Postbote stellt Briefe aus aller Welt an Baumgeist zu

Kleine Himmelgeister Kastanie
Der Postbote Ekrem Dönder bringt Briefe zum Kasten vor der neu gepflanzten kleinen Himmelgeister Kastanie. Foto: Maja Hitij © DPA

Briefe an einen Baumgeist - für den Postboten Ekrem Dönder ist das kein Märchen, sondern Alltag. Bis vergangenen Dezember stellte er fast 6000 Zuschriften an "Jüchtwind" zu, den unsichtbaren Bewohner der 150 Jahre alten Himmelgeister Kastanie in Düsseldorf.

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Ein halbes Jahr pausierte die Zustellung, nachdem das wuchtige Gewächs wegen einer Krankheit hatte gefällt werden müssen. Den Job von "Jüchtwind" übernimmt jetzt der junge Geist "Erona" in einer neuen Kastanie. Dönder macht sich wieder auf den Weg. Die Deutsche Presse-Agentur sprach mit dem 53-Jährigen über seinen ungewöhnlichen Auftrag.

Frage: Sie sind sieben Jahre lang mit dem Rad zum Briefkasten am Rheinbogen gefahren. Jetzt geht es wieder los: Kostet Sie der Umweg viel Zeit?

Antwort: Das sind gut zwei Kilometer. Jetzt habe ich ein E-Bike, damit dauert es zehn bis 15 Minuten zusätzlich. Das machen wir gerne, es geht schließlich darum, die Heimat und die Idee zu unterstützen.

Frage: Hat Ihnen der Baum-Briefkasten gefehlt?

Antwort: Ja, auf jeden Fall. Ich bin zwar kein Düsseldorfer, aber ich gehe oft in der Gegend laufen und das tut schon weh, dass der Baum nicht mehr da ist. Jetzt übernimmt die Tochter von der Mutter. Sie wird sie nie ganz ersetzen können, aber sie kann den Schmerz etwas lindern.

Frage: Wie gefällt Ihnen der Name des neuen Baumgeists "Erona"?

Antwort: Da muss ich mich erstmal dran gewöhnen. Aber der "Jüchtwind" ist ja nicht weg, er kommt immer aus heiterem Himmel, gerade wenn die Sonne scheint (lacht).

Frage: Was würden Sie an "Erona" schreiben?

Antwort: Ich würde fragen, wie sie sich fühlt und was sie jetzt genau vor hat.

Frage: Woher kommt eigentlich die Post an einen Baumgeist?

Antwort: Aus Neuseeland, China, Australien, von der ganzen Welt. Wir schütteln manchmal selber den Kopf. Vor zwei Jahren hat sogar Bundeskanzlerin Merkel geschrieben.


dpa
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