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'Ralph reichts' - Filmkritik

4,5 von 5 Punkten

04.12.12 09:17

Was für eine süße Idee: Videospiel-Fiesling Ralph hat keine Lust mehr, immer der Böse zu sein und steigt einfach aus. Disney zeigt sich dieses Jahr extrem mutig und verzichtet in seinem X-Mas-Movie auf Weihnachtsmänner und Elfen. „Ralph reichts“ soll nicht nur Familien, sondern auch die Gamer-Community ansprechen. Ob diese zwei Zielgruppen kompatibel sind?

Die Antwort lautet: ja! Denn schon der pixelige Retro-Look des 80er-Jahre-Spiels ,Fix-it-Felix‘, in dem Ralph (deutsche Stimme: Christian Ulmen) tagein tagaus sein Dasein als Bösewicht fristet, lässt die Herzen der Computerspielfreunde höher schlagen. Doch es kommt noch besser. Was machen die Videospiel-Protagonisten eigentlich nach Feierabend? Während sich die Helden der virtuellen Welt irgendwo einen Drink genehmigen, sitzt Randale-Ralph zusammen mit Pacman bei den Anonymen Bösewichten und heult sich aus. Doch die Selbsthilfegruppe bringt ihn auch nicht weiter.

Auch bei der Jubiläumsfeier zum 30-jährigen Bestehen von ‚Fix-it-Felix‘ darf Ralph nicht mitspielen. Weil er, anders als der Streber Felix, nie eine Medaille gewinnt, beschließt unser grobschlächtiger Antiheld, in den Sack zu hauen und sich woanders eine Medaille zu verdienen. Dabei verschlägt es den simpel gestrickten ‚Bad guy‘ mit dem Herz aus Gold ausgerechnet in den brutalen High-Definition-Egoshooter ‚Hero’s Duty‘, wo er zwar aus Versehen tatsächlich eine Medaille bekommt, aber von gefährlichen Cy-Bugs geradewegs ins nächste Spiel katapultiert wird.

Was fürs (Spieler)Herz


Und das ist die die poppig-bunte Asia-Kitschwelt des Mädchen-Spiels ‚Sugar Rush‘, in dem ihm eine freche Trick-Göre namens Vanellope von Schweetz (gesprochen von Anna Fischer) gehörig auf den Zeiger geht und ihm sein Goldstück klaut. Natürlich – schließlich ist ‚Ralph reichts‘ der Disney-Weihnachtsfilm – muss der tumbe Fiesling lernen, dass man gemeinsam mit einem Freund viel mehr erreichen kann, aber in einer Freundschaft auch mal was geben muss. Doch bis er und die ebenso selbstsüchtige Vanellope das gerafft haben, gibt es noch mehr Action zu sehen, als man im Lollipop-Level von Ralphs Heldenreise erwartet hätte. Denn die Cy-Bugs starten eine Invasion, um die Zuckerguss-Welt dem Erdboden gleichzumachen. Nun muss Ralph zeigen, dass er nicht nur Randale kann, sondern genauso das Zeug zum Superhelden hat wie der pfiffige Felix, der ihm schon auf den Fersen ist.

Mit spielerischer Leichtigkeit schaffen es die Disney-Animateure, die optisch sehr unterschiedlichen Spielwelten zu einem stimmigen Ganzen zu kombinieren. Rabauke Ralph und der quietschende Kleinmädchen-Alptraum Vanellope wachsen einem schnell ans Herz. Dazu wartet der Film mit einem Feuerwerk an Anspielungen und hübschen Details auf, die nicht nur Kinder begeistern werden, sondern auch ihre Eltern und Hardcore-Gamer auf ihre Kosten kommen lassen. Ein paar flotte Sprüche mehr hätten es vielleicht sein können, aber wir wollen den armen Ralph ja nicht mit Gemecker wieder in die Therapiegruppe treiben.

Von Mireilla Zirpins




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Fotos: Splash News, WENN Entertainment, GettyImages, dpa
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