Rachel McAdams zähmt den drittschlimmsten Menschen der Welt

Rachel McAdams zähmt den drittschlimmsten Menschen der Welt
© Photography by: Macall Polay

Hochmotivierte junge Frau trifft auf alten Griesgram, eigentlich sind sie aufeinander angewiesen, aber ihre Arbeitsvorstellungen liegen in etwa so weit auseinander wie Berlin und Sydney. Trotzdem müssen sie als Produzentin und Moderator die Morningshow ‚Daybreak’ vor dem Quotentod retten. ’Notting Hill’-Regisseur Roger Michell setzt in seinem neuen Werk ’Morning Glory’ voll auf den Konfrontationskurs. Harrison Ford als „drittschlimmster Mensch der Welt“ und die bezaubernde Rachel McAdams retten aber dabei nicht nur die Show, sondern auch den Film.

Mike Pomeroy (Harrison Ford) trägt bevorzugt Ringelsocken zu seinen Maßanzügen, er hat als TV-Nachrichtenmann die Welt gesehen, er hat diverse Preise für seine Berichterstattung gewonnen, er hat seine Prinzipien, und er hat ein Faible für Fasanenjagd - und das Moderieren einer täglichen Frühstücksfernsehshow ist natürlich absolut unter seiner Würde. Aber er muss es trotzdem machen, denn da gibt es diese quirlige junge Produzentin Becky Fuller (Rachel McAdams), die dummerweise eine Klausel in seinem Arbeitsvertrag schamlos ausnutzt.

Pomeroy, der unter Insidern als „drittschlimmster Mensch der Welt gilt“, ist damit gezwungen, jeden Morgen neben der geltungssüchtigen Ex-Schönheitskönigin von Arizona zu sitzen und mit ihr die für einen Mann seines Kalibers absolut unwürdige Morningshow ’Daybreak’ zu moderieren. Welch Graus! Seinen Unwillen und seine Verachtung lässt Pomeroy dann auch jeden spüren. Der Hausfrau zum morgendlichen Kaffee zu erklären, wie man das beste Rührei der Welt macht oder dem Haustier lustige Tricks beibringt, kommt für Pomeroy nun mal nicht in Frage. Das überlässt er seine Co-Moderatorin Colleen Peck (Diane Keaton, wie immer brillant) – die sich für jedwede Art der Peinlichkeit nicht zu schade ist.

Aber Becky zeigt sich relativ unbeeindruckt von Pomeroys ablehnender Haltung und seinen abfälligen Sprüchen. Sie lässt nicht locker, ist fast schon penetrant gutgelaunt und redet ohne Punkt und Komma. Schlimmer noch – sie traut sich in ihrem jugendlichen Leichtsinn sogar, dem Urgestein der TV-Nachrichten Kontra zu geben. Unerhört – aber irgendwie auch interessant. Und so schafft es die engagierte Becky, sich Stück für Stück Pomeroys Respekt zu verdienen …

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Rachel McAdams zähmt den drittschlimmsten Menschen der Welt
© Photography by: Macall Polay

Wie diese Geschichte endet, ist damit nun auch kein großes Geheimnis mehr. Dazu muss jedoch auch gesagt werden, dass das in Roger Mitchells Film ’Morning Glory’ zweitrangig ist. Die neue Komödie des ’Notting Hill’-Regisseur lebt von dem unterhaltsamen Spiel seiner beiden Protagonisten. Rachel McAdams gelingt es einmal mehr, einer Figur glaubhaft Leben zu verleihen. Man nimmt ihr die hoch motivierte, aber auch leicht durchgeknallte TV-Producerin voll und ganz ab. Auch Harrison Ford spielt den in die Jahre gekommenen, zynischen und ständig mies gelaunten Nachrichtenmann sehr überzeugend. Und zusammen schaffen es die beiden, die doch ziemlich absehbare Handlung des Films im wahrsten Sinne anschaulich zu machen.

Und damit auch die obligatorische Portion Romantik bei soviel Wortgefechten nicht zu kurz kommt, hat Patrick Wilson als smarter Reporter Adam Bennett eine Nebenrolle in ’Morning Glory’’ergattert. Und obwohl Becky Fuller vollkommen in ihrem Job aufgeht, findet sie tatsächlich nebenbei ein wenig Zeit für die Liebe.

Fazit: ’Morning Glory’ wird sicherlich kein Meilenstein der Filmgeschichte werden, aber der Kinobesuch ist Dank der hohen Stardichte trotzdem keine Zeitverschwendung. Auch wenn der Blick hinter die Kulissen der Fernsehwelt streckenweise sehr klischeehaft anmutet, schafft es Rachel McAdams durch ihr erfrischendes Spiel immer wieder, den Zuschauer schmunzeln zu lassen.

Von Kathrin Pleiss

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