PJ Harvey veröffentlicht mit 'The Hope Six Demolition Project' ein sehr politisches Album

PJ Harvey
Eine eigenwillige Künstlerin: PJ Harvey. Foto: Torben Christensen © DPA

Krieg, verschwundene Kinder, Zentren der Macht: Auf ihrem neunten Album verarbeitet die britische Alternative-Rock-Musikerin PJ Harvey harten Tobak - und persönliche Erinnerungen an Reisen etwa nach Afghanistan.

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"The Hope Six Demolition Project" ist ein gewaltiger Reisebericht, noch dazu ein politischer, der nicht ohne kritische Reaktionen bleibt.

1992 beschrieb sich die heute 46-jährige Polly Jean Harvey in einem Interview noch als nach innen gerichtete Person, die sich zu selten mit politischen Themen auseinandersetze. Spätestens mit dem Vorgängeralbum "Let England Shake" hat die zweifache Mercury-Preisträgerin gezeigt, wie politisch sie ist - jetzt heißen Songs "The Ministry of Defence" oder "Near the Memorials to Vietnam and Lincoln".

Doch mit ihren sehr wohl politischen Ansichten eckt sie an: In "The Community Of Hope" besingt sie einen Bezirk in Washington D. C., beschreibt ihn als "Stadt voller Drogen" und seine Bewohner als "Zombies". Sowohl Politiker als auch die soziale Einrichtung "Community of Hope" waren empört. Reagiert hat Harvey öffentlich darauf bislang nicht.

Sowieso hält sich die Multi-Instrumentalistin bedeckt, was ihr neues Werk angeht. Die Absage einer Interviewanfrage begründet die Plattenfirma damit, "dass Polly zu dieser Platte überhaupt gar keine Interviews gibt". Da überrascht, dass sie 2015 dazu einlud, die Aufnahmen im Studio hinter einer Glaswand zu beobachten.

Auf der Homepage ihrer Plattenfirma erklärt Harvey: "Gesammelte Informationen aus sekundären Quellen schienen mir zu abwegig für das, worüber ich schreiben wollte." Also fuhr sie nach Washington, wo Macht und Armut aufeinanderprallen, in den Kosovo, wo sich ein leeres Haus an das andere reiht, nach Afghanistan, wo sie Kinder einem düsteren Schicksal ausgesetzt sieht.

Herausgekommen sind elf aufgeladene Tracks, in denen neben Harveys mal hoher, fragiler, mal röhrender Stimme das Saxofon omnipräsent ist. Darunter mischen sich Gitarren und Streicher, Blues-Schemata ("The Orange Monkey"), für afrikanische Musik typische Call and Responses bis hin zum Thema des Gospels und Protestsongs "Wade in the Water" ("River Anacostia"). Mit "Dollar, Dollar" dann nimmt Harvey ihre Hörer mit in diese verstörende Welt, in der ein Junge am Fenster um Geld bettelt - und das Taxi der Sängerin davonrauscht.


dpa

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