Peter Maffay: "Ich habe keine besten Freunde"

Peter Maffay: "Ich habe keine besten Freunde"
Peter Maffay gehört zu den Erfindern der Märchengestalt "Tabaluga" © ddp images

Seit dem 30. Oktober steht Peter Maffays (66) neuestes Album "Tabaluga - Es lebe die Freundschaft" in den Läden. Darauf finden sich Stücke von berühmten Künstlern wie Helene Fischer (31, "Farbenspiel"), Tim Bendzko (30, "Am seidenen Faden") oder Samy Deluxe (37, "Gute Alte Zeit") wieder, die allesamt zugunsten Maffays Herzensangelegenheit, der "Tabaluga Kinderstiftung", auf eine Gage verzichtet haben. Im Interview mit spot on news hat der gebürtige Rumäne nun verraten, wie die Botschaft des Albums mit der aktuellen Flüchtlingskrise zusammenhängt und warum die Geschichte des grünen Drachen noch nicht beendet ist.

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Neues "Tabaluga"-Album

 

Herr Maffay, was war das Verrückteste, das Sie je mit Ihrem besten Freund erlebt haben?

 

Peter Maffay: Ich habe keine besten Freunde. Wenn sie viele Kinder haben, geben sie auch nicht einem Kind den Vorzug und sagen 'Das ist mein Lieblingskind'. Ich habe Freunde. Und jeder ist auf seine Art und Weise einzigartig. Das ist auch gut so. Ich glaube, Vielfalt gehört zur Freundschaft dazu.

 

"Es lebe die Freundschaft" lautet die Botschaft Ihres Albums. Was halten Sie davon, dass da in letzter Zeit so viel politischer Kontext hineininterpretiert wurde?

 

Maffay: Um es ganz deutlich zu sagen: Wir haben nicht versucht, ein Album auf eine Situation zu projizieren, die jetzt gerade stattfindet. Die Idee zu diesem Album liegt jetzt zwei Jahre zurück. In dem Moment wussten wir, dass eine Welle auf uns zukommen kann, aber wir kannten die Dimension nicht. Aber es stimmt, dass wir Werte wie Freundschaft, Teilen und Respekt mit Tabaluga vermitteln und diese spielen in der heutigen Zeit eine extrem große Rolle. Wir müssen zusammenstehen, um Menschen, die in Not sind, zu helfen.

 

Sie haben sich zur Flüchtlingskrise geäußert, indem Sie sagten, dass Menschen, die in unser Land kommen, für unsere Kultur offen sein müssen.

 

Maffay: Das Wort "offen" drückt nicht aus, was ich versucht habe zu sagen. Wir haben eine Demokratie, die auf gewissen Werten beruht. In Sachen Religionsfreiheit oder Gleichstellung von Mann und Frau darf es nämlich zu keinem Dogmatismus kommen. Diese Werte sind für mich unantastbar und wenn jemand zu uns kommt, muss er unsere Gesellschaftsform akzeptieren, mit allen Fehlern die sie hat. Das sind meiner Meinung nach Voraussetzungen für eine Integration und wer das nicht möchte, der hat dann auch keinen Anspruch darauf, von der Kraft dieser Gesellschaft zu profitieren.

 

Tabaluga ist eine Art Herzensangelegenheit von Ihnen. Wie viel können wir in diesem Projekt von Ihnen noch erwarten?

 

Maffay: Ich glaube eine ganze Menge, weil wir im Laufe der Zeit gesehen haben, was wir mit ihm bewirken können. Tabaluga wurde ja von Menschen wie Gregor Rottschalk, dem Geschichtenformulierer von Tabaluga und Rolf Zuckowski, einem zauberhaften Menschen und einem sehr guten Freund, miterfunden. Wir fanden es von Anfang an wichtig, schöne Werte in die kommenden Generationen zu transportieren, und zwar in Form von Geschichten, mit einem Protagonisten namens Tabalagua. Insofern ist er eine Art Trittbrett, auf das man aufspringt, um kleinen und heranwachsenden Menschen Werte wie Freundschaft, Vernunft, Respekt und Empathie zu vermitteln.

 

Ihr fünftes Tabaluga-Album "Tabaluga und die Zeichen der Zeit" sollte eigentlich das Letzte sein - und das Ende der Geschichte darstellen. Was hat Sie dazu bewegt, doch weiterzumachen?

