Queen Elizabeth II.: Ein weiblicher Papst mit deutschen Wurzeln

Queen Elizabeth II.: Ein weiblicher Papst mit deutschen Wurzeln
Wieder ein Jubiläum: Queen Elizabeth II. © Jon Furniss/Invision/AP

Sie hat einen Rekord gebrochen, der für die Ewigkeit zu sein schien. Seit über 63 Jahren sitzt Queen Elizabeth II. auf dem englischen Thron. Seit dem 09. September, Punkt 18.30 Uhr, sind es genau 23.226 Tage - einen Tag länger als ihre legendäre Ur-Ur-Großmutter Queen Victoria (1819 - 1901). Damit ist Elizabeth die dienstälteste Monarchin in der britischen Geschichte. Was sind die Geheimnisse dieser ungewöhnlichen Frau?

Geheimnisse um Rekord-Queen

 

Ihre Macht

 

Elizabeth II. ist konstitutionelle Königin des Vereinigten Königreiches (England, Wales, Schottland) und Nordirland und hat nur eine stark begrenzte politische Macht, aber hohen moralischen Einfluss. Außerdem ist sie Oberhaupt von 53 Commonwealth-Staaten - und eine Art weiblicher Papst: Elizabeth steht der anglikanischen Staatskirche Englands vor.

 

Ihre Wurzeln

 

Elizabeth aus dem Hause Windsor hat deutsche Wurzeln und spricht auch Deutsch. Das hat Tradition, denn seit über 300 Jahren sitzen Könige und Königinnen, die deutschen Adelsfamilien entstammen, auf dem englischen Thron. Es begann 1714 mit dem Welfen George I., Kurfürst von Braunschweig und Lüneburg, der dem Geschlecht der Stuarts folgte und das House of Hannover etablierte. Nach dem Tod der legendären Queen Victoria 1901 endete die Hannover-Dynastie. Mit Eduard VII. wurde erstmals ein Angehöriger des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha König von England. Während des Ersten Weltkriegs wurde 1917 mit Rücksicht auf die britische Öffentlichkeit der anglisierte Name Saxe-Coburg and Gotha in "Windsor" umbenannt - nach dem königlichen Besitz Windsor Castle in der Grafschaft Berkshire. Ohne diese Namensänderung hieße Elizabeth II. heute mit vollem Namen Elizabeth Alexandra Mary von Sachsen-Coburg und Gotha.

 

Ihr Geld

 

Queen Elizabeth bekommt vom englischen Finanzministerium einen jährlichen Betrag überwiesen, damit sie ihren repräsentativen Pflichten nachkommen kann. 2015 waren es 40 Millionen Pfund (rund 55 Mio. Euro). Dabei handelt es sich um einen Anteil aus den Erträgen des Kronbesitzes (u.a. Immobilien, Freizeitparks, Einkaufszentren, Küstenlandstriche, Pferderennbahn Ascot), die seit 1760 an den Staat fließen. Mit dem sagenhaften Reichtum der Königin ist es nicht besonders weit her. Ihr Gesamtvermögen wird auf etwa 400 Millionen Euro geschätzt. Damit liegt Elizabeth II. weit abgeschlagen hinter britischen Milliardären wie dem indischstämmigen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal, den russischen Oligarchen Alisher Usmanow und Roman Abramowitsch oder dem Formel-1-Manager Bernie Ecclestone; sogar Ex-Beatle Sir Paul McCartney soll doppelt so reich sein wie Elizabeth. Ihr Geld hat die Queen in Immobilien, Schmuck, Pferdegestüte und Obstplantagen investiert.

 

Ihre Hobbys

 

Elizabeth ist eine leidenschaftliche Reiterin und Pferdezüchterin. Selbst im hohen Alter von 89 Jahren wird sie bisweilen im Schlosspark von Windsor bei Ausritten gesehen. Und sie fotografiert gern, vornehmlich ihre Urenkel Prinz George (2) und Prinzessin Charlotte (4 Monate). Außerdem fährt sie für ihr Leben gern Auto. Obwohl sie das Autofahren bereits 1945 gelernt hat, besitzt sie bis heute keinen offiziellen Führerschein (übrigens auch keinen Reisepass).

