Peter Jackson: "Ich habe einen Geist gesehen"

Peter Jackson: "Ich habe einen Geist gesehen"
© G Tres / Splash News

Peter Jackson: Gespenst im Schlafzimmer

Den 'Herr der Ringe'-Regisseur hat man lange Zeit nur bärtig in Übergrößen-Shorts und -Hawaiihemden gesehen, doch zum Pressetermin zu seinem neuen Film 'In meinem Himmel' in Berlin erscheint er in gestreiftem Strickpulli und langer Hose und scheint sein Gewicht halbiert zu haben. Im Interview verrät er Kinoredakteurin Mireilla Zirpins, wie er abgespeckt hat und erzählt eine haarsträubende Geschichte, wie er einem Geist begegnete.

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Peter Jackson, heute mal nicht in kurzen Hosen wie bei den Dreharbeiten zu „Herr der Ringe“?

Och, ich laufe grundsätzlich schon noch so rum, aber hier bei euch in Deutschland ist es ziemlich kalt momentan. Hier herrscht echt Winter.

Warum haben Sie drastische Details aus dem Buch von Alice Sebold ausgelassen wie zum Beispiel den Fund von Susies abgetrenntem Ellbogen?

Bei dem Ellbogen konnte ich mir einfach nicht vorstellen, wie ich das so darstelle, dass es nicht seltsam wirkt, zum Beispiel wenn ein Hund ihn im Maul herbeiträgt. Manchmal muss man sich einfach gegen Dinge entscheiden. Wir haben uns für die Mütze entschieden, die im Buch ja auch gefunden wird. Eins reichte uns dann.

Die Vergewaltigung haben Sie aber auch ausgelassen...

Der Film sollte in erster Linie unterhalten, und ich habe beim besten Willen nicht gesehen, wie sich das mit der Vergewaltigung eines Teenagers vereinbaren lässt. Mir ging es mehr um das, was nach ihrem Tod passiert. Und als Regisseur hatte ich auch nicht wirklich Lust, das zu filmen.

In 'In meinem Himmel' zeigen sie den mädchenhaften Himmel einer ermordeten 14-Jährigen. Wie sähe ihr persönlicher Himmel aus?

Ich hoffe, wie wohl jeder andere auch, dort liebe Menschen wiederzutreffen, die ich verloren habe.

Und Kreaturen aus Ihren Filmen?

Tja, wer weiß, vielleicht läuft ein lustiger Haufen aus Gorillas und Hobbits dort rum. Oh, und Zombies sollte ich nicht vergessen.

Warum führen Sie beim Hobbit nicht selbst Regie?

Gute Frage. Ich glaube, ich wollte einfach nicht, dass der Film mit den drei „Herr der Ringe“-Filmen konkurrieren muss. Ich habe in der Ringe-Trilogie ja schon was aus dem „Hobbit“ erzählt und Orks und andere Wesen, die in beiden Büchern vorkommen, dargestellt. Und ich habe sehr hart an „Lord Of The Rings“ gearbeitet und stellte es mir unbefriedigend vor, noch zwei weitere in der Art zu machen. Beim ersten Mal bin ich einfach meinem Instinkt gefolgt, hatte aber Angst, dass ich so unvoreingenommen nicht mehr dran gehen könnte. So haben meine Frau Fran Walsh, Philippa Boyens und ich einfach nur das Drehbuch geschrieben und warten ab, was Guillermo Del Toro daraus macht. Er hat einen anderen Geschmack und ist einfach großartig. So bin ich fast gespannter, seinen Film zu sehen, als ich es bei meinem eigenen gewesen wäre. Ich hoffe, die Dreharbeiten beginnen Mitte 2010.

Peter Jackson: "Ich habe einen Geist gesehen"
© ZB, Sören Stache

Guillermo Del Toro bewundert Sie dafür, dass Sie keine Brille mehr tragen – und besonders dafür, dass Sie so unglaublich viel abgenommen haben. Wie haben Sie das geschafft?

Ich habe das alles beim Dreh zum „Herrn der Ringe“ zugenommen, weil ich sieben Jahre lang vor lauter Stress nur Hamburger und Fish and Chips gegessen habe. Danach habe ich einfach aufgehört, Junk Food zu essen.

Sie beschäftigen sich in Ihren Filmen gern mit Übernatürlichem. Haben Sie selbst schon parapsychologische Erfahrungen gemacht?

Ich habe mal einen Geist gesehen. Fran und ich sind ja schon seit 25 Jahren zusammen. Sie wohnte damals in Neuseeland in Wellington in einem Zwei-Zimmer-Apartment gegenüber des Theaters. Kurz nachdem wir uns kennen gelernt hatten, machte Fran morgens in der Küche Tee, und ich saß in ihrem Bett, als ich am Fußende eine Frau sah. Sie war etwa 50, ganz weiß und trug ein altmodisches Kleid. Was mir aber die Nackenhaare aufstellte, war, dass ihr Gesicht zu einem Schrei versteinert war, ihre Augen waren voller Hass, aber es kam kein Geräusch aus ihrem Mund. Mein Herz begann zu rasen. Es dauert etwa sechs oder sieben Sekunden, dann verschwand sie durch die Wand. Als Fran mit dem Tee kam sagte ich, immer noch unter Schock: 'Ich hab einen Geist gesehen.' Fran wohnte schon ein paar Jahre in der Wohnung und fragte mich – und ich schwöre, dass das die Wahrheit ist: 'War es eine Frau mit einem schreienden Gesicht?' Sie hatte sie sechs oder acht Monate vor mir gesehen.

Haben Sie die Erscheinung je wieder gesehen?

Nein, wir haben auch nicht mehr drüber gesprochen. Aber vor etwa drei Jahren haben wir in einer Zeitung in Wellington eine Story über das 100 Jahre alte St. James Theater gegenüber von Frans damaligem Apartment gelesen. Da war auch von dem St. James Geist die Rede, von einer Schauspielerin, die um die letzte Jahrhundertwende herum auf der Bühne ausgebuht wurde und dann in ihrer Garderobe Selbstmord beging. Mehrere Arbeiter haben sie über die Jahre gesehen. Und sie wurde als Figur mit einem Schrei-Gesicht beschrieben. Es tut mir echt leid für sie, wenn sie da schon seit über 100 Jahren herumspukt. Klingt nicht nach Spaß.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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