 

Maffay: Der Grund ist recht nüchtern. Zu diesem Zeitpunkt steckten wir in Verhandlungen um den Rückerwerb der Rechte von Tabaluga. Die Aussichten, sie zurückbekommen, sahen nicht gerade gut aus, zum Glück ist es uns am Ende doch noch gelungen. Wir verbinden mit dem Rückkauf eine ganz bestimmte Absicht: Nämlich die Erträge von Tabaluga der Stiftung zuzuführen. Das ist sozusagen der ökonomische Grund. Es gibt aber auch einen künstlerischen, der nicht weniger wichtig ist. Es macht Spaß mit Tabaluga auf diese Seitenstraße zu gehen und nicht immer auf der Rock'n'Roll-Autobahn dahinzubrettern.

 

Und wie ist es um die Zukunft des grünen Drachen bestellt?

 

Maffay: Ich glaube, dass Tabaluga jetzt am Anfang steht. Er wurde ja geboren, um Werte zu vermitteln und das tut er. Aber darüber hinaus ist er jemand, der karitative Aktivitäten motorisiert und Dinge wie Konzerte, Kontakte und Sponsoren stützt. All diese Faktoren, oder bildlich gesprochen Blumen, formen einen Blumenstrauß, durch den die Tabaluga Stiftung (Anm. d Red.: Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, für traumatisierte Kinder wieder lebenswürdige Bedingungen zu schaffen) befeuert wird. Der Bedarf, Kinder zu unterstützen, ist immens angestiegen. Allein deswegen wird es Tabaluga hoffentlich noch sehr sehr lange geben.

 

Für ihr neuestes Tabaluga-Werk haben Sie viele Gastkünstler mit ins Boot geholt, wie z.B. Tim Bendzko oder Rapper Samy Deluxe. Sind sie offen für jede Musikrichtung oder gibt es auch No-Gos?

 

Maffay: Darf ich etwas ordinär werden? Das ist mir scheißegal. Ich bin Rocker und habe natürlich meine Favoriten, wie z.B. Kim Mitchell. Aber ich bin offen für alles! Ich habe selber sieben Jahre Geige gespielt, bzw. mit der Geige mein Umfeld terrorisiert, weil ich nicht gut war. Aber meine Vorliebe für klassische Musik ist ausgeprägt. Ich finde Musik machen grundsätzlich wichtig, aber ob man es gut kann oder nicht, ist nicht so wichtig.

 

Sie sind ein routinierter Live-Künstler. Was motiviert Sie Musik zu machen?

 

Maffay: Ich glaube, jeder wird aus bestimmten Gründen Musiker. Bei mir war es so, dass ich mit Leuten zusammenkommen, mich austauschen und gemeinsam mit ihnen etwas erzeugen wollte um zu sehen, ob es auch beim Publikum etwas erzeugt. Und wenn ich sehe, dass Leute berührt werden, macht mich das sehr happy. Ich kriege dafür natürlich eine ganze Menge: Wärme, Energie, Motivation. Das ist ein guter Handel.

 

Nächstes Jahr gehen Sie mit Ihrem neuen Album auf Tour. Was dürfen die Zuschauer erwarten?

 

Maffay: Die Tabaluga-Geschichte wird in ähnlicher Form ablaufen, wie die drei Musicals zuvor. Das bedeutet, wir werden sehr viele Ebenen haben: Tanz, Musik, Schauspiel. Und das alles mit verschiedenen Akteuren, die Gastrollen übernehmen. Wer allerdings dabei sein wird, steht noch nicht fest. Im Grunde wird es ein Spektakel, welches die Geschichte von Freundschaft erzählt.

 

Ihr Sohn und Ihre Frau touren immer mit. Wie wichtig ist diese Konstante an Ihrer Seite?

 

Maffay: Ich glaube, jeder Mensch braucht in gewissen Lagen Stützen und Zuneigung. Denn Liebe zu schenken und zu empfangen ist das Beste, was es auf der Welt gibt und eine wunderbare Kraft.

 

Haben Sie ein Eherezept?

 

Maffay: Ich glaube, mich sollte man nicht nach einem Eherezept fragen: Ich bin drei Mal geschieden. Aber ich sehe es so, dass Freiheit besonders wichtig ist. Vor allem die Freiheit sein Leben so zu gestalten, wie man es für richtig hält. Auch wenn man aus einer Beziehung raus will. Das ist das oberste Gebot.

spot on news

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