Prickeln wie bei ‚Mr. & Mrs. Smith? – ‚The Tourist’

Prickeln wie bei ‚Mr. & Mrs. Smith? – ‚The Tourist’
© Peter Mountain

Erinnern Sie sich noch an den Klatsch vor dem Filmstart von ‚Mr. & Mrs. Smith’? Es knisterte auf der Leinwand derart zwischen Brad Pitt und Angelina Jolie, dass sich die Filmkritiker einig waren: Das ist nicht gespielt, das ist echt. Kurz darauf zog Brad Pitt bei Jennifer Aniston aus und bei seiner Filmpartnerin ein. Fünf Jahre später kocht die Gerüchteküche wieder hoch. Diesmal soll sich Frau Jolie, die in der Klatschpresse seither als Ehezerstörerin gehandelt wird, bei den Dreharbeiten zu ‚The Tourist’ an ihren Filmpartner Johnny Depp herangeschmissen haben. Ist es wieder da, dieses Prickeln auf der Leinwand?

Müssen wir nun damit rechnen, dass Depp bei Vanessa Paradis auszieht und Brad Pitt allein da steht?

Der Agententhriller lieferte schon im Vorfeld genug Stoff für Spekulationen. Eine heiße Duschszene soll auf Wunsch von Vanessa Paradis gestrichen worden sein. Wenn das stimmt, ist das, was übrig blieb, deutlich entschärft. Da endet die erste Begegnung der geheimnisvollen Elise (Angelina Jolie) mit dem unscheinbaren Touristen Frank (Johnny Depp) in einer wilden Verfolgungsjagd mit der Polizei. Was der leicht trottelige und naive Mathelehrer Frank nicht ahnt: Das Treffen der zwei war keineswegs zufällig. Die geheimnisvolle Schöne ist die Geliebte des weltweit gesuchten Milliarden-Betrügers Alexander Pearce. Mit dem Touristen Frank will Elise ihre Verfolger auf eine falsche Spur locken. Und das scheint ihr zu gelingen.

Die Reise führt die beiden nach Venedig, er fühlt sich geschmeichelt, dass sie seine Nähe sucht. Sie lädt ihn in ihr Hotelzimmer ein, doch am nächsten Morgen ist sie verschwunden. Statt der schönen Elise begrüßen Frank zwei Agenten zum Frühstück. Inspektor Acheson (Paul Bettany), der mit einer unberechenbaren Verbissenheit an den Fersen von Elise klebt, glaubt in Frank den gesuchten Alexander Pearce gefunden zu haben. Im Affekt flüchtet der Mathelehrer über die Dächer Venedigs. Es beginnt ein halsbrecherisches Abenteuer, in dem er gleichzeitig von der Polizei und russischen Killern, die auch noch eine Rechnung mit dem Milliardenbetrüger offen haben, gejagt wird.

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Prickeln wie bei ‚Mr. & Mrs. Smith? – ‚The Tourist’

Mit Venedig hat Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck (‚Das Leben der anderen’) eine traumhafte Kulisse für seinen zweiten Spielfilm gefunden. In den Kanälen bietet sich eine Menge Möglichkeiten für Verfolgungsjagden der besonderen Art. Aber genau da, hat der Oscarprämierte deutsche Regisseur es des häufigeren an Sorgfalt mangeln lassen. Anschlussfehler und unrealistische Effekte lassen den Film teils stümperhaft wirken. Ein Horde Agenten im Trenchcoat und mit Sonnenbrille erwarten Frank und Elise mit einer lächerlich wirkenden Choreografie am Bahnhof. Für eine Komödie ideal, aber nicht für einen Thriller.

Einen besseren Riecher bewies Henckel von Donnersmarck bei der Wahl seiner Hauptdarsteller. Die Figur des unscheinbaren, aber vertrottelten Touristen Frank Tupelo liegt Johnnny Depp. Er verleiht der Figur, wie schon so oft, seine persönliche Note: Verschusselt mit einer gut dosierten Prise Humor. Wer sich jetzt an Jack Sparrow erinnert fühlt, liegt richtig. Denn auch in Frank Tupelo schwingt wieder ein Hauch des ‚Fluch der Karibik’-Kapitäns mit. Das jedoch tut dem Film keinen Abbruch, sondern ist vielmehr ein Bonus, da der Regisseur eher auf komödiantische Elemente denn auf Spannung setzt.

Angelina Jolie variiert ihren kühlen Gesichtsausdruck kaum, was aber ihrer Rolle perfekt entspricht. Kaum vorstellbar, dass Johnny Depp während der Dreharbeiten den anscheinend recht derben Humor seiner Filmkollegin entdeckt haben will. Den hält sie in der Rolle leider gut versteckt. Vielleicht hätte das dem Film gar nicht so schlecht getan.

Jeder für sich macht seine Sache also gut. Von erotischer Spannung zwischen Angelina Jolie und Johnny Depp kann hingegen keine Rede sein. So, wie die beiden miteinander agieren kann auch an dem Gerücht mit der angeblich so heißen Duschszene nicht viel dran sein. Wenn Vanessa Paradis und Brad Pitt den Streifen gesehen haben, können sie wieder ruhig schlafen. Denn die manchmal lang scheinenden 108 Minuten plätschern ohne wirklichen Höhepunkt vorbei – und ohne ‚Mr. & Mrs. Smith’-Faktor.Von Elke Feldmann

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