 

Ihre Tiere

 

Königin Elizabeth ist regelrecht in Vierbeiner vernarrt. Sie liebt Pferde und Hunde, die sie mal als ihre "wahre Familie" bezeichnet hat, und wäre als junges Mädchen am liebsten Tierärztin geworden, wenn sie nicht in der Pflicht als Thronfolgerin gestanden hätte. Ihre Tierliebe animierte etliche Staatsmänner zu ungewöhnlichen Gastgeschenken. So bekam sie aus Brasilien Faultiere und einen ausgewachsenen Jaguar, aus Kanada ein Pärchen Schwarzbiber. Diese Präsente gab sie an den Londoner Zoo weiter. Um ihre fünf Gorgis (britische Hunderasse) kümmert sie sich rührend. Nur Ehemann Philip darf ungestraft über die "bloody dogs" (verdammte Hunde) lästern. Als ein Bediensteter den Corgis Whisky in die Näpfe schüttete, wurde er sofort degradiert. Aus ihrem Umfeld heißt es, dass sie neue Würfe abgibt, weil sie keinen jungen Hund hinterlassen möchte.

 

Ihre Hüte

 

Die englische Königin hat einen ausgeprägten Modestil. Sie liebt farbkräftige Kostüme, Perlenketten, Handschuhe und voluminöse Hüte, die nicht immer en vogue sind. 5000 Exemplare soll sie besitzen. Bei ihren Landbesuchen oder Ausritten trägt sie gern ein Kopftuch.

 

Ihre Dramen

 

Das Leben der Königin ist überschattet von großen und kleineren Dramen. Das schlimmste Erlebnis dürfte 1997 der Tod ihrer ehemaligen Schwiegertochter Prinzessin Diana gewesen sein. Die Tragödie um den tödlichen Unfall der "Königin der Herzen" lähmte die halbe Welt, und weite Teile der britischen Presse unterstellten der Queen Gefühlskälte, weil sie sich nicht zu Wort meldete. Erst fünf Tage nach Dianas Tod hielt Elizabeth eine bewegende Trauerrede im Fernsehen.

Tragisch waren auch die Umstände ihrer Thronbesteigung. Im Winter 1952 bereiste die Kronprinzessin Elizabeth mit ihrem Mann Prinz Philip verschiedene Commonwealth-Länder. Das Paar befand sich gerade in Kenia, als am 6. Februar Prinz Philip die Nachricht erhielt, dass König George VI. an Lungenkrebs gestorben war. Er informierte seine Frau bei einem Spaziergang vom Tod ihres Vaters. Noch am gleichen Tag flog Elizabeth zurück nach England, wo sie den Thron bestieg und am 2. Juni 1953 zur Königin gekrönt wurde.

Ein schwerer Schicksalsschlag war auch der Tod ihrer geliebten, vier Jahre jüngeren Schwestern Prinzessin Margaret, die 2002 nach mehreren Schlagfällen mit Alter von 71 Jahren starb. Ebenso wie der Mord an Lord Louis Mountbatton, ein Onkel ihres Mannes Philip, der 1979 in Irland durch eine Bombe der IRA starb.

Zu den kleineren, aber dennoch sehr schmerzlichen Dramen dürften die Eheskandale in ihrer Familie und das darauf folgende, gewaltige Echo in der Weltöffentlichkeit zählen. 1992 sprach die Königin von einem "annus horribilis" (Schreckensjahr): Im März trennte sich ihr Sohn Andrew von seiner Frau Sarah Ferguson, im April ließ sich ihre Tochter Anne von ihrem Mann Mark Philips scheiden, und im Dezember gingen ihre ältester Sohn, Thronfolger Prinz Charles, und seine Frau Prinzessin Diana auseinander.

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