Philomena mit Judi Dench und Martin Sixsmith: Rührende Geschichte gepaart mit schwarzem Humor

Philomena
Der zynische und arrogante Journalist Martin Sixsmith hilft Philomena, ihre Geschichte an die Öffentlichkeit zu bringen.

4,5 von 5 Punkten

Stephen Frears, der mit so unterschiedlichen Filmen wie 'Gefährliche Liebschaften', 'High Fidelity' oder 'Die Queen' Publikum und Kritiker gleichermaßen begeisterte, ist nach eher mittelmäßigen Komödien ('Immer Drama um Tamara' oder 'Lady Vegas') wieder in Form. Seine (wahre) Story um eine irische Frau, der katholische Nonnen ihr Baby wegnahmen und zur Adoption freigaben, hätte das Zeug zum triefigen Rührstück. Aber Frears schafft den Spagat, das heikle Thema mit schwarzem Humor zu würzen und kann dabei ganz auf die bezaubernd-kauzige Judi Dench in der Hauptrolle zählen.

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Von Mireilla Zirpins

Sie spielt die fast 70-jährige Philomena Lee, die im streng katholischen Irland der fünfziger Jahre ungewollt schwanger wird. Ihre Eltern verbannen sie in ein Kloster, wo sie ihren unehelichen Sohn unter widrigen Umständen zur Welt bringt. Die Nonnen halten die minderjährigen Mütter gefügig, indem sie die Besuchszeiten bei den Babys als Druckmittel einsetzen und die Mädchen schließlich zwingen, ihre Kinder zur Adoption freizugeben. 50 Jahre lang schweigt Philomena - aus Scham, weil sie es nie gelernt hat aufzubegehren. Dann will sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit, weil sie, zerfressen von Reue, ihren Sohn doch noch aufzuspüren hofft. Dabei gerät sie ausgerechnet an den zynischen und arroganten Journalisten Martin Sixsmith (Steve Coogan, der auch am Drehbuch mitschrieb), der eigentlich keine rechte Lust auf eine solche 'bunte' Story hat, sondern bloß das Geld und den Job braucht, nachdem er als Politreporter in Ungnade gefallen ist.

Das ungleiche Paar macht sich auf den Weg zum Kloster Roscrea, einem düsteren Ort, an dem sich die alten Knochen von Nonnen angeblich an nichts erinnern können und sich auch der 'Nachwuchs' nicht wirklich kooperativ zeigt. Sixsmith bringt in Erfahrung, dass die Babys an Kinderlose in den USA verscherbelt wurden und die Reise dorthin wird zu einem noch größeren Kulturschock für die beiden.

Taschentücher raus und mitweinen und mitlachen

Philomena
Regisseur Stephen Frears inszeniert das heikle Thema mit einer Portion schwarzen Humors.

Es ist wirklich herrlich lakonisch und anrührend zugleich, wie Stephen Frears hier Welten aufeinanderprallen lässt: den Atheisten auf die Katholiken, den bildungsbürgerlichen Schreiberling auf die einfältige Frau aus der Arbeiterschicht, die biedere Britin aus der Alten Welt auf die nur oberflächlich freundlichen US-Amerikaner. Trotz aller humoristischen Elemente steht jedoch die Suche einer verzweifelten Frau nach ihrem Kind im Vordergrund, ihr Versuch, Versäumnisse wieder gut zu machen.

Dass man als Zuschauer dabei nicht wahnsinnig wird, weil Philomena trotz allem, was ihr widerfahren ist, immer noch gläubige Christin ist und viel zu schnell bereit ist zu verzeihen, verhindert allein die Figur des Journalisten, dessen kaltschnäuzig-sarkastische Kommentare dem Zuschauer aus der Seele sprechen und wie ein Katalysator wirken für den Hass, den die bornierten Nonnen unweigerlich in uns emporkeimen lassen. Schließlich ist diese unglaubliche Geschichte wirklich passiert - und nur ein Fall von vielen im irischen Roscrea. Das Ganze wird von Routinier Frears ohne jegliche inszenatorische Mätzchen dargeboten. Das kann man als Manko sehen - oder als selbstbewusstes Statement eines Regisseurs, der weiß, wie gut seine Story und seine beiden Hauptdarsteller sind. Kein Wunder also, dass 'Philomena' nicht nur als bester Film, sondern Judi Dench auch als beste Hauptdarstellerin für die Oscars 2014 nominiert wurde.Taschentücher raus, mitweinen und mitlachen!

Kinostart: 27.02.2014

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