"Poesie des Unendlichen": Patel und Irons als Mathegenies

Die Poesie des Unendlichen
Nach einer wahren Begebenheit: "Die Poesie des Unendlichen" zeigt die Zusammenarbeit zweier Mathematik-Genies. Foto: Wild Bunch Germany/dpa © DPA

Ein indisches Mathematikgenie erobert die akademische Welt von Cambridge - davon erzählt das opulente historische Filmdrama "Die Poesie des Unendlichen".

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Auf Grundlage wahrer Begebenheiten erinnert der amerikanische Regisseur Matthew Brown dabei an die in der wissenschaftlichen Welt legendäre Zusammenarbeit zweier Mathematik-Genies: Der indische Autodidakt Srinavasa Ramanujan (1887-1920), der wie aus göttlicher Eingebung Formeln fand, die noch heute als Basis für Studien über schwarze Löcher, Quanten- und String-Theorie dienen. Und dann gab es noch seinen Mentor, den Cambridge-Gelehrten und Atheisten G.H. Hardy (1877-1947), der sich etwa um Zahlentheorie verdient gemacht hat.

Fernöstliche Intuition gegen westlichen Zwang zu Beweis und Publikation in Fachzeitschriften: Was so beginnt, entwickelt sich auf der Leinwand zu einer Spurensuche zur Schönheit einer Wissenschaft, die auch für Mathe-Muffel spannend ist. Außerdem ist der Film ein Porträt der Freundschaft zweier Männer sowie deren - wenn auch aus konträren Ansätzen heraus - gemeinsame Hingabe an die geheimnisvolle Systematik der Zahlen. Der Clou der Geschichte ist, dass zwei völlig verschiedene Herangehensweisen zur Annäherung an unerklärlich Absolutes führen. Da sind die scheinbare Rationalität westlicher Wissenschaft auf der einen und der Hindu-Glaube an das Göttliche als Quell allen Weltverständnisses auf der anderen Seite.

Das Thema ist natürlich sehr komplex. Doch selbst wenn man das alles als zu hoch und zu abstrakt empfindet, kann man sich trotz sehr konventioneller Erzählweise an dem Film erfreuen. Denn zum einen verkörpern charismatische Stars wie Dev Patel ("Slumdog Millionär") als bescheiden-selbstbewusster Ramanujan und Jeremy Irons ("Nachtzug nach Lissabon") als eigenbrötlerische Cambridge-Größe Hardy das (sozial-) psychologisch fein austarierte Spiel. Hinzu kommt noch der kultige Stephen Fry ("Oscar Wilde") als Kolonialverwalter Sir Francis Spring.

Außerdem bietet der Stoff ein reich ausgestattetes Panorama eines untergegangenen Vereinigten Königreichs zwischen Empire-Snobismus und dem Beginn des Ersten Weltkriegs. Gedreht wurde viel im altehrwürdigen Trinity College in Cambridge, wo einst der legendäre Isaac Newton lehrte und das mit seinen Renaissancebauten samt Hall, Bibliothek und Studierstuben eine wunderbare Kulisse bildet. Dort hatte ein Forscher 1976 Aufzeichnungen des Brahmanen Ramanujan wiedergefunden, die jener nach seiner Rückkehr nach Indien im letzten Lebensjahr gemacht hatte.

Im Jahr 1988 unternahm der Schriftsteller Robert Kanigel eine Recherchereise nach Südindien, wo er noch Ramanujans 90-jährige Witwe treffen konnte. Kanigels Biografie "The Man Who Knew Infinity: A Life of the Genius Ramanujan" ist auch Grundlage für den Films. So üppig das Kinowerk dann aber auch ausgestattet ist - die Familienszenen in Indien und das Kriegsgeschehen samt Zeppelin-Bombenangriff auf London fallen dagegen deutlich schwächer aus.


dpa
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