'Pompeii' mit Kiefer Sutherland, Kit Harrington und Emily Browning: Katastrophen-Kitsch mit Ponys

Pompeii
Kit Harington als Milo (rechts) hat auch mit unterirdischen Dialogen zu kämpfen.

1 von 5 Punkten

Nichts gegen einen guten Sandalenfilm, auch wenn das Genre vielleicht ein bisschen aus der Mode gekommen ist. Aber diese Möchtegern-Mischung aus ‚Titanic‘ und ‚Gladiator‘ ist so trashig, dass man sich glatt fragt, ob das wirklich ernst gemeint sein kann. Dabei setzt Action- Spezialist Paul W. S. Anderson (‚Alien vs. Predator‘, ‚Resident Evil‘) auf bewährte Baukasten-Elemente.

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Mireilla Zirpins

Ein schnuckliger Gladiator (verkörpert vom britischen Newcomer Kit Harrington, bislang erst im letzten ‚Silent Hill‘-Filmchen und in der TV-Serie ‚Game Of Thrones‘ zu sehen) verknallt sich in eine ebenfalls niedliche Patriziertochter (genauso ein unbeschriebenes Blatt: Emily Browning aus ‚Sucker Punch‘ und ‚Sleeping Beauty‘). Bei dem Klassenkonflikt lässt ‚Titanic‘ schön grüßen. Um noch eins draufzusetzen und sein Sandalenepos noch frauenkompatibler zu gestalten, hat sich Anderson beim ‚Pferdeflüsterer‘ inspirieren lassen: Cassia erwidert Milos Gefühle, denn wer so nett mit den Zossen redet wie der schmucke Jüngling, der ist bestimmt auch ein guter Liebhaber.

Nur will es nicht so recht zur Vereinigung kommen, denn es gibt noch ein paar Problemchen, die stark an ‚Gladiator‘ gemahnen. Milo ist ein nämlich kein freier Mann, sondern ein Sklave, der bei seinem nächsten Kampf dem grausamen Hünen Atticus (Adewale Akinnuoye-Agbaje aus ‚Lost‘) als Futter vorgeworfen werden soll – ein ‚David-gegen-Goliath‘-Fight, bei dem das Sixpack des nur 1,72 Meter kleinen Kit Harrington digital so mies aufgebrezelt wurde, dass die Muckis glatt viereckig wirken.

Aber es gibt noch schlimmere Widersacher: Ausgerechnet der fiese Corvus (vom einzigen wirklichen Star des Films, Kiefer Sutherland, recht eindimensional als Oberbösewicht mit immer gleichem Mundwinkelzucken angelegt), der einst Milos Eltern vor seinen Augen abschlachten ließ, ist ebenfalls scharf auf Cassia. Und das alles vor der Kulisse des Vulkans Vesuv, der stets so bedeutungsschwanger faucht und grummelt, dass selbst Menschen, die nicht wissen, was im Jahre 79 n. Chr. in Pompeii passierte, ahnen, dass er nicht noch einen weiteren Tag lang still halten wird.

Soll man lachen oder weinen?

Pompeii
Davon träumt doch jedes Romantikerherz: Knutschen im Ascheregen

Ist ja im Prinzip nicht so schlimm: Bei ‚Titanic‘ weiß auch jeder, dass der Kahn am Ende sinken wird. Da ist eben spannend, wer es noch in die Boote schafft. Bei 'Pompeii' schämt man sich aber die ganze Zeit so fremd, wenn etwa der halbnackte Milo und die mit wehenden Chiffonroben aufgehübschte Cassia auf ihrem Schimmel in den Sonnenuntergang und vor den glühenden Krater des Vesuv reiten, dass man nicht so recht weiß, ob man mitfiebern oder einfach herzlich lachen soll. Dazu steht jeder Totgeglaubte mindestens noch einmal auf, damit unser Held mit angespannten Digitalmuskeln noch ein bisschen Schwertakrobatik zeigen kann. Und die meisten ‚Darsteller‘ sind echt herausgefordert damit, ihre hölzernen Einzeiler aufzusagen. Wenn doch wenigstens die Effekte des 3D-Spektakels hochwertig wären! Aber nein, die Pyrotechnik beim Vulkanausbruch wiederholt sich so oft, dass man vermuten muss, dass hier digital kopiert wurde.

Am allerpeinlichsten aber ist der Abspannsong ‚Like Lovers Do‘ von Madeline Juno, eine moderne Popballade, deren eher bemüht poetische Textzeile ‚I breathe you in / and fill my lungs with cigarette smoke and oxygen‘ (Ich atme dich ein und fülle meine Lungen mit Zigarettenrauch und Sauerstoff) wie Hohn anmutet, wenn auf der Leinwand gerade die letzten Opfer an Rauchvergiftung sterben oder unter den Lavamassen versinken. Aber ach, was hatten wir auch nach all dem Trash erwartet!

Kinostart: 27.02.2014

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