"Polizeiruf"-Regisseur Moore: "Krass, hier passiert etwas Wichtiges"

"Polizeiruf"-Regisseur Moore: "Krass, hier passiert etwas Wichtiges"
Eoin Moore saß schon oft für den "Polizeiruf 110" auf dem Regiestuhl © Adrian Moore

Zum Jubiläum der Deutschen Einheit hat sich die ARD an ein ganz besonderes Projekt gewagt: Einen Crossover-"Polizeiruf 110" mit zwei Teams aus ostdeutschen Städten. Mit spot on news hat "Wendemanöver"-Regisseur Eoin Moore über die Herausforderungen das Mammutprojekts gesprochen.

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Der Regisseur über die Wende

 

Herr Moore, was war die größte Herausforderung für diesen Crossover-"Polizeiruf"?

 

Eoin Moore: Die Geschichte an sich. Sie ist sehr komplex und man muss aufpassen, dass die Dramaturgie stimmt. Besonders ist auch, dass diese Folge sehr viele Kommissare hat. Da kann es schon mal schwierig werden, den einzelnen Kommissaren gerecht zu werden oder vorkommen, dass die ein oder andere Nebenfigur nicht in Erscheinung treten kann.

 

Was sind die Vorteile eines Crossovers?

 

Moore: Jedes Team ist ja eigentlich eine kleine Institution und gewissermaßen heilig. Wenn man da zu viel zusammen mischt, tut das der Reihe nicht unbedingt gut. Aber in einem Rahmen wie diesem macht so etwas durchaus Sinn. Dann wird auch deutlich wie unterschiedlich die Teams ticken und das kann sehr spannend sein. Die Teams müssen dann aber schon einigermaßen zusammenpassen. Ein Ulrich Tukur "Tatort" würde beispielsweise gar nicht zu Rostock passen.

 

Das Team aus Rostock ist sehr beliebt, die Magdeburger noch sehr neu. Da bietet sich so ein Projekt auch gut an, um ein neues Team zu pushen oder?

 

Moore: Die Rostocker haben ganz klar den Vorteil, dass sie schon sehr bekannt sind. Die Magdeburger hatten zwar bisher noch nicht ihre Mitte gefunden, das ist aber eine sehr spannende Findungsphase. Ich denke beide profitieren davon - ich habe jedenfalls beide Teams gleich behandelt.

 

Wie haben Sie die Wende erlebt?

 

Moore: Ich kam 1988 nach West-Berlin und war gerade erst 20. Ich war Tontechniker beim SFB und stand dann mit dem Übertragungswagen auf dem Kudamm als die Mauer fiel. Ich drehte mit einem Kameramann an der Bernauer Straße als die Mauer dort eingerissen wurde. Ihm liefen die Tränen über das Gesicht und ich dachte nur - krass, hier passiert gerade etwas Wichtiges. Als junger Mann der gerade aus Irland kam, konnte ich die tiefergehende Bedeutung der Ereignisse noch nicht begreifen.

 

Wie sehr haben Sie die DDR in Westberlin gespürt?

 

Moore: Ich bin wegen der Liebe nach Berlin gezogen und habe bei der Familie meiner Freundin damals gewohnt. Ihr Vater arbeitete beim Diakonischen Werk und war öfter geschäftlich in der DDR. Er erzählte dann immer ganz betroffen über die Zustände drüben. Meine erste Wohnung war in der Nähe vom S-Bahnhof Wollank Straße. Vom Bahnsteig aus konnte man direkt runter in den Todesstreifen blicken und die NVA-Soldaten im Wachturm beobachten. Unmittelbar dahinter die Wohnhäuser. Das war gleichzeitig absurd, spannend und unendlich traurig. Ost-Berlin kannte ich auch durch Tagestrips und hatte das typische Bild von grauen, leeren Straßen, Schlangestehen am Broilerstand.

 

Was hat Ihnen bei Ihren Recherchen besonders gefallen?

 

Moore: Ich habe dann nochmal gemerkt, wie nah ich damals durch meine Arbeit am Geschehen dran war. Oft habe ich Abschnitte über ein Treffen zwischen Politikern oder einem Ereignis gelesen und dachte - hey ich war da dabei. Das hat mir dann auch noch mehr Sicherheit gegeben, diese Geschichte zu erzählen.

 

Was halten Sie von der Idee, den "Tatort" und den "Polizeiruf" zu kreuzen?

 

Moore: Ich bin nicht unbedingt ein Fan von Crossovern. Es kommt auf den Einzelfall an. Es muss entweder vom kreativen Aspekt passen oder einen passenden Rahmen haben. Es gibt aber auch noch bei den Rostockern viele spannende Geschichten zu erzählen.

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