'Planet 51': Harmloser Alienspaß für die Kleinen

Astronaut sprengt außerirdische Grillparty

'Planet 51': Harmloser Alienspaß für die Kleinen

Was gibt es im Sommer Schöneres, als den Grill anzuwerfen? Das Fleisch brutzelt, der Tisch ist gedeckt und ein paar Meter weiter landet ein Raumschiff. Da würde Ihnen vermutlich die Kinnlade herunterfallen, und mit dieser Reaktion wären sie in bester Gesellschaft. Denn auch die kleinen grünen Bewohner von ‚Planet 51’ staunen nicht schlecht, als der Astronaut Captain Charles ‚Chuck’ Baker (Buzz Lightyear aus „Toy Story lässt grüßen) die Grillparty einer ganz normalen Alienfamilie sprengt, indem er mit seinem fliegenden Untersatz in deren Garten landet. Begegnung der dritten Art mal andersrum.

Diese originelle Idee dient als Ausgangsbasis für die Animationskomödie ‚Planet 51’, dem Kinodebüt der Ilion Animation Studios aus Madrid. Mit Drehbuchautor Joe Stillman haben sich die Spanier obendrein einen Mann ins Boot geholt, der bereits mit den ersten beiden ‚Shrek’-Filmen bewiesen hat, dass grasfarbene Viecher herrlich witzig sein können. Kein Wunder also, dass seine grünen Männchen ein bisschen an Fiona und ihren Oger-Gatten erinnern.

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Putzige Grünlinge mit viel Liebe zum Detail

'Planet 51': Harmloser Alienspaß für die Kleinen

Auch ‚Planet 51’ startet äußerst vielversprechend und dürfte Fans alter Science-Fiction-Filme sofort in Nostalgie schwelgen lassen. Der friedliche Alltag der Aliens erinnert an die unschuldigen und verklemmten Vereinigten Staaten der 50er Jahre auf der Erde: Vorstadtidylle mit Barbecue im Garten, weißen Gartenzäunen und bescheuerten B-Movies über außerirdische Eindringlinge im Kino.

Die Stadt der putzigen Grünlinge wurde mit viel Liebe zum Detail zum Leben erweckt. So schweben die Einwohner in runden Autos über den Boden, halten sich säurepinkelnde Miniatur-Aliens als Haustiere und leben in Häusern, die ohne Weiteres als Ufos durchgehen könnten. Inmitten dieser harmoniestrotzenden Welt lebt der 16-jährige Lem, der es endlich geschafft hat, eine Stelle im Planetarium zu bekommen - genau das Richtige, um seiner heimlichen Liebe Neera von nebenan zu imponieren. Es hätte der perfekte Tag für ihn werden können, wäre da nicht dieses fremde Raumschiff in Neeras Garten gelandet und ein seltsames weißes Männchen herausspaziert, in der Hand eine rot-weiß gestreifte Fahne mit blauem Sternchenfeld...

Die paranoiden Planetenbewohner rufen sofort das Militär. Man sieht schließlich jeden Tag im Kino, dass außerirdische Invasoren die Gehirne unschuldiger Aliens kontrollieren oder wahlweise auch fressen wollen. In Panik ergreift Menschen-Astronaut Chuck die Flucht und versteckt sich im Planetarium. Lem fasst sich ein Herz und bietet dem großmäuligen Astronauten Schutz. Zusammen müssen sie einen Weg finden, das Militär zu überlisten und entdecken dabei, dass es völlig unnötig ist, beim Anblick eines fremden Lebewesens mit den Knien zu schlottern.

Dafür, dass die Macher ein recht bescheidenes Budget zur Verfügung hatten, sehen die Animationen gar nicht so schlecht aus. In Wort- und Bildwitz schafft es das spanische Regie-Trio Blanco, Abad und Martínez nicht, an Animationsperlen wie ‚Findet Nemo’ oder ‚Ice Age’ heranzureichen.

‚Planet 51’ punktet mit witzigen Anspielungen auf ‚Alien’ und ‚E.T.’ und hat seine stärksten Szenen in der ersten halben Stunde. Leider wird das Potenzial der originellen Idee im weiteren Verlauf nicht ansatzweise ausgenutzt. So erfrischend der Einfall ist, den Spieß umzudrehen und den Menschen selbst zum Außerirdischen zu machen, so altbacken wird die Story fortgesetzt. Nun wird dem Kinozuschauer nur noch niedliche und auf Dauer leider viel zu brave Kost serviert. Einzig ein paar harmlose Gehirnamputationen könnten das ein oder andere Kleinkind schockiert zurücklassen. Als Ausgleich dafür landet neben Chuck auch sein putziger Erkundungsroboter auf dem Planeten, der als Mischung aus Hund, R2D2 und Wall.E bei den jüngeren Zuschauern für Gelächter sorgen sollte. Für den Familienausflug mit dem Nachwuchs und für Nostalgiefans sicherlich empfehlenswert, alle anderen verpassen wenig.

Von Timo Steinhaus

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