körperlich dar, sondern auch geistig und kreativ. Auch bei der Musik ist am Anfang die Liebe. Wenn man es dann professionell macht, ist es natürlich auch ein harter Job. Die Liebe zur Kunst hat schon viele arme Künstler ins Verderben gebracht. Auch ich habe in den letzten Jahren mit meiner Liebe zum Grand Prix und zu meinen Künstlern mehr draufbezahlt, als ich jemals wieder zurückverdienen kann. Aber es ist meine Liebe - auch zum Leben.

 

Wenn Sie den Vorentscheid schaffen und beim ESC antreten, ist es dann das letzte Mal?

 

Siegel: Nein, es ist das letzte Mal, dass ich für Deutschland starten würde. Ich mache ja weiter meine Musik. Für Deutschland habe ich mich so oft engagiert, einmal den ersten, dreimal den zweiten, zweimal den dritten und zweimal den vierten Platz gemacht. Einmal sind wir auch untergegangen. Aber das ist nun mal so, du kannst nicht immer nur oben stehen. Und wenn ich jetzt für Deutschland nochmal starten könnte, dann wäre es auf jeden Fall zum letzten Mal.

 

Wenn es am Donnerstag nicht klappt: Wie fangen Sie Laura dann auf?

 

Siegel: Natürlich bin ich dann für sie da. Für Laura ist es aber so oder so ein große Erfahrung. Und das Leben geht ja auch weiter, wenn wir es nicht schaffen. Das Wichtigste ist zu leben und sich immer wieder neue Ziele zu setzen.

 

Laura und Sie verbindet auch eine Krankheitsgeschichte...

 

Siegel: Naja, das kann man nicht wirklich vergleichen: Sie hat als Kind drei Jahre lang mit Knochenkrebs zu tun gehabt. Zwölf Chemotherapien. Das ist für so einen jungen Menschen wahnsinnig schwer wegzustecken. Sie war sogar beim Papst und er hat ihr das Zeichen auf die Stirn gegeben. Vielleicht hat es in ihrem Fall ja Kraft gegeben. Dagegen hatte ich mit 61 meine erste Krebs-Diagnose. Man hat mir sechs Monate gegeben. Dann habe ich das überlebt, Gott sei Dank. Zwei Jahre später kam die nächste Krebs-Diagnose mit zehn Wochen Bestrahlung. Aber als alter Mann hat man sein Leben schon gelebt. Laura war am Anfang ihres Lebens. Das ist schon ein großer Unterschied.

 

Von Ihnen wurde in den vergangen zwölf Jahren kein Lied für den ESC genommen, von Stefan Raab schon. Wie sehr war er Ihr Konkurrent?

 

Siegel: Stefan Raab war ein fantastischer Entertainer und Komödiant. Ich bewundere es, wie viele Shows er gemacht hat. Als es dann aber plötzlich hieß, er sei Mister Grand Prix, fand ich das schon nicht so toll. Er war ja nicht einmal unter den ersten Vier, ich achtmal. Man darf auch nicht vergessen, dass Stefan Raab seit 16 Jahren Grand Prix macht, mit aller Power und eigener Fernsehsendung. Der Erfolg war aber eigentlich nur Lena mit einem amerikanischen Song.

 

Das wollen die Leute aber hören. In den vergangenen Jahren sind auch viele Schlager- und Volksmusiksendungen abgesetzt worden...

 

Siegel: Die Grandiosität zeigt sich dennoch in einer Helene Fischer, zu der zweimal 62.000 Menschen ins Berliner Olympiastadion kommen. Das ist schon ein Wort.

 

Haben Sie Helene Fischer schon mal getroffen?

 

Siegel: Ich kenne Helene Fischer seit ihren Anfängen. Erich Ließmann, der sie zusammen mit Uwe Kanthak entdeckt hat, hat sie mir schon vor zwölf Jahren vorgestellt. Als "Gute Laune TV" anfing, hat sie dort ihr erstes Lied präsentiert. Aber auch sie hat zehn Jahre gebraucht, um in diesem Land akzeptiert zu werden. Da muss dann der Glücksfall "Atemlos" kommen. Ihre Lieder davor waren alle gut, du brauchst aber den einen großen Song. Der entscheidet dein Leben.

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