Rain Man nach 09/11: 'My Name Is Khan'

Bollywood-Star Shah Rukh Khan als Autist

Rain Man nach 09/11: 'My Name Is Khan'

Indiens Superstar Shah Rukh Khan, in seiner Heimat populärer als Tom Cruise und Brad Pitt zusammen und auch hierzulande zunehmend beliebt, in einem herzergreifenden Film, der es manchmal zu gut meint: Als harmloser Autist gerät er in die Fänge der Terroristenjäger, schafft es aber bis zum Weißen Haus.

Wer hätte heutzutage nicht Angst, am Flughafen mal was Falsches zu sagen oder irgendeinen Kosmetik-Schmier so fürs Handgepäck abgepackt zu haben, dass er bei der Kontrolle höchstverdächtig wirkt? Wir alle wissen, dass die Airport-Sicherheitsfanatiker damit bislang keine Terroranschläge verhindert, sondern vor allem unschuldige Bürger behelligt haben. Und so geht es auch beim indischen Regisseur Karan Johar (‚Sometimes Happy, Sometimes Sad‘). Shah Rukh Khan spielt den in die USA ausgewanderten Inder Khan, der in seiner neuen Heimat als Muslim ständig Diskriminierungen ausgesetzt ist.

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"Mein Name ist Khan, ich bin kein Terrorist!"

Obwohl er mit seiner hinduistischen Frau Mandira (die indische Bollywood-Königin Kajol) äußerst integriert lebt, steht Khan wie viele Menschen seiner Religion nach dem 11. September 2001 unter Generalverdacht. Nur weil die mutmaßlichen Attentäter Muslime waren, hält man auch Menschen wie Khan für potenzielle Terroristen. Als Khans und Mandiras Sohn in der Schule von Muslimen-Hassern zu Tode geprügelt wird, schreit Mandira ihren Schmerz hinaus, während Khan als Autist seine Gefühle nicht zeigen kann. Dass ihre Hindu-Familie sich gegen ihn wendet, trägt zum Zerbrechen der großen Liebe bei.

Als Mandira in ihrer Verzweiflung Khan anherrscht, er möge doch dem Präsidenten klar machen, dass er kein Attentäter sei, versteht er den Zynismus wörtlich und macht sich auf den Weg. Auf seiner Odyssee durch die Vereinigten Staaten hat er einige unschöne Zusammentreffen mit der Staatsgewalt und wird an einem Flughafen hops genommen, als er das Falsche sagt. Seine mit autistischer Teilnahmslosigkeit vorgetragene Verteidigung „Mein Name ist Khan, ich bin kein Terrorist“ ist dabei natürlich eher kontraproduktiv.

Khan muss ganz tief durch das Tal der Tränen hindurch – und der Zuschauer mit ihm. Dabei ist es gar nicht so sehr der etwas ungelenk aufspielende Shah Rukh Khan, der ein bisschen zu sehr auf „Rain Man“ macht, der das Herz der Zuschauer rührt, sondern die umwerfend gute Kajol, die sich während ihrer Elternzeit im Bollywood-Kino sehr rar gemacht hatte und nun mit einer starken Mutter-Rolle zurückkehrt.

Dass Khan auf seiner Irrfahrt durch das Land der Terroristenjäger nebenbei auch noch beim Wirbelsturm Katrina den Märtyrer geben darf, ist ein bisschen zu viel aufgetragen. Immerhin funktioniert die Love-Story und das Drama, und die Botschaft ist gut gemeint. Karan Johar holt zwar episch so weit aus wie im Bollywood-Drama üblich, macht seine Geschichte wegen ihrer politischen Tragweite aber auch für den westlichen Markt interessant. Fans des indischen Kinos werden die Gesangseinlagen vermissen, die der Regisseur mit einem cleveren Schachzug auf eine einzige schöne Referenz ans Kino seiner Heimat in einer Szene mit einem Gospelchor beschränkt.

Von Mireilla Zirpins